Ratgeber

Kfz-Versicherung Was bringt der Wechsel wirklich?

Wie jedes Jahr im Herbst jagen sich die Kfz-Versicherer wieder gegenseitig die Kunden ab. Wer wechselt, kann ordentlich sparen, so liest man überall. Stimmt das? Wir haben für autofahrende Kollegen ganz unrepräsentativ den Vergleich gemacht. Richtig viel Sparpotenzial hat nur einer von ihnen.

Der Countdown läuft: Wer seiner bisherigen Kfz-Versicherung Lebewohl sagen will, hat dazu noch bis zum 30. November Gelegenheit. Danach ist man ein weiteres Jahr an den Anbieter gebunden, es sei denn, der erhöht später noch den Beitrag, dann gilt ein Sonderkündigungsrecht. Ein Versicherungswechsel ist nicht allzu kompliziert, aber lohnt sich der Aufwand? Glaubt man den Analysen der einschlägigen Vergleichsportale und der Stiftung Warentest, dann ja. Für manche Fahrerprofile hat "Finanztest" unlängst Sparpotenziale von mehreren hundert Euro ermittelt.

Wir wollten sehen, wie das in der Praxis aussieht und haben Redaktionsmitglieder zum Vergleich gebeten. Dafür haben wir den Rechner von Check 24 genutzt. Das Ergebnis ist natürlich völlig unrepräsentativ, aber auch ein wenig überraschend: Richtig viel sparen kann kaum einer.

Fall 1: Der Technikredakteur

Fährt einen Ford Fiesta, Baujahr 2002, höchstens 8000 Kilometer im Jahr. Für Haftpflicht plus Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung zahlt er bei der HUK24 in Schadenfreiheitsklasse 14 ab nächstem Jahr rund 278 Euro. Darin enthalten sind auch 6 Euro für einen Kfz-Schutzbrief.

Das zeigt der Vergleich: Nur ein Anbieter ist günstiger, und das auch nur geringfügig. 262 Euro würde der Kollege bei der Europa zahlen. Ein Wechsel lohnt sich kaum. Ein wenig Sparpotentzal wäre drin, wenn er den Teilkaskoschutz weglässt. Der gilt bei Autos über sieben Jahre als entbehrlich. Ohne Kaskoschutz liegt der günstigste Tarif bei der Europa bei 226 Euro.

Fall 2: Die Wirtschaftsredakteurin

Fährt einen Peugeot 207 mit 88 PS. Erstmals zugelassen wurde das Fahrzeug im Jahr 2006. Bislang ist die Kollegin bei der HUK-Coburg versichert. Weil Direktversicherer meistens günstiger sind, hoffen wir auf reichlich Sparpotenzial. Bislang sind für Haftpflicht und Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung plus Schutzbrief 87 Euro fällig, bei vierteljährlicher Zahlungsweise.

Das zeigt der Vergleich: Es gibt noch Luft nach unten – aber nicht allzu viel. Beim Direktversicherer Europa wären 67 Euro für drei Monate zu zahlen, drei Euro mehr bei der R+V24. Der kleine Aufschlag wäre gut investiert, denn die R+V24 bietet eine erweiterte Deckungssumme von 100 Millionen Euro, zudem gilt die Wildschadensdeckung der Kaskoversicherung für Tiere aller Art. Bei der Europa hingegen zählt nur Haarwild wie Wildschweine oder Rehe. Durch die Umstellung auf jährliche Zahlung ließen sich nochmal rund 20 Euro sparen. 

Fall 3: Der Teletext-Redakteur

Fährt einen drei Jahre alten Skoda Roomster, bis zu 10.000 Kilometer im Jahr. Versichert ist das Fahrzeug auf seine Lebensgefährtin, die im öffentlichen Dienst arbeitet. Für 358 Euro ist die Familienkutsche bei der HUK-Coburg vollkaskoversichert, Schutzbrief inklusive.

Das zeigt der Vergleich: Der HUK-Tarif ist eine gute Wahl, billiger geht’s kaum. Selbst der Wechsel zur Online-Tocher HUK24 brächte nur drei Euro Ersparnis, auch die DEVK liegt auf diesem Niveau. Zu überlegen wäre allerdings, den Vollkaskoschutz aufzugeben. Das liegt nahe, wenn ein Auto älter ist als drei Jahre und es spart richtig Geld: 120 Euro günstiger wird die Versicherung, wenn der Schutz auf Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung reduziert wird.

Fall 4: Der Kulturredakteur

Gönnt seinem fünf Jahre alten Fiat Punto immer noch Vollkaskoschutz bei der Direct Line und zahlt dafür 712 Euro im Jahr. Beim vorgesehenen Wechsel in die Teilkasko wären es immer noch 458 Euro.  Dass der Tarif so hoch ist, hat zwei Gründe: Zum einen gilt der Kollege mit rund 15.000 Jahreskilometern nicht mehr als Wenigfahrer, zum anderen ist die Zahl der Fahrer nicht limitiert. Einzige Bedingung: Nur Menschen über 23 Jahren dürfen ans Steuer.    

Das zeigt der Vergleich: Das Sparpotenzial liegt im dreistelligen Bereich. Vollkaskoschutz mit Rabattretter und ohne Fahrerbindung gibt es bei der Asstel für rund 600 Euro. Rund 40 Euro günstiger wäre der Tarif bei der Axa, wenn der Kreis der Fahrer auf zwei Personen beschränkt wird. Die Teilkasko ist unter dieser Voraussetzung noch deutlich billiger: Für 350 bietet die Europa einen Tarif mit sehr gutem Leistungsumfang. 

Auf jeden Fall vergleichen

Wir haben noch andere Fälle berechnet, die hier nicht weiter dargestellt werden. Aufsehenerregend waren die Sparmöglichkeiten hier allerdings nicht. Trotzdem sollte man den Vergleich nicht scheuen, auch weil sich möglicherweise die Tarifvoraussetzungen geändert haben Das kann etwa sein, wenn sich das Arbeitsverhältnis geändert hat oder wenn es Zuwachs oder Abgänge im Haushalt gegeben hat. Wer eigentlich gar nicht wechseln will, aber feststellt, dass es günstigere Angebote gibt, kann beim bisherigen Versicherer anfragen, ob es noch Spielräume gibt. Eine Kollegin hat so ihren Tarif im Nachhinein nach unten verhandelt. Vielleicht bringt der Vergleich auch einfach die beruhigende Erkenntnis, dass man beim bisherigen Anbieter ganz gut aufgehoben ist und sich den Wechsel sparen kann.

Kfz-Versicherung vergleichen

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema