Ratgeber

Ersatz für Zweitwagen Was das Teilen kostet

Carsharing liegt im Trend. Das behaupten zumindest die Carsharing-Anbieter. Eins ist jedenfalls klar: Je teurer Autofahren wird, desto eher sind Menschen bereit, auf ein eigenes Auto zu verzichten und sich das Auto mit anderen zu teilen.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Hauptzielgruppe der Carsharing-Anbieter sitzt in großen Städten und Ballungszentren. Ziel ist hier auch, die Menschen davon zu überzeugen, dass Carsharing nicht nur was für Öko-Fuzzis ist, sondern ein Instrument, mit dem man den Zweitwagen locker ersetzen kann.

 

Mittlerweile bieten auch die klassischen Autovermieter Carsharing an. Jüngster Neueinsteiger auf dem Gebiet ist Hertz. Geschäftsführer Elyes M'Rad ist davon überzeugt, dass man im Jahr bis zu 2500 Euro sparen kann, wenn man mit dem Auto weniger als 12.000 Kilometer unterwegs ist.

Buch mit sieben Siegeln

Für viele ist Carsharing noch ein Buch mit sieben Siegeln. Was einen die Teilnahme kostet, ist oft nicht klar. Da ist von einer Einmalgebühr, monatlichen Grundgebühren, Stunden- und Kilometerpreisen die Rede. Das schreckt ab und man gewinnt den Eindruck, als wäre man selbst mit dem Taxi noch günstiger unterwegs. Allerdings wissen die meisten auch nicht, was sie der gefahrene Kilometer mit dem eigenen Auto kostet. Schließlich setzt man sich einfach rein, fährt und zahlt in diesem Moment höchstens die Spritkosten.

 

Der Bundesverband Carsharing bietet auf seiner Internetseite die Möglichkeit, Carsharing-Anbieter im eigenen Ort zu suchen. Für Berlin werden insgesamt fünf Anbieter gelistet, deren Preise wir für Privatkunden vergleichen wollen.

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

 

Cambio ist der erste Anbieter in der Liste. Über Berlin sind acht Stationen verteilt – allerdings nicht gleichmäßig sondern eher geballt nördlich und südlich vom Stadtzentrum. Zur Auswahl stehen Kleinwagen (z.B. Ford Fiesta), Kleintransporter (z.B. Opel Combo) und Kombis (z.B. Opel Astra). Die einmalige Anmeldegebühr beträgt 30 Euro pro Person. Wer monatlich mehr als 60 Kilometer fährt, soll laut Cambio zum AktivTarif greifen. Die monatliche Grundgebühr beträgt hier 10 Euro. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, betrachten wir darüber hinaus nur die Kosten der günstigsten Wagenklasse. Diese betragen bei Cambio 1,70 Euro pro Stunde, 20 Euro pro Tag oder 120 Euro pro Woche. Bei einer Fahrleistung bis 100 Kilometer kommen noch 0,22 Euro pro km hinzu. Darüber hinaus wird eine Kilometerpauschale von 0,18 Euro fällig. Die Kilometerpauschale deckt bei fast allen Anbietern auch die Benzinkosten ab. Cambio ist deutschlandweit in mehr als 40 Städten vertreten.

 

Stadtmobil ist mit 13 Stationen in Berlin vertreten, die sich um den Stadtbezirk Mitte herum ebenfalls eher nördlich und südlich vom Zentrum ballen. Insgesamt stehen fünf Fahrzeugklassen vom Mini bis Kombi zur Verfügung. Stadtmobil verlangt bei Aufnahme als Standard-Nutzer 400 Euro, 70 Euro als einmalige Aufnahmegebühr und 330 Euro als Kaution, die unverzinst bei Kündigung zurückgezahlt wird. Darüber hinaus wird eine monatliche Gebühr von 5 Euro fällig. Das günstigste Auto kostet 0,98 Euro pro Stunde, 18,50 Euro pro Tag und 102 Euro pro Woche. Die ersten 100 Kilometer kosten 0,19 Euro, darüber hinaus 0,13 Euro pro Kilometer. Pro Nutzung ist zudem eine Grundgebühr von einem Euro zu zahlen. Stadtmobil ist deutschlandweit in neun Ständten vertreten.

 

Das Carsharing-Angebot der Bahn ist deutschlandweit in über 100 Städten verfügbar. Der Fuhrpark umfasst 10 Fahrzeugklassen – vom Mini bis zum Kleinbus und Trasporter. Die Bahn unterscheidet bei der Aufnahme Bahncard-Inhaber (einmalig 69 Euro inkl. 25 Euro Fahrtguthaben), bahn.comfort-Kunden (einmalig 49 Euro inkl. 25 Euro Fahrtguthaben) und Kunden ohne Bahncard (einmalig 99 Euro). Das günstigste Auto kostet pro Stunde 1,90, pro Tag 45,90 und pro Woche 202 Euro. Der Preis pro Kilometer variiert zwischen 0,16 Euro und 0,19 Euro pro Kilometer. An Flughäfen wird ein Aufschlag von 25 Prozent auf den Zeitpreis erhoben. Innerhalb von Berlin stehen die Fahrzeuge der Bahn an über 60 Standorten – überwiegend innerhalb des S-Bahn-Rings.

 

Der Sixti Car Club ist ein Ableger des Autovermieters Sixt. Sixti ist an rund 40 Standorten in ganz Berlin vertreten – bislang allerdings nur in Berlin. Vier Fahrzeugkategorien stehen zur Auswahl. Bei der Anmeldung wird eine einmalige Gebühr von 59 Euro fällig. Der Preis pro Stunde beträgt tagsüber (8 bis 20 Uhr) 1,50 Euro, nachts 1 Euro und pro Tag 30 Euro. Hinzu kommt eine Kilometerpauschale von 0,20 Euro.

 

Greenwheels ist in Deutschland an 14 Standorten vertreten und mit 66 Stationen in Berlin. Es stehen zwei Fahrzeugkategorien (Kleinwagen und Kombi) zur Auswahl, die in drei verschiedenen Tarifvarianten gebucht werden können. Der Standardnutzer zahlt eine Kaution in Höhe von 200 Euro (Bahncard-Inhaber oder Inhaber einer ÖPNV-Monats- oder Jahreskarte 100 Euro). Der Mietpreis setzt sich aus Zeit-, Kilometer- und Kraftstoffpreis zusammen. Montags bis Donnerstags kostet die Stunde tagsüber (10 bis 22 Uhr) 2,40 Euro, nachts 1 Euro und am Wochenende 4 Euro. Ein Tag schlägt mit 34 Euro zu Buche, eine Woche mit 238 Euro. Hinzu kommen 0,13 Euro pro Kilometer und 0,08 Euro pro Kilometer für Kraftstoff. Darüber hinaus sind monatlich 15 Euro zu zahlen. ÖPNV-Abo-Kunden können die monatliche Grundgebühr mit den Kilometersätzen ohne Kraftstoff verrechnen lassen.

 

Fazit: Die Preiskalkulation und die Bedingungen der einzelnen Anbieter ist sehr unterschiedlich und lässt kein Pauschalurteil zu. Zu viele verschiedene Faktoren, die noch vom Bedarf des jeweiligen Fahrers abhängen, müssen berücksichtigt werden – und letztlich wird wohl entscheidend sein, welche Station zu den eigenen vier Wänden am nächsten gelegen ist, denn das tollste Angebot nützt nichts, wenn man einen langen Weg zum Auto zurücklegen muss. Der Kilometerpreis des eigenen Autos ist Laut ADAC übrigens günstigstenfalls bei 0,30 Euro anzusetzen.

Quelle: ntv.de