Ratgeber

Folgen der Finanzkrise Was für Verbraucher besser wird

Vor einem Jahr stürzte die Finanzwelt in die Krise, die Auswirkungen bekommen auch die Verbraucher zu spüren - positiv und negativ. Wer sein Geld anlegen will, wird von den Banken mit hohen Zinsangeboten angelockt. Wer dagegen Geld braucht, muss mit höheren Kosten rechnen.

Für Tagesgeld und Festgeld bieten einige Institute mehr als fünf Prozent. Das liegt weit über dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) von 4,25 Prozent, zu dem die Institute sich bei der Notenbank selbst Geld besorgen. Doch die Freude über den Zinsgewinn wird von der Rekordinflation getrübt, die im Juni mit 3,3 Prozent so hoch ausfiel wie seit 15 Jahren nicht mehr. "Das Geld der Verbraucher ist für die Banken interessanter geworden, weil sie wegen der Finanzmarktkrise frisches Kapital brauchen", sagt Finanzexperte Marcus Preu vom Internet- Portal biallo.de. "Zudem hat sich der Wettbewerb verschärft, weil große Banken verstärkt auf dem Privatkundenmarkt mitspielen."

Neu entdeckte Privatkunden

Normalerweise leihen sich die Banken untereinander große Summen. Doch seit Beginn der US-Immobilienkrise und dem Ausbruch der Finanzkrise grassiert das Misstrauen. Hat der Konkurrent vielleicht noch Löcher in seinen Bilanzen? Da horten die Banken das Geld lieber. Gleichzeitig haben Großbanken den Privatkunden neu entdeckt, weil das Investmentbanking wegen der Finanzkrise nicht mehr die üppigen Gewinne früherer Zeiten abwirft.

"Die hohen Tagesgeldzinsen sind vor allem Folge des hart umkämpften Marktes", sagt der Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken, Thomas Schlüter. Die Leitzinsveränderungen der EZB hätten dagegen weniger Einfluss auf die Zinsgestaltung. Denn die Notenbank steuere weniger als fünf Prozent der gesamten Einlagen der Banken bei.

Viel wichtiger sind die Zinssätze, die am Geldmarkt gezahlt werden - und diese steigen schon lange. Weltweit haben die Notenbanken mehrfach mit Milliardenspritzen ein Austrocknen des Geldmarktes verhindert, doch das Misstrauen der Banken bleibt. Der Zinssatz Euribor, zu dem die europäischen Banken sich untereinander Geld leihen, liegt bei 5,2 Prozent bei sechs Monaten Laufzeit - also deutlich über dem Leitzins. Parallel zum Zinssatz am Geldmarkt sind auch die Zinssätze für Baudarlehen schon seit Monaten kontinuierlich gestiegen.

16 Prozent Dispozins

Der starke Wettbewerb hindert die Banken nicht daran, ihre Zinssätze für Dispo- und Ratenkredite nach oben zu schrauben und ihre Kosten an die Kunden weiterzugeben. Für den Dispokredit auf dem Girokonto verlangen einige Banken mittlerweile über 16 Prozent. Zudem ist es gar nicht mehr so einfach, überhaupt an Geld zu kommen. Verbraucher müssen mehr Sicherheiten hinterlegen, denn die Banken bewerten Risiken jetzt strenger als vor der Krise. "Auf eine Kreditklemme gibt es aber keine Hinweise", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Doch es wächst die Sorge um die Konjunktur. Der private Verbrauch sollte in diesem Jahr zum Treiber des Wirtschaftswachstums in Deutschland werden. Allerdings zieht die Inflation den Verbrauchern an Tankstellen und im Supermarkt das Geld aus der Tasche. Das Inland kann den Bremsfaktoren aus dem Ausland nichts entgegensetzen. Der Export leidet unter dem Konjunktureinbruch in den USA, dem starken Euro und dem hohen Ölpreis. Einige Ökonomen befürchten bereits eine Rezession, also zwei aufeinanderfolgende Quartale, in denen die Wirtschaft schrumpft. "Wir müssen uns anschnallen", sagt Volkswirt Andreas Rees von UniCredit.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema