Ratgeber

Angst vor Inflation? Was jetzt zu tun ist

In Deutschland geht die Inflationsangst um. Viele wünschen sich die D-Mark zurück und glauben, dass andere Euroländer uns mit in die Währungskrise reißen. Die Stiftung Warentest hat zum Internet-Chat geladen, um die wichtigsten Fragen durch die Experten der Stiftung zu beantworten.

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Wie stabil ist der Euro?

(Foto: dpa)

Sollte man jetzt Gold kaufen?

Als Allheilmittel gegen Inflation wird oft das Edelmetall Gold genannt. Wie alle Edelmetalle hat es einen Materialwert. Dieser ist mittlerweile sehr hoch und auch voll von Spekulationen. Die Einstiegsfrage, ob sich Gold auch für Kleinanleger lohnt, wurde nicht präzise beantwortet. Natürlich können Kleinanleger auch Gold kaufen, doch dies sollte keinen zu großen Anteil im Verhältnis zu anderen Anlagen haben, meint Karin Bauer von der Stiftung Warentest. Auch eine Antwort auf die Frage, ob sich ein Investment in andere Edelmetalle oder Rohstoffe angesichts des hohen Goldpreises lohnt, bleibt sie schuldig. Fest steht für Bauer: Jeder sollte sich bewusst sein, dass beim Goldkauf ein Währungsrisiko besteht, da Gold in Dollar gehandelt wird und man sich keinesfalls verschulden sollte, um Gold zu kaufen.

Lohnt es, das Geld in einer anderen Währung anzulegen?

Ein anderer Chatter fragt, ob er 40.000 Euro nicht zum Beispiel auf einem Konto in der Schweiz anlegen sollte. Thomas Krüger von der Stiftung Warentest hält davon nichts, da er das Währungsrisiko für zu hoch einschätzt. Er empfiehlt stattdessen auf Euro lautende Rentenpapiere als Anlage.

Ist es sinnvoll, jetzt Geld in die eigene oder vermietete Immobilie zu stecken?

Wer Angst vor der Inflation hat, denkt auch schon mal darüber nach, das Ersparte einfach in die eigene Immobilie zu stecken. Krüger hält es nur für bedingt sinnvoll, Geld in die Renovierung des eigenen Hauses zu stecken, wenn dieses nicht wirklich renovierungsbedürftig ist. Jetzt eine Wohnung zu kaufen, um diese zu vermieten ist nicht risikolos, denn Erfolg oder Misserfolg dieser Entscheidung hängt von der Lage der Wohnung und der Entwicklung des Immobilienmarkts am jeweiligen Standort ab. Als kurzfristiges Investment ist ein Wohnungskauf nicht zu empfehlen.

Wie sicher sind 100.000 Euro bei der Santander Bank?

Erst kürzlich hat n-tv.de für die mittelfristige Geldanlage einen Sparbrief der Santander Bank vorgestellt, dessen Verzinsung überdurchschnittliche vier Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von drei Jahren beträgt. Doch wie sicher ist diese Anlage? Darauf hat Marion Weitemeier von Stiftung Warentest eine klare Antwort: Die Santander Bank ist dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes der deutschen Banken angeschlossen. Damit sind dort Anlegergelder für Festgeld-, Sparbriefe und Tagesgeld und andere Sichteinlagen in Millionenhöhe pro Anleger abgesichert.

In welche Fonds sollte man jetzt investieren?

Bei welchen Fondsgattungen das eigene Geld gut aufgehoben ist, wollten die Chatter ebenfalls wissen. Krüger rät, mit dem Kauf von offenen Immobilienfonds abzuwarten. Eine allgemeine Anlageempfehlung ist aber schwierig, da dies auch immer von der Risikoneigung der Anleger abhängt. Sicherheitsorientierten Anlegern empfiehlt er 85 Prozent in Rentenfonds und 15 Prozent in Aktienfonds zu investieren. Ist die Risikobereitschaft höher, kann der Aktienfondsanteil bis zu 70 Prozent betragen. Aktien haben den Vorteil, dass sie einen Anteil am Unternehmen verbriefen und somit einen gewissen Inflationsschutz bieten. Allerdings ist der Preis dafür, dass beim Aktieninvestment auch ein Totalverlust möglich ist.

Wie viel Inflation ist in Ordnung?

Viele Menschen stellen sich natürlich auch die Frage, aber welcher Inflationsrate man sich Sorgen machen muss. Über den Daumen meint Krüger dazu, dass eine länger andauernde zweistellige Inflationsrate dramatische Folgen hätte. Momentan liegt die Teuerungsrate bei etwas über einem Prozent. In den 70-er Jahren haben wir auch schon Inflationsraten von bis zu sieben Prozent pro Jahr gesehen, ohne dass dies gravierende Folgen hatte. Einen gewissen Einfluss auf die Inflation haben laut Bauer auch die Bürger. Würden alle die Konsumquote extrem erhöhen, wäre mit einem Anziehen der Inflation zu rechnen.

Was taugt die inflationsgeschützte Anleihe des Bundes?

Im Falle einer drohenden Inflation sind inflationsgeschützte Anleihen besonders gefragt. Sie bieten neben einer geringen Basisverzinsung eine zusätzliche Verzinsung in Höhe der Inflation. Auch die Bundesrepublik Deutschland gibt ein entsprechendes Papier heraus. Krüger rät momentan vom Kauf dieser Anleihe ab, da diese zu teuer sei. Er empfiehlt stattdessen ein gut verzinstes Tagesgeldkonto.

Vergleichsrechner - Tagesgeld

Wie lege ich einen größeren Geldbetrag für die Altersvorsorge jetzt an?

Ein Chatter wollte 250.000 Euro für die Rente anlegen, die er in 15 Jahren antreten möchte. Krüger empfiehlt ihm als eine Option, das Geld in ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukte wie beispielsweise eine Lebensversicherung oder Fondspolice zu stecken. Eine zweite Option wäre – je nach Risikoneidung – bis zu 70 Prozent des Kapitals in Aktienfonds und den Rest in Euro-Rentenfonds zu investieren. Sicherheitsbewusste Anleger verringern die Aktienfondsquote auf bis zu 15 Prozent. Bei Anlagebeträgen in dieser Höhe sollte grundsätzlich mit einem unabhängigen Berater gesprochen und eine Strategie ausgearbeitet werden.

Quelle: n-tv.de, akl