Ratgeber
Freitag, 07. März 2014

Wer zahlt was, wann gibt's Rabatt?: Was man zur Kirchensteuer wissen sollte

Von Isabell Noé

Knapp vier Millionen Gläubige sitzen Sonntags im Gottesdienst. Mehr als sechs Mal so viele Menschen zahlen Kirchensteuer in Deutschland. Über Umwege können auch Konfessionslose zur Kasse gebeten werden. Immerhin lassen sich die Ausgaben von der Steuer absetzen.

Der Großteil der Kirchensteuer wird für die Deckung der Personalkosten verwendet.
Der Großteil der Kirchensteuer wird für die Deckung der Personalkosten verwendet.(Foto: picture alliance / dpa)

Knapp 47.000.000 Menschen in Deutschland sind Mitglieder in einer der christlichen Kirchen. Die wenigsten von ihnen haben sich bewusst dazu entschieden, getauft wurden die meisten schon als Säuglinge. Wer später nicht aus der Kirche austritt – ab 14 Jahren ist das auch ohne Zustimmung der Eltern möglich – wird ab der ersten Gehaltsabrechnung dafür bezahlen. Denn dann führt der Arbeitgeber nicht nur Lohnsteuer ab, sondern auch Kirchensteuer. Je nach Bundesland sind das acht oder neun Prozent der Einkommensteuer. Selbst Konfessionslose werden unter Umständen zur Kasse gebeten. Immerhin kann man sich einen Teil des Geldes in der Steuererklärung zurückholen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wer muss zahlen?

Der Staat zieht Steuern für die Evangelische Kirche in Deutschland und für die Bistümer der Römisch-Katholischen Kirche ein. Aber nicht nur für sie: Auch die Alt-Katholiken in Deutschland, die Freireligiösen Gemeinden und die jüdischen Gemeinden nutzen die Dienste der Finanzämter. Das lässt sich der Fiskus übrigens honorieren, in der Regel fließen drei Prozent der einbehaltenen Steuern in die Länderkassen.

Die Kirchensteuer bemisst sich nicht allein nach der Einkommensteuer. Auch bei Kapitalerträgen verdient die Kirche mit, weil die Steuer auch auf die Abgeltungssteuer fällig wird. Teilt man der Bank mit, welcher Kirche man angehört, werden die Beiträge gleich abgeführt. Ansonsten erfolgt die Abrechnung mit der nächsten Steuererklärung über die Anlage KAP. Ab 2015 sind die Banken verpflichtet, Kirchensteuer direkt einzubehalten und an die Glaubensgemeinschaften weiterzuleiten.

Kirche ohne Kirchensteuer – geht das?

Nein. Wer um die Kirchensteuer herumkommen will, hat nur eine Möglichkeit: Er muss aus der Kirche austreten. Es gilt der Grundsatz "Ganz oder gar nicht", wie das Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2012 klargestellt hat (Az.: BVerwG 6 C 7.12). Geklagt hatte damals ein katholischer Professor, der zwar die Körperschaft Kirche verlassen wollte, nicht aber die Glaubensgemeinschaft. So einen isolierten Austritt ließ das Gericht aber nicht zu.

Gibt es Rabatt auf die Kirchensteuer?

Geld für die Kirche geht in Ordnung, aber muss es denn gleich so viel sein? Im Normalfall: ja, individuellen Verhandlungsspielraum gibt es nicht. Die Erhebung anhand der Einkommen- bzw. Abgeltungssteuer, soll sicherstellen, dass jeder nach seiner finanziellen Leistungsfähigkeit erfasst wird.

In besonderen Härtefällen kann die Steuer auf Antrag aber gestundet oder teilweise erlassen werden. Unbillig könnte die vollständige Erhebung etwa bei Überschuldung oder Insolvenz sein.   

Auch bei außerordentlichen Einkünften zeigen sich viele Landeskirchen großzügig. Wer beispielsweise seine Arbeitsstelle mit einer Abfindung verlässt, kann bis zu 50 Prozent Rabatt erhalten. Ein Recht darauf gibt es aber nicht, der Nachlass muss beantragt werden.

Klarer sind die Regeln für gut betuchte Kirchenmitglieder. Je nach Gemeinde beziehungsweise Landeskirche ist die Kirchensteuer auf 3 bis 3,5 Prozent des zu versteuernden Einkommens begrenzt. Spitzenverdiener werden so entlastet. In den meisten Bundesländern kalkuliert das Finanzamt den Rabatt selbst ein, in manchen funktioniert das nur auf Antrag.

Müssen auch Konfessionslose zahlen?

Wer konfessionslos ist, muss zwar keine Steuer entrichten, zahlt aber unter Umständen trotzdem für die Kirche. Dann nämlich, wenn der weniger verdienende Ehepartner Mitglied ist. Maßgeblich ist in solchen Fällen nicht das Einkommen des kirchlich gebundenen Partners, sondern der "Lebensführungsaufwand". Der wiederum orientiert sich am gemeinsamen Einkommen des Ehepaars. Nach einem besonderen Tarif wird daraus das sogenannte Kirchgeld berechnet. Paare, deren gemeinsames zu versteuerndes Einkommen unter 37.500 Euro liegt, zahlen ein Kirchgeld von 96 Euro im Jahr, bei unter 75.000 Euro sind es 396 Euro. Der Höchstsatz liegt bei 3600 Euro.

Wollten Ehepaare das Kirchgeld umgehen, konnten sie sich bislang bei der Steuer getrennt veranlagen lassen. Ab 2014 gibt es diese Option nicht mehr, jetzt ist als Alternative nur noch die Einzelveranlagung möglich. Wer nicht auf das Ehegattensplitting verzichten möchte, hat eine weitere Option: Er tritt einem weltanschaulichen Verband für Konfessionslose bei. Als Körperschaften öffentlichen Rechts können solche Verbände zwar ebenfalls Steuer erheben, tun das aber nicht. 

Kein Problem gibt es, wenn der kirchlich gebundene Partner mehr verdient als der andere. Er bezahlt dann regulär Kirchensteuer auf sein Einkommen, der Ehepartner bleibt unbehelligt.  

Steuern sparen mit der Kirchensteuer?

Was für Spenden an gemeinnützige Organisationen gilt, das gilt auch für Kirchensteuer und Kirchgeld: Man kann sie als in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen - und zwar in voller Höhe. Bei der Lohnabrechnung von Kirchenmitgliedern werden pauschal 36 Euro berücksichtigt (72 Euro für Ehepaare). Tatsächlich können die meisten Kirchensteuerzahler aber deutlich mehr absetzen.

Quelle: n-tv.de