Ratgeber

Handeln bei Preiserhöhung Wenn der Gaspreis durch die Decke geht

imago0161059286h.jpg

Schon ärgerlich.

(Foto: IMAGO/Christian Ohde)

Die Zeiten, in denen alles nur einen Preis, aber nichts einen Wert hatte, sind vorbei. Vor allem für Gas gilt beides. Das muss doppelt und dreifach bezahlt werden. Wer jetzt eine Preiserhöhung erhält, sollte handeln.

Knapp jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Gas beheizt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben schon Post bekommen, bei anderen wird die Ankündigung demnächst im Briefkasten liegen: Wegen der drastisch gestiegenen Gaspreise auf dem Weltmarkt erhöhen Anbieter den Preis pro Kilowattstunde und die monatlichen Abschläge, ab Oktober kommt die Gasumlage dazu. Was können Verbraucher tun? Ein Überblick.

Wem werden die monatlichen Abschläge erhöht?

Viele Verträge enthalten eine Preisgarantie. Während der Mindestvertragslaufzeit kann der Preis nicht erhöht werden. Danach allerdings schon - der Preis für eine Kilowattstunde kann steigen und die Gasumlage kann aufgeschlagen werden.

"Die Gasumlage kann bei Verträgen mit einer eingeschränkten Preisgarantie zu einer Preiserhöhung führen", sagt Carina Habeck, Referentin für Verbraucherrechte bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Noch nicht abschließend geklärt sei die Weitergabe bei Verträgen mit einer vollen Preisgarantie. "Ich gehe jedoch davon aus, dass die Gasumlage auch in solchen Fällen weitergegeben werden kann."

Mieter haben entweder selbst einen Vertrag mit dem Versorger. Oder die Heizungskosten werden über die Nebenkosten abgerechnet, dann teilt der Versorger dem Vermieter die Preiserhöhung mit. "Sofern der Vermieter höhere Kosten zu tragen hat, wäre es in seinem Interesse und im Interesse der Mieter, wenn er dies seinen Mietern mitteilt, die Preisänderung darlegt und anbietet, die Vorauszahlungen zu erhöhen", rät Habeck. So drohe keine hohe Nachzahlung am Ende des Jahres.

Einfach so - um sich gegen mögliche Preissteigerungen abzusichern - könne ein Vermieter dagegen die Vorauszahlung nicht erhöhen. "Verlangt er einen höheren Abschlag, muss er nachweisen, dass die Preise gestiegen sind."

Welche Optionen gibt es?

Laut Energiewirtschaftsgesetz muss eine Preiserhöhung für private Haushalte mindestens einen Monat im Voraus angekündigt werden, für Haushalte in der Grundversorgung beträgt die Frist sechs Wochen. Verbraucher haben ein Sonderkündigungsrecht zum Termin der geplanten Preiserhöhung.

"Die Frage ist aber, ob sich derzeit ein günstigerer Anbieter finden lässt", sagt Juristin Habeck. Sie rät dazu, auch die Preise der Grundversorger zu vergleichen. Das sind beispielsweise die Stadtwerke. Diese seien momentan oft günstiger als andere Anbieter.

Habe der Versorger die Preiserhöhung nicht rechtzeitig angekündigt, sei diese unwirksam. Dann sollte der Verbraucher schnell handeln und dem Anbieter schriftlich mitteilen, dass dieser die Frist nicht gewahrt habe und er darum weiter den alten Preis zahle.

Meist reagiere der Versorger, indem er die Preiserhöhung dann zum nächsten Monat fristgerecht ankündige. In diesem Fall habe der Verbraucher zumindest nicht zu viel im Voraus gezahlt. "Sie haben außerdem Anspruch darauf, zu viel Gezahltes zurückzubekommen", sagt Habeck.

Gibt es eine Grenze?

Eine gesetzliche Preisgrenze für Gas gibt es derzeit nicht. Eine Kommission soll für die Bundesregierung Ideen für eine mögliche Bremse erarbeiten. Das Münchner Ifo-Institut erwartet, dass die Energieversorger ihre Preise vor allem zum Jahreswechsel "spürbar" anpassen werden.

In der Beratung hat Juristin Habeck schon Preissteigerungen um das Siebenfache gesehen. Das könne derzeit durchaus marktgerecht sein, sagt sie, da sich die Weltmarktpreise so stark erhöht hätten. Zu welchem Preis Unternehmen einkauften, müssten sie nicht offenlegen.

Was können Kunden noch tun?

Versorger berechnen den monatlichen Abschlag oft pauschal. Mit der Mitteilung über einen höheren Preis pro Kilowattstunde werde daher oft ein unverhältnismäßig höherer monatlicher Abschlag verlangt, weil der individuelle Verbrauch nicht maßgeblich berücksichtigt werde, sagt Habeck. Sie rät darum dazu, den eigenen Abschlag anhand des Verbrauchs aus dem vergangenen Jahr zu berechnen, dafür gibt es beispielsweise einen Rechner auf der Website der Verbraucherzentralen.

Mehr zum Thema

"Dann würde ich dem Versorger mitteilen, dass ich einen meinem Verbrauch entsprechenden Abschlag zahle." Zu knapp sollte dieser allerdings nicht ausfallen, damit bei der Jahresabrechnung keine hohe Nachzahlung drohe.

Zu hoch aber auch nicht. Denn umgekehrt bekommen Verbraucher zu viel gezahltes Geld zwar bei der Abrechnung zurück - "aber momentan geht es bei vielen monatlich um jeden Cent", sagt Habeck. Sollte der Versorger insolvent werden, wäre das Geld außerdem weg.

Quelle: ntv.de, awi/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen