Ratgeber

Tempolimit "bei Nässe" Wie nass muss die Fahrbahn sein?

Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 80 km/h, aber nur "bei Nässe". Manche Autofahrer bremsen dann schon bei erhöhter Luftfeuchtigkeit herunter, andere gehen auch bei Dauerregen nicht vom Gas. Wer hat recht?

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Wenn die anderen Fahrzeuge Wasser aufwirbeln, ist es nass genug, sich ans Tempolimit zu halten.

(Foto: imago/Sascha Ditscher)

Tempolimits lassen normalerweise wenig Raum für Diskussionen. Wer mit 140 km/h geblitzt wird, wo nur 120 km/h erlaubt sind, ist abzüglich der Toleranz rund 16 km/ zu schnell unterwegs, daran gibt es nichts zu rütteln. Anders kann das aussehen, wenn Zusatzschilder das Tempolimit beschränken. "Bei Nässe" ist so eine Einschränkung.

"80 bei Nässe" steht beispielsweise auf Autobahnen oder an Landstraßen, wenn bei Regen Aquaplaning droht oder der Straßenbelag rutschig werden könnte. Nur: Wie ist Nässe eigentlich definiert? Muss es sturzbachartig regnen oder ist schon ein leichter Sommerregen ein Grund, das Tempo zu drosseln?

Ein Blick ist die Straßenverkehrsordnung hilft nicht viel weiter. Darin heißt es lediglich, das Zusatzzeichen "bei Nässe" verbiete es, "bei nasser Fahrbahn die angegebene Geschwindigkeit zu überschreiten." Das lässt Raum für Interpretationen und hier ist dann die Rechtsprechung gefragt. Der Bundesgerichtshof hat bereits 1977 für Klarheit gesorgt. "Bloße Feuchtigkeit" sei noch keine Nässe, fanden die Richter. Die Fahrbahn sei dann nass, wenn sich auf ihrer gesamten Oberfläche ein erkennbarer Wasserfilm gebildet habe – der könne dann aber auch dünn sein.

Steht das Wasser also nur in den Spurrillen oder in Pfützen, gilt die Tempobegrenzung nicht. Und auch wenn ein warmer Sommerregen gleich wieder verdampft, kann man normalerweise nicht von einer nassen Fahrbahn ausgehen. Dagegen ist es ein sicheres Zeichen zum Runterbremsen, wenn die anderen Fahrzeuge Wasser aufwirbeln oder wenn der Regen die Sicht beschränkt.

Beschränkung nicht ohne Grund

In der Regel gelten die Tempolimits nur auf kurzen Streckenabschnitten. Meist handelt es sich um besonders kurvige Straßen. Das hat bauliche Gründe: Auf der Verbindung zwischen S-förmigen Kurven gibt es Stellen, in denen die Fahrbahn nicht geneigt ist, das Wasser kann also nicht abfließen. Das bedeutet erhöhte Aquaplaning-Gefahr. Auch bei Spurrillen oder bei altem, plattgefahrenem Asphalt ist das Risiko hoch, den Wagen nicht mehr steuern zu können. Helfen könnten da ein Fahrbahnumbau oder offenporiger Flüsterasphalt. Doch solche Maßnahmen sind teuer und deshalb gibt es meistens einfach nur ein Tempolimit. Daran sollte man sich dann auch im eigenen Interesse halten.

Während das Zusatzschild "bei Nässe" auch auf das eigene Urteilsvermögen setzt, sind andere Zusatzzeichen obligatorisch. Das gilt insbesondere für das "Schneeflocken"-Schild. Hier ist das angegebene Tempolimit immer bindend, egal ob im Schneesturm oder im Hochsommer. Das hat kürzlich erst das Oberlandesgericht Hamm festgestellt. Der zusätzliche Hinweis bezwecke lediglich die Information der Verkehrsteilnehmer und enthalte keine zeitliche Einschränkung der angeordneten zulässigen Höchstgeschwindigkeit, hieß es zur Begründung. Ähnliches gilt auch für Zusatzschilder wie Lärmschutz, Kinder oder Krötenwanderung.  Auch wenn weit und breit keine Kröte zu sehen ist, darf man nicht schneller fahren.

Quelle: ntv.de, ino

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