Ratgeber

Inflation vs. Maßnahmenpaket Wie sehr hilft das Entlastungspaket?

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Vor allem für Energie geht derzeit das Geld drauf.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Das Leben ist teuer geworden hierzulande, die Inflation läuft aus dem Ruder. Besonders macht sich das bei den Energiekosten bemerkbar. Die Bundesregierung hält mit dem Entlastungspaket dagegen, doch ausgleichen kann sie die Teuerung für die Bürger damit bei Weitem nicht.

Auch wenn es derzeit Beängstigenderes gibt, als für Strom, Wärme und Sprit deutlich mehr Euros hinzublättern, treiben die hohen Preise für Energie und das Leben im Allgemeinen doch um. Und können für einkommensschwache Haushalte durchaus bedrohlich werden.

Um den massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten zu begegnen, bleiben dem Bürger zwei Möglichkeiten: entweder das Einkommen zu erhöhen oder die Ausgaben zu senken. Ersteres ist den meisten nicht ohne Weiteres möglich. Letzteres an sich eine ziemlich gute Idee - vor allem, wenn es um den Verbrauch von Energie geht. Das würde nicht nur den eigenen Geldbeutel schonen, sondern auch das Klima weniger belasten und zudem Putins Kriegskasse schmälern. Wenn allerdings auch bei anderen Dingen gespart und der Konsum per se eingeschränkt wird, um die persönliche Inflation einzudämmen, wird es gefährlich. Für die Wirtschaft.

Die Bundesregierung weiß um die Nöte ihrer Bürger und auch um die daraus resultierende Bedrohungslage für die Ökonomie und hat deshalb das Entlastungspaket auf den Weg gebracht. Dies beinhaltet eine Energiepreispauschale für Erwerbstätige in Höhe von 300 Euro, die Erhöhung der Werbungskostenpauschale um 200 Euro, einen Familienzuschuss in Form eines Einmalbonus in Höhe von 100 Euro pro Kind, den Wegfall der EEG-Umlage in der zweiten Jahreshälfte, die Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe für drei Monate sowie die Erhöhung des Grundfreibetrages. Und wer mag, kann auch das Auto stehen lassen und zum 9-Euro-Ticket greifen.

Nicht einmal Hälfte der Energiekosten wird ausgeglichen

Klingt erstmal nicht wenig, reicht aber nicht aus, um alleine die gestiegenen Energiekosten zu kompensieren, wie Berechnungen des Vergleichsportals Verivox ergeben haben. Demnach sind die Energiekosten für einen Musterhaushalt innerhalb der letzten zwölf Monate um 62 Prozent gestiegen. Was eine jährliche Mehrbelastung von 2408 Euro bedeutet. Das Entlastungspaket der Bundesregierung gleicht mit 1035 Euro jedoch nicht einmal die Hälfte dieser Mehrkosten aus.

Grundlage der Berechnung ist ein Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen gemeinsamen Jahresbruttoeinkommen von 92.688 Euro, einem Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden (kWh), einem Stromverbrauch von 4000 kWh und einer jährlichen Fahrleistung von 13.300 Kilometern. Die durchschnittlichen Preise für Strom und Gas entsprechen dem jeweils separat errechneten Verivox-Verbraucherpreisindex, bei dem sowohl die Preise der örtlichen Grundversorger als auch der 30 wichtigsten überregionalen Anbieter herangezogen werden. Die Spritpreise wurden vom ADAC übernommen. Die Steuerberechnung wurde vom Bund der Steuerzahler vorgenommen.

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Und selbst, wenn das Haushaltseinkommen deutlich geringer ausfallen würde und derart die Energiepreispauschale von insgesamt 600 Euro (brutto) zum Tragen käme, darf nicht vergessen werden, dass einkommensschwache Haushalte überproportional unter einer hohen Inflation leiden.

Vor allem Heizölkunden leiden unter der Entwicklung. Das Heizen mit Öl verteuerte sich um 144 Prozent. Wurden für 20 Hektoliter Heizöl im April 2021 noch 1305 Euro fällig, waren es ein Jahr später bereits 3196 Eu­ro. Auch bei Gas ist ein deutliches Preisplus zu verzeichnen: Hier verdoppelten sich die Kosten für 20.000 Kilowattstunden von 1184 Euro auf 2424 Euro - ein Plus von 105 Prozent. Die Preise für Strom haben auf Jahressicht um 30 Prozent zugelegt. Benzin (plus 35 Prozent) und Diesel (plus 56 Prozent) sind ebenfalls deutlich gestiegen.

Quelle: ntv.de, awi

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