Wie werde ich...

Wie werde ich ...? Bootsbauer

Als begeisterter Segler möchte der Münchner Sepp Werner nach dem Abitur in einem Jahr nur einen Beruf erlernen: Bootsbauer. "Dann kann ich eine Acht-Meter-Jacht nach meinen Vorstellungen bauen", schwärmt er.

Zunächst steht aber die Suche nach einem Ausbildungsplatz an. "Etwa 200 Lehrstellen gibt es für diesen Beruf in Deutschland", sagt Claus-Ehlert Meyer vom Deutschen Boots- und Schiffbauerverband (DBSV) in Hamburg. Nicht viel für die große Zahl an Interessenten.

Mathe-Kenntnisse mangelhaft

"Es gibt genug Nachwuchs, aber man kann ihn nicht gebrauchen", klagt allerdings Uwe Küntzel, Inhaber einer Bootswerft in Hamburg. "Die Mathematikkenntnisse sind bei zahlreichen Hauptschülern nicht ausreichend. Vielen mangelt es auch an dem notwendigen handwerklichen Geschick." Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung bis zur Gesellenprüfung. Eine Verkürzung auf drei Jahre ist bei sehr guten Noten in der Zwischenprüfung möglich. "Es gibt vier Berufsschulen. In Hamburg findet der Unterricht tageweise statt, in Travemünde, Brake und Duisburg im Blockunterricht", erklärt Klaus Neumann vom DBSV.

Dazu kommen überbetriebliche Lehrgänge. Denn nur so lässt sich die Bandbreite der Materialverarbeitung erfassen. Holz, Kunststoffe, Stahl und Aluminium werden bei der Konstruktion von Booten verwendet, nicht selten in der Kombination aus Kunststoffrumpf und Holzaufbau. Vom olympiatüchtigen Renn-Achter bis zum gewerblichen Fischereikutter und Schiffen für die Wasserschutzpolizei fertigen die Bootsbauer alles, was den Namen Wasserfahrzeug trägt und auf Seen, Flüssen sowie in den Küstengewässern fahren soll.

Handwerkliche Fähigkeiten gefragt

Gefragt sind beim Bootsbau außer handwerklichen Fähigkeiten auch Kreativität und Vorstellungskraft: "Man muss das Boot schon vor Augen haben ehe der Spantenplan fertig ist", sagt Sven Küntzel, der Juniorchef in der Hamburger Werft, der sich gerade auf seine Meisterprüfung vorbereitet. "Es muss sehr genau gearbeitet werden. Fehler rächen sich sofort, wenn das Boot zu Wasser gelassen wird."

Gutes räumliches Vorstellungsvermögen gilt als zwingend, denn nur damit können die Baupläne in eine dreidimensionale Form umgesetzt werden. Bei Holzbooten fertigen Bootsbauer Spanten, Rippen und Verkleidungen an, für Boote aus Kunststoff wird eine Negativform mit flüssigem Kunststoff ausgegossen. Die Facharbeiter fertigen das Deck und die Aufbauten, setzen Masten und bauen die technischen Anlagen ein. Jedes Boot braucht eine wasserresistente Oberflächenbehandlung. So spachteln, lackieren und polieren die Fachkräfte mit Atemmaske und auch Schutzkleidung. Viele der Arbeiten auf einer Werft sind aber auch Reparaturen.

Geringe Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung für Bootsbauer richtet sich je nach Betrieb und ist nicht üppig. Zwischen 200 und 370 Euro monatlich nennt die Handwerkskammer in Hamburg die Beträge vom ersten bis vierten Lehrjahr. Nach den Angaben der Arbeitsagentur kann es allerdings auch deutlich mehr sein. "Wenn man ausgelernt hat, gibt es gute Verdienstmöglichkeiten, auch im Ausland", sagt Uwe Küntzel.

Quelle: n-tv.de