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Nur per App Das Girokonto fürs Smartphone

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Einkaufen, Musikhören, Navigieren: Das Smartphone ist längst zum Universaltool geworden. Diese Entwicklung hat Start-ups und Banken animiert, ein Girokonto anzubieten, das ausschließlich per App zu führen ist. Das klingt sehr modern – doch die Vorteile sind überschaubar.

Zeitgemäß ist es in jedem Fall. Und irgendwie auch besonders. Ein Konto, das nur auf dem Handy funktioniert, nicht aber am PC, hat (noch) nicht jeder. Dennoch stellt sich die Frage, welche Vorteile ein solches Modell im Alltag bietet.

Die unabhängige FMH-Finanzberatung hat deshalb für n-tv recherchiert, welche Angebote es schon gibt, was sie können und was sie kosten.

Überschaubares Angebot

Insgesamt haben die Frankfurter Experten sechs Anbieter gefunden, die ein Girokonto anbieten, dass ausschließlich per App funktioniert. Ihre Namen: 1822 direkt, O Banking, N26, Ferratum Bank, bankomo und YOMO, ein Zusammenschluss von 9 regionalen Sparkassen.

N26, der Pionier dieser Angebote landet, neben der 1822direkt und dem Angebot von O auf den ersten drei Plätzen. Die Gründe für das gute Abschneiden variieren jedoch: N26 kann vor allem damit punkten, dass Kunden per Apple Pay und Google Pay bezahlen können. Das Angebot 1822mobile glänzt, weil es dem Sparkassen-Verbund angeschlossen ist, was Geldabheben angeht. Und beim O Angebot fallen das attraktive Bonussystem und die ausgereifte Funktionalität der Nutzeroberfläche besonders auf.

Allerdings gibt es auch einen Service-Ausreißer nach unten: Die Ferratum Bank ermöglicht ihren Kunden im App-Konto keine Einzahlungen. Vermutlich unterstellt man hier, dass der APP Nutzer noch ein zweites Konto besitzt. Wenn diese Annahme falsch ist, hat der Kontoinhaber allerdings ein Problem.

Interessant, auch in dieser Hinsicht, sind die Angebote von N26 und O, die eine Bareinzahlung per QR-Code an Supermarktkassen erlauben.

Auch mobile Kunden haben Bedürfnisse

Das wohl größte Manko einiger "nur per App"-Konten ist jedoch ihr Mangel an klassischen Ausstattungsmerkmalen. Denn wer ein Girokonto hat – egal in welcher Ausführung – der braucht auch eine GiroCard oder Kreditkarte. Solange es noch Scheine und Münzen gibt, muss man sich schließlich irgendwie mit Bargeld versorgen können. Hier haben längst nicht alle "Nur-per-App"- Anbieter eine kundenfreundliche Lösung erarbeitet.

Zwar können die Nutzer eines Girokontos per App eine Kreditkarte erhalten. Doch was ist mit den Gebühren, wenn die Kunden zum Geldziehen die Automaten der Konkurrenz nutzen? Das kann relativ teuer werden.  N26 etwa deckelt die Zahl der kostenlosen Abhebungen auf maximal fünf pro Monat. Wer häufiger fremden Geldautomaten nutzt, zahlt pro Transaktion zwei Euro. Damit bleibt N26 zwar noch immer unter den Preisen, die manche Automatenaufsteller fordern, im Vergleich zu anderen App-Konten ist die Bargeldversorgung aber dennoch teuer.

Deutlich entspannter geben sich hier die Sparkassen, wohl auch, weil es genügend Geldautomaten im Sparkassenverbund gibt: YOMO und 1822mobile Kunden können dort Geld ziehen, so oft sie wollen.

Gemacht für die Generation Smartphone

Bleibt die Frage: Wer braucht eigentlich so ein "Nur-per-App"-Girokonto? Vermutlich wird sich für diese Variante vor allem die jüngere Generation interessieren, die auch ihr restliches Leben per Handy organisiert. Zudem kann es eine Option für technikafine Erwachsene sein, die ein kostenloses Zweitkonto benötigen – und/oder einen Anlass suchen, sich intensiver mit (neuen) Funktionen ihres Smartphones zu beschäftigen.

Ob es dafür allerdings ein "Nur-Per-App"-Konto sein muss, ist und bleibt aber fraglich. Das gilt umso mehr, als  fast alle Banken auch mit ihren normalen Konten die Nutzungsmöglichkeiten per APP forcieren.

Im Giro-Vergleich der FMH kann man sich deshalb auch nur die etablierten Banken anzeigen lassen, die für ihr traditionelles Girokonto schon eine App-Version anbieten.

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Quelle: n-tv.de