Fußball-WM 2019

Angst vor Titelfavorit USA Wie die DFB-Elf Spanien besiegen will

Plötzlich steht das DFB-Nationalteam der Frauen ohne ihre Beste da. Doch die deutschen Fußballerinnen sind sich einig: Wir spielen für Dzsenifer Marozsán. Wer aber bei der WM gegen Spanien auflaufen wird, daraus macht Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ein großes Geheimnis.

Wie ersetzt man eine Spielerin, die nicht zu ersetzen ist? Diese Mammutaufgabe kommt auf Fußball-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und ihr Team zu. Wenn um 18 Uhr (bei ZDF und im Liveticker bei n-tv.de) das zweite Spiel der Gruppe B bei der Weltmeisterschaft in Frankreich angepfiffen wird, ist Regisseurin Dzsenifer Marozsán nicht dabei. Die 27-Jährige fehlt gegen Spanien, weil sie sich im Auftaktspiel gegen China (1:0) den mittleren Zeh gebrochen hat. Die Starspielerin der DFB-Auswahl sei laut ihrer Trainerin nicht zu ersetzen, "weil sie besondere Fähigkeiten hat". "Wir müssen das als Mannschaft kompensieren", sagte Voss-Tecklenburg vor dem Spiel. Die 51-Jährige stellte aber auch klar: "Wir werden nicht nur wegen Dzsenis Ausfall mit einer anderen Mannschaft auflaufen als gegen China. Das ist aus unseren Überlegungen nach dem Spiel entstanden."

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Lea Schüller darf auf einen Startelfeinsatz hoffen.

(Foto: imago images / foto2press)

Denn die Partie gegen Spanien wird das entscheidende Duell um den Sieg in der Gruppe B sein. Und der ist doppelt wichtig: Für das richtige Turniergefühl - vor allem aber, um dem Duell mit Rekordgewinner und Titelverteidiger USA im Achtelfinale aus dem Weg zu gehen. Das Team von Trainerin Jill Ellis gewann gestern Abend 13:0 gegen Neuling Thailand - ein Gegner also, dem kein Team begegnen möchte.

"Spanien vielleicht überraschen"

"Gegen Spanien werden Kleinigkeiten entscheiden", erklärte Voss-Tecklenburg: "Du musst 100 Prozent geben, du musst 100 Prozent gehen." Wie die Startaufstellung der Deutschen konkret aussehen wird, wollte sie nicht verraten. "Ich möchte dazu vorher nichts sagen, damit wir Spanien vielleicht überraschen können."

Aber wer könnte die Spielerin von Champions-League-Sieger Olympique Lyon denn ersetzen? Bleibt das Trainerteam beim 4-2-3-1, so scheint möglich, dass Kapitänin Alexandra Popp zurückgezogen wird und die gegen China eingewechselte Lea Schüller als Spitze aufläuft. Rechts bliebe Svenja Huth, Sara Däbritz könnte offensiver spielen und nach links rücken. Neben Melanie Leupolz auf der Sechs würde in diesem Fall womöglich "Küken" Lena Oberdorf auflaufen, die im Spiel gegen China mit ihrer Ruhe positiv auffiel.

Gegen die offensiv ausgerichteten und spielstarken Spanierinnen ist aber auch eine Umstellung auf eine Fünferkette mit Giulia Gwinn und Carolin Simon als schnelle Flügelspielerinnen möglich. Laut der spanischen Sportjournalistin Lucía Santiago leidet das Team von Trainer Jorge Vilda nämlich bei schnellen Angriffen und ist lieber selbst in Ballbesitz. Das analysierte Ex-Bundestrainerin Steffi Jones unlängst dem "Kicker": "Sie wollen selbst Fußball spielen, aus der Abwehr heraus aufbauen, mit wenigen Ballkontakten, bis der Pass in die Tiefe kommt."

"Nicht so einfach aufgeben"

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Wie auch immer die DFB-Startelf ohne die 91-malige Nationalspielerin Marozsán aussehen wird, Deutschland braucht eine Leistungssteigerung, um den Einzug ins Achtelfinale bereits vorzeitig so gut wie perfekt zu machen. "Es wird ein Spiel auf Augenhöhe", sagte Voss-Tecklenburg. "Jedes Spiel ist ein Endspiel und eine große Herausforderung."

Verteidigerin Leonie Maier sagte: "Ich halte nicht viel von Rechenspielen. Wir wollen das Spiel gewinnen und werden entsprechend reingehen." Das Team habe ein Ziel: "Wir werden für Maro spielen." Das bestätigte auch Torfrau Almuth Schult im dfb.de-Interview: "Das ganze Team weiß, wie sehr Dzseni davon träumt, ein Halbfinale oder Endspiel in ihrer zweiten Heimat Lyon zu erleben. Gerade deswegen spielen alle nun ein Stück weit auch für sie - und ihren großen Traum."

Die Verletzungsgeplagte dürfte derartige Bekundungen gern hören, denn mit jedem Sieg ihrer Kolleginnen wird wahrscheinlicher, dass auch sie noch einmal zum Einsatz kommt bei der WM in ihrer Wahlheimat Frankreich. Schließlich hatte Voss-Tecklenburg gesagt: "Wir werden versuchen, sie bei der WM wieder auf den Platz zu bringen." Marozsán selbst schrieb auf Instagram: "Wer mich kennt, weiß ganz genau, dass ich nicht so einfach aufgeben werde." Und weiter: "Ich werde so gut es geht meine Mannschaft neben dem Platz unterstützen und alles daransetzen, dass ich wieder schmerzfrei werde." Ihr Traum vom Finale im Stadion ihres Klubs in Lyon lebt - trotz aller Widrigkeiten.

Quelle: n-tv.de

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