Formel1

Vettel braucht Mercedes-Nuller Stallorder trübt Hamiltons WM-Freude

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Lewis Hamilton (r.) hätte gerne auf den Sieg durch Stallorder verzichtet. Sein Teamkollege Valtteri Bottas auch.

(Foto: imago/Motorsport Images)

Eigentlich hat Lewis Hamilton allen Grund zur Freude: Der Mercedes-Pilot triumphiert auch in Russland und baut seine Führung in der Formel-1-WM aus. Doch sein Sieg kommt auf Kosten seines Teamkollegen. Probleme, die Sebastian Vettel gerne hätte.

Sebastian Vettel war der große Verlierer, doch nach echten Gewinnern suchte man vergeblich auf dem Podest von Sotschi. WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton schämte sich beinahe nach dem Sieg, den ihm der Mercedes-Kommandostand per Stallorder geschenkt hatte. Sein Teamkollege Valtteri Bottas blickte nach der Zwangsversetzung auf Rang ins Leere. Probleme, die Vettel nach seinem dritten Platz beim Großen Preis von Russland gerne hätte. Der Ferrari-Pilot kann aus eigener Kraft nicht länger mehr Weltmeister werden.

"Es wird nicht einfacher, wenn wir weiter Punkte verlieren. Ich war nie gut in Mathe. Aber man muss kein Genie sein, um das zu erkennen", sagte Vettel. Und Hamilton sparte sich jegliche Jubelpose. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal Erster wurde und mich so gefühlt habe", sagte der Engländer mit Blick auf den Eingriff seiner Teamleitung.

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Sebastian Vettel wollte in Russland angreifen.

(Foto: imago/Motorsport Images)

Vettel hatte nach schwachen Auftritten in Monza und Singapur endlich ein fehlerfreies Rennen gezeigt. Für das Comeback im WM-Kampf genügte dies nicht. Der Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton wuchs auf 50 Punkte an. Nun garantieren sogar Siege in jedem der verbleibenden fünf Saisonrennen Vettel nicht mehr den Titel.

"Wir mussten das machen"

Noch wollte sich der Ferrari-Pilot aber nicht geschlagen geben. "Die Möglichkeit ist nach wie vor da. Wenn Lewis vielleicht mal einen Nuller schreibt, sieht es wieder anders aus", sagte Vettel. "Aber man muss anerkennen, dass Mercedes es gut gemacht hat. Platz drei war für uns das Maximum."

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Von Beginn an hatten die Mercedes-Piloten Vettel in Zusammenarbeit auf Abstand gehalten. Der Deutsche erwischte auf Startplatz drei den besseren Start als der von Rang zwei gestartete Hamilton und zog sogar leicht am Engländer vorbei. Mit Hilfe des Windschattens von Pole-Setter Bottas gelang es Hamilton aber, Vettels frühen Angriff zu parieren.

Schlechte Laune hatten am Ende dennoch beide. Der Grund: In Runde 25 forderte der Mercedes-Kommandostand den in Führung liegenden Bottas auf, Hamilton überholen zu lassen. Der Finne ließ seinen Teamkollegen mit Blick auf die Fahrer-WM wenig begeistert gewähren und setzte sein Rennen fortan als Bremsklotz für Vettel fort. "Wir mussten das machen", funkte die Box an Bottas und bat um Verständnis.

Vettel, der nach einer klugen Boxenstrategie zuvor zwischenzeitlich an Hamilton vorbeigefahren war, biss sich an Bottas die Zähne aus. Hamilton dagegen fuhr dem nun ungefährdeten Sieg entgegen.

"Ich habe erwartet, dass es so kommt"

"Es ist eine komische Situation", sagte Hamilton, der trotz des großen Schritts in Richtung fünftem WM-Titel sichtlich frustriert war. "Das Team war der Meinung, dass es das Beste für uns ist." Bottas würdigte er als "fantastischen" Charakter und Gentleman: "Es gibt nicht viele Teamkollegen, die das für dich tun würden."

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff verteidigte die umstrittene Entscheidung, die Vettel auch als "No-Brainer", also als Selbstverständlichkeit, bezeichnete, am RTL-Mikrofon. "Wir wollten eigentlich, dass der Schnellste gewinnt, und das war heute Valtteri. Wir hatten eine missglückte Strategie, Lewis kam hinter Vettel aus der Box. Deshalb mussten wir das so machen", sagte Wolff. "Wir können genau nachvollziehen, was in Valtteri vorgeht. Er hat noch keinen Saisonsieg, heute wäre es soweit gewesen."

Was in ihm vorging, konnte Bottas nur schwer verbergen. Die Enttäuschung stand dem Finnen ins Gesicht geschrieben. "Ich habe erwartet, dass es so kommt", sagte Bottas, der seinen Vorjahressieg aufgrund der Stallorder nicht wiederholte.

Uneingeschränkte Zufriedenheit herrschte derweil bei Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Wegen eines Umbaus am Motor war er auf Startplatz 19 strafversetzt worden, zeigte dann aber ein starkes Rennen und kämpfte sich an seinem 21. Geburtstag auf den fünften Rang vor. Der Emmericher Nico Hülkenberg im Renault verpasste als Zwölfter die Punkte.

Quelle: ntv.de, Emanuel Reinke, sid