Formel1

Die Formel-1-Lehren aus Spa Vettel verdient statt Punkten nur Mitleid

Lewis Hamilton fährt vorneweg, die anderen kommen nicht hinterher. So sieht es in der Formel 1 seit Jahren aus. Der britische Weltmeister lässt nicht einmal seinem Teamkollegen Valtteri Bottas eine Chance - langweilt sich selbst und die Konkurrenz. Alles andere als langweilig ist dagegen die Katastrophensaison von Ferrari - die wohl nur für Sebastian Vettel glücklich endet.

Schlecht, schlechter, Ferrari: Wer wissen will, welchen Status Ferrari gerade in der Formel 1 hat, muss der Konkurrenz zuhören. Wenn die anderen Teamchefs über diesen gestürzten Riesen sprechen, dann klingt dabei Verschiedenes heraus. Sorge, weil der Rennstall zu wichtig für die Strahlkraft der gesamten Formel 1 ist, um derart unterzugehen. Aber auch Ärger, weil Ferrari den Absturz selbst verschuldet hat - und noch immer nicht dazu steht. Vermutet wird nämlich, dass Maranello in der vergangenen Saison vom Weltverband bei Motor-Schummeleien erwischt wurde. Bestätigt wurde das nie offiziell. Leistungen wie nun in Spa lassen aber kaum einen anderen Schluss zu: Auf einer Strecke, auf der besonders der Antrieb zählt, bildeten die Rennställe mit Ferrari-Motor plötzlich das Ende des Feldes.

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Vettel kann froh sein, Ferrari zu verlassen.

(Foto: imago images/HochZwei)

Auch Mitleid klingt übrigens heraus, wenn andere über Ferrari sprechen - allerdings nur mit den Fahrern. Platz 13 für Sebastian Vettel, Rang 14 für Charles Leclerc. Vettel kann wohl wirklich froh sein, dass er das Team im Winter verlässt. "Nicht mal mehr die Fahrer verstehen das Auto", kommentierte sogar die Formel 1 auf ihrer Homepage: "Helfen wird das nicht. Nach den Dissonanzen nach der Entscheidung gegen eine Verlängerung des Vettel-Vertrags entwickelt sich diese Saison von schlecht zu noch schlechter für die Scuderia." Und das vor den Heimrennen im Königlichen Park von Monza am kommenden Sonntag und eine Woche später in Mugello. Ferrari nur noch als Hinterherfahrer - das nützt auch der gesamten Formel 1 wenig.

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Hamilton, der Überflieger: Der Weltmeister ist auf die Zielgerade eingebogen, nur noch zwei Siege fehlen zum Schumacher-Rekord. Und auf den letzten Metern bleibt Lewis Hamilton beinahe unbehelligt. Er wünsche sich ja auch mehr Rad-an-Rad-Duelle, sagt er, aber momentan ist das nicht möglich. Sein Mercedes ist einfach zu stark für die Konkurrenz. Und daher spricht vieles dafür, dass der Engländer ausgerechnet im Ferrari-Land die letzten Schritte tut: Gewinnt er in den kommenden beiden Wochen auch in Monza und Mugello, dann hat er 91 Siege auf dem Konto. Diese Marke, die Michael Schumacher einst mit der Scuderia aufstellte, schien früher einmal für die Ewigkeit gemacht. Nun wird sie bald fallen.

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Nicht einmal Bottas kommt mit: Er wäre auch so gern mal Weltmeister. Er wollte zurückschlagen, sich im Duell mit Hamilton mal durchsetzen. Der Weltmeister ist selbst für seinen Teamkollegen zu stark, Bottas kann einem beinahe leidtun. Doch er war immer dann nicht da, wenn er hätte da sein müssen. Beim Start konnte er Hamilton von Position zwei aus nicht ernsthaft attackieren. Bei der Freigabe nach einer Safety-Car-Phase war er auch zu weit weg. Zwei Tage nach seinem 31. Geburtstag blieb für den Finnen nur die bittere Erkenntnis: "Ich konnte ihn auf den Geraden mit dem gleichen Auto einfach nicht kriegen, Lewis ist fehlerlos gefahren."

Verstappen, der Beste vom Rest: Langweilig fand er selbst das Rennen. Max Verstappen fuhr einen sicheren dritten Platz hinter dem Mercedes-Duo Hamilton/Bottas ein. Im WM-Klassement kam Bottas wieder näher an Verstappen ran, drei Punkte trennen sie nur noch. Was könnte sich der Niederländer nur für Duelle mit Hamilton leisten, wenn bloß sein Red Bull etwas schneller wäre. In Spa wurde es mal wieder offensichtlich: Mercedes fuhr dem Feld davon, der Einzige, der einigermaßen mithalten konnte, war Verstappen im unterlegenen Auto. Sein Teamkollege Alex Albon ist regelmäßig mehr als eine halbe Sekunde langsamer, das verdeutlicht Verstappens Klasse. Und so verlebte er auch in Spa "ein langweiliges Rennen" als Best of the Rest, wie er sagte. Spätestens wenn Hamilton keine Lust mehr auf die Formel 1 hat, dürfte Verstappens Ära beginnen.

Renault - vom Verspotteten zum Mitfahrer: Daniel Ricciardo hätte fast wieder den "Shoey" machen können - der zweifelhafte Genuss von Schampus aus einem seiner Rennschuhe. Es langte dann aber doch nicht mehr ganz für einen Platz auf dem Podium, als Vierter fuhr der Australier dafür im Renault die schnellste Rennrunde. Teamkollege Esteban Ocon wurde Fünfter. Endlich, mag man meinen. Denn die Franzosen ernteten seit ihrem Comeback als Werksteam 2016 schon jede Menge Spott, und sie haben ja auch viel dafür getan. Trotz starker Infrastruktur und viel Geld schaffte Renault es bislang nicht, sich vor dem Mittelfeld als erster Jäger der Großen zu etablieren. In Spa zeigte das Team nun aber, dass das Auto zumindest auf schnellen Strecken höheren Ansprüchen genügt. Das beste Saisonergebnis und passten endlich mal zum Selbstverständnis des Rennstalls. Jetzt geht es nach Monza, auch dort wird mit flachen Flügeln gefahren. "Nächste Woche haben wir eine Strecke mit derselben Charakteristik", meinte der Franzose mit Blick auf den Kurs in Monza: "Wir werden dasselbe wieder versuchen." Vielleicht wird es der nächste gute Tag für Renault.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa