Fußball-EM

UEFA ermittelt gegen Ungarn Regenbogen-Flitzer droht Stadionverbot

Ein 18-Jähriger Mann stürmt vor der Partie Deutschland gegen Ungarn aufs Spielfeld und zeigt eine Regenbogen-Flagge. Gegen ihn wird nun wegen Hausfriedensbruch ermittelt. Ihm droht zusätzlich ein bundesweites Stadionverbot. Auch die UEFA ermittelt. Gegen Ungarn.

Einem Mann, der vor dem Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn mit einer Regenbogen-Flagge auf das Spielfeld gelaufen war, droht ein bundesweites Stadionverbot, berichtet die ARD Sportschau.

In der durch das UEFA-Verbot der Regenbogen-Beleuchtung aufgeheizten Stimmung vor dem Spiel Deutschland gegen Ungarn, war der Mann beim Abspielen der ungarischen Nationalhymne aufs Spielfeld gelaufen. Er baute sich vor den Mannschaften auf und reckte die Regenbogen-Flagge in die Luft. Er wurde von zwei Ordnern umgestoßen und anschließend vom Feld geführt. Dem Mann, laut Angaben der Polizei München ein 18-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen, drohen nun von zwei Seiten Strafen für seinen Protest, der für weltweite Aufmerksamkeit sorgte und sich gegen Ungarns neues Gesetz zur Einschränkung der Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität.

"Gegen die Person wurde eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstellt", teilte die Polizei München mit. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) muss nun entscheiden, ob er dem 18-Jährigen ein bundesweites Stadionverbot erteilen will. Wie die Sportschau berichtet, wird der Fall "derzeit geprüft". Nach der Stadionverbotsordnung des DFB kann die Dauer des Stadionverbots bei einem "schweren Fall", der hier vorliegen könnte, bis zu 24 Monaten betragen. Doch die volle Härte der Verordnung dürfte den Mann, der nach RTL-Informationen aus Frechen bei Köln kommt, nach der eindeutigen Positionierung des DFB im Vorfeld der Partie nicht treffen.

Ermittlungen auch gegen Ungarn

Am Freitag hat der DFB an seiner Zentrale in Frankfurt/Main drei Regenbogen-Flaggen gehisst. Dies sei als Zeichen der Unterstützung für den "Pride Month" geschehen. Am 28. Juni vor 52 Jahren wehrten sich Schwule, Lesben, Bisexuelle und transgeschlechtliche Personen gegen eine gewalttätige Razzia in einer Bar in der Christopher Street in New York City. Seitdem wird an diesem Datum weltweit für Vielfalt geworben und gegen Homo- und Transfeindlichkeit demonstriert.

Auch die Europäische Fußball-Union UEFA beschäftigt sich mit dem Spiel in der Allianz Arena. Sie ermittelt wegen des Verdachts "diskriminierender Vorfälle" beim letzten EM-Gruppenspiel des deutschen Nationalteams gegen Ungarn ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das teilte die UEFA am Freitag mit. Es werde wegen des möglichen Fehlverhaltens ungarischer Fans während der Partie am vergangenen Mittwoch ermittelt. Knapp zwei Stunden vor Spielbeginn hatten ungarische Fans nach Angaben der Polizei "homophobe Sprechchöre" skandiert, sie versuchten demnach auch "gemeinsam in einen anderen Block überzuwechseln".

Einzelne Auseinandersetzungen von Anhängern beider Mannschaften konnten die Sicherheitskräfte laut Mitteilung schnell unterbinden. Wegen der aufgeheizten Stimmung kurz vor dem Abpfiff postierten sich Polizeikräfte vor dem ungarischen Fanblock. Dabei habe man "einen möglichen Platzsturm" verhindern wollen, hieß es. Wegen der starken Polizeipräsenz sei es aber ruhig geblieben, die Fans seien später friedlich abgezogen. Dennoch verzeichnete die Polizei aufgrund verschiedener Delikte am Rande der Partie mehrere Festnahmen.

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Wegen möglicher "diskriminierender Vorfälle" hatte die UEFA bereits am vergangenen Sonntag in Bezug auf die ersten EM-Spiele Ungarns gegen Portugal am 15. Juni (0:3) und gegen Frankreich am 19. Juni (1:1) Ermittlungen eingeleitet. Französische Spieler waren von einigen Fans teils wüst und rassistisch beschimpft worden. Wenn der schwarze Stürmer Kylian Mbappé am Ball war, sollen immer wieder Affenlaute von den Rängen ertönt sein. Angreifer Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, wurde ebenfalls vereinzelt verbal angepöbelt. Nach dem ersten Gruppenspiel in Budapest hatten portugiesische Medien berichtet, dass Superstar Cristiano Ronaldo von manchen Zuschauern in der Puskas Arena übel angefeindet wurde.

Quelle: ntv.de, sue/dpa

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