55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 08/09 Als Klinsmann und Hoeneß sich zofften

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Hoeneß blieb auf der Bank, verzichtete dann allerdings auf die Gesellschaft von Klinsmann.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Jürgen Klinsmann scheitert krachend als Trainer des FC Bayern. Sein Nachfolger in München: Jupp Heynckes. In Dortmund fängt Jürgen Klopp an, den der HSV aufgrund seines Aussehens nicht wollte. Meister wird überraschend der VfL Wolfsburg.

Bei den Bayern ist zum Start in die Spielzeit vieles neu. Doch eines bleibt beim Alten: Uli Hoeneß, der eigentlich seinen Platz auf der Bank gegen einen Sitz auf der Tribüne eintauschen wollte, wird vom neuen Bayern-Coach Jürgen Klinsmann gebeten, diese Idee zu verwerfen. Hoeneß freut sich sichtlich über die Bitte des ehemaligen Nationaltrainers und nimmt zwischen ihm und seinem Assistenten Martin Vasquez Platz. Klinsmann zu seiner unerwarteten Entscheidung: "Uli ist mein Chef, aber auch mein Ratgeber. Das sind 30 Jahre Erfahrung neben mir. Es wäre ja dumm, darauf zu verzichten. Darum habe ich ihn gebeten, sich weiter auf die Bank zu setzen."

Doch am Ende wird auch Uli Hoeneß Klinsmann nicht mehr helfen können. Als die Bayern fünf Spieltage vor Schluss Gefahr laufen, die direkte Qualifikation für die Champions League zu verspielen, handeln sie schnell und schmeißen Jürgen Klinsmann nach der 0:1-Niederlage am 29. Spieltag zu Hause gegen den FC Schalke 04 raus – auch wenn am darauf folgenden Tag der Bayern-Konkurrent VfL Wolfsburg in Cottbus ebenfalls mit 0:2 unterliegt. Nachdem Uli Hoeneß Klinsmann die Nachricht überbracht hat, sagt er: "Ich glaube, Jürgen war überrascht, dass wir unsere Entscheidung, die wir gestern getroffen haben, so konsequent durchziehen. Er hat ja das Spiel unserer Freunde in Cottbus gestern auch gesehen und vielleicht gedacht, dass die Entscheidung so aufgeschoben wird."

Gerland amüsiert sich auf der Pressekonferenz

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Klopp bringt dem BVB die Leidenschaft zurück.

(Foto: imago sportfotodienst)

Für Klinsmann holen die Bayern völlig unerwartet Jupp Heynckes aus seiner Trainer-Rente zurück. Hoeneß: "Ich begrüße meinen alten Kumpel Jupp Heynckes, mit dem wir viele Schlachten geschlagen haben. Ich freue mich sehr, dass er unserer Bitte, für die fünf Spiele einzuspringen, nachgekommen ist." Und Heynckes hat nichts verlernt. Wie auf Knopfdruck spult er die Floskeln eines geübten Trainers auf seiner ersten Pressekonferenz ab. Bei so viel knöchriger Ernsthaftigkeit hat es Heynckes’ neuer Assistent Hermann Gerland leicht, die Runde mit ein paar lockeren Bemerkungen zu bespaßen.

Nachdem bereits sein Chef auf die Frage der Journalisten, was denn seine Frau zu seinem Engagement sagen würde, geantwortet hat, ergreift auch Gerland ungefragt das Wort und sagt mit einem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel: "Ich musste meine Frau nicht vorher fragen. Ich müsste sie wohl nur fragen, wenn ich den FC Bayern verlassen wollte. Aber da würde sie wohl kein Okay geben." Der Plan der Münchner Führungsriege geht auf. Bayern sichert sich souverän den zweiten Tabellenplatz.

"Si tacuisses, philosophus mansisses"

Zum Krach mit Klinsmann – mit dem man wie üblich eigentlich Stillschweigen vereinbart hatte – kommt es nach einem TV-Auftritt des ehemaligen Bayern-Trainers in Günther Jauchs Sendung "Stern TV". Hoeneß reagiert hörbar verschnupft: "Ich habe in Latein gelernt: Si tacuisses, philosophus mansisses – das bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben." Und auch auf Jauch ist der Manager sauer: "Der hat dem Jürgen eine Plattform gegeben, Dinge zu erzählen, die nicht stimmen, ohne kritische Fragen zu stellen." Über des TV-Moderators Ankündigung von Jürgen Klinsmann als "Barack Obama des deutschen Fußballs" kann Hoeneß hingegen nur lachen: "Wenn Jürgen der Obama des deutschen Fußballs ist, dann bin ich Mutter Teresa."

Meister wird völlig überraschend der VfL Wolfsburg unter seinem Trainer Felix Magath. Überraschend auch deshalb, weil die Wölfe nach der Hinrunde mit neun Punkten Rückstand auf Hoffenheim und die Bayern nur auf Platz neun der Tabelle stehen. Der neue Trainer in Dortmund ist Jürgen Klopp. Und der geht gemeinsam mit der PR-Abteilung des Vereins erst einmal daran, die vergraulten Fans emotional wieder näher an den Verein zu holen. Bei seiner Vorstellung sagt Klopp: "Ich habe Riesenlust, hier zu arbeiten. Wir werden einige Vollgas-Veranstaltungen ablaufen lassen. Rasenschach wird es bei mir nie geben. Wenn Spiele langweilig sind, verlieren sie ihre Berechtigung."

Eigentlich war Klopp lange Zeit beim HSV als kommender Übungsleiter gehandelt worden, doch das scheiterte an einigen kleinen Details, wie Klopp sich im Interview mit der "Hamburger Morgenpost" erinnert: "Die Vorstände Bernd Hoffmann und Katja Kraus wollten mich. Aber der Sportdirektor Didi Beiersdorfer konnte sich einfach nicht entscheiden. Also hatte er einen Scout losgeschickt, damit der wohl mal so guckt, wie ich ausschaue. Und dann war man überrascht, dass ich so aussehe, wie ich aussehe." Der Scout berichtet auch noch, dass Klopp immer erst nach der Mannschaft auf den Trainingsplatz gekommen sei, schlecht rasiert wäre und Löcher in den Jeans habe. Klopp ergreift selbst die Initiative, als er von dieser Beurteilung hört - und sagt dem HSV ab.

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Quelle: n-tv.de

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