Fußball

Gladbach zieht in die CL ein BVB macht sich gegen Hoffenheim lächerlich

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Was war da los, lieber BVB?

(Foto: dpa)

Für Borussia Dortmund geht es am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga um nichts mehr und so tritt der BVB auch auf: völlig lustlos, ohne Elan, ohne Einsatz. Die TSG Hoffenheim freut sich riesig, während der FC Bayern in Wolfsburg Offensiv-Geschichte schreibt und Gladbach Leverkusen abblitzen lässt.

Borussia Dortmund - TSG Hoffenheim 0:4 (0:2)

Die Profis der TSG Hoffenheim zelebrierten den unerwarteten Erfolg wie eine Meisterschaft. Die Spieler aus dem Kraichgau tanzten im Mittelkreis, schwenkten ihre Trikots und sangen vom Europapokal. Zu diesem Zeitpunkt waren die Stars von Borussia Dortmund nach dem peinlichen 0:4 (0:2) gegen die TSG schon längst in der Katakomben verschwunden - nach 90 Minuten Arbeitsverweigerung. "Das sind die kleinen Spiele, die Punkte, die uns am Ende immer fehlen. Bayern hat diese absolute Winner-Mentalität. Wir nicht", resümierte BVB-Keeper Roman Bürki bei Sky. Er traf den Nagel auf den Kopf, denn es war in dieser Saison deutlich mehr drin für die Schwarz-Gelben.

Andrej Kramaric war als Viererpacker der Mann des Tages aufseiten der Gäste. Er bescherte den Kraichgauern den direkten Sprung in die Europa-League-Gruppenphase. Dank der Treffer des kroatischen Vizeweltmeisters schob sich Hoffenheim noch am VfL Wolfsburg auf den sechsten Platz vorbei. "Ein wunderbares Gefühl. Das passiert einem nicht so häufig. Ich bin stolz auf meine Jungs", betonte er bei Sky. Kramaric nutzte die Unordnung in der umformierten Dortmunder Defensive mit einem frühen Rechtsschuss (8.), später legte er ohne nennenswerte Gegenwehr seine Saisontreffer Nummer zehn, elf und zwölf (30./48./50., Foulelfmeter) nach. Dem BVB steht mal wieder ein Umbruch bevor. Mario Götze, der ohnehin keine Rolle mehr spielte, wurde mit warmen Worten und einer gerahmten Collage verabschiedet. Zorc, der seinen Vertrag nochmals um ein Jahr verlängerte, und Trainer Lucien Favre trotz aller Kritik hingegen bleiben 2020/21 in verantwortlicher Position.

Achraf Hakimi und Jadon Sancho saßen auch zunächst auf der Bank, dem BVB fehlten Ordnung und Lust, was Kramaric aus 18 Metern sogleich zum 0:1 nutzte. Hoffenheim war der Wille anzusehen, der BVB spielte, positiv ausgedrückt, dem Sommerwetter angemessen. Favre war es zur Pause leid, er brachte Hakimi und Sancho auf einen Schlag. Das brachte: nichts. Wenige Minuten später stand es 0:4, die Dortmunder zerfielen in alle Einzelteile. Hoffenheim konterte nach Belieben und spazierte durch eine Abwehr, die kaum diesen Namen verdiente. TSG-Stürmer standen bei Flanken mutterseelenallein. Nach einer Stunde hätte es bei konzentrierterem Ausspielen auch 0:8 stehen können. Hoffenheim ließ Gnade walten, besonders Ihlas Bebou vertändelte einige Male den Ball in aussichtsreichster Position. Favre verhalf Tobias Raschl noch zum Bundesliga-Debüt, den bedauernswerten Leonardo Balerdi, der erstmals in der Startelf gestanden hatte, erlöste er.

Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC 2:1 (1:0)

Borussia Mönchengladbach hat mit einem souveränen Heimsieg den Millionen-Jackpot geknackt. Die Fohlenelf bezwang Hertha BSC verdient mit 2:1 (1:0) und zog nach 2015 und 2016 zum dritten Mal in die Gruppenphase der Champions League ein. Damit kann die Borussia in schwierigen Corona-Zeiten schon jetzt mit rund 20 Millionen Euro Mehreinnahmen planen. Jonas Hofmann (7.) beruhigte früh die Nerven der Borussia, der schon ein Remis gereicht hätte. Breel Embolo machte (78.) kurz vor Schluss alles klar. Vedad Ibisevic (90.) gelang das Anschlusstor. Ein Jahr zuvor hatte Gladbach am letzten Spieltag noch den vierten Platz an Bayer Leverkusen verloren, diesmal ging das Fernduell mit der Werkself an die Fohlen. Mit 65 Punkten schaffte die Borussia zudem ihre zweitbeste Saison des Jahrtausends.

"Heute ist ein Finale", hatte Sportdirektor Max Eberl vor dem Anstoß gesagt, Champions League sei für Gladbach "wie eine Meisterschaft". Entsprechend engagiert begann die Borussia vor 21.000 Pappkameraden: Das Rose-Team war von der ersten Minute an hellwach, störte die Berliner früh und ließ sich auch von der Nachricht der schnellen Leverkusener Führung nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen konterte die Borussia mit dem eigenen 1:0 - Embolo setzte sich im Strafraum stark gegen zwei Herthaner durch und bediente Hofmann, der den Startelf-Debütanten Dennis Smarsch im Hertha-Tor per Flachschuss überwand. Für Hofmann war es der dritte Treffer innerhalb von drei Spielen.

Mit der beruhigenden Führung im Rücken bestimmte die Borussia fortan das Spiel, von der Hertha kam kaum Gegenwehr. Einziges Manko war die Chancenauswertung. Smarsch, der den werdenden Vater Rune Jarstein ersetzte, sah sich einem Dauerbeschuss ausgesetzt. Der starke Embolo (32.) und Lars Stindl (41.) trafen jedoch nur den Pfosten, zur Pause lag das Torschussverhältnis bei 13:0 für die Hausherren. Im zweiten Durchgang nahm die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia nach einem Dreifach-Wechsel endlich am Spiel teil. Gladbach zog sich nun weit zurück und lauerte auf Konter. Ohne den verletzten Marcus Thuram und den angeschlagenen Alassane Plea im Angriff fehlte jedoch die Durchschlagskraft. Allein Embolo vergab zweimal frei vor Smarsch (63./67.), ehe er doch noch traf.

Bayer Leverkusen - 1. FSV Mainz 05 1:0 (1:0)

Pflicht erfüllt, aber das Wunder blieb aus: Bayer Leverkusen hat im Rennen um die Königsklasse am letzten Spieltag die erhoffte Wende verpasst. Zwar gewann das Team von Trainer Peter Bosz mit 1:0 (1:0) gegen den FSV Mainz 05, doch die erhoffte Schützenhilfe von Hertha BSC gegen Kontrahent Borussia Mönchengladbach blieb zeitgleich aus. Die Werkself muss in der Bundesliga mit dem Trostpreis Europa League vorliebnehmen. Nach gutem Jahresbeginn fehlten nach einer kleinen Schwächephase nach dem Restart letztlich zwei Punkte auf Platz vier und die damit verbundene Qualifikation für die Champions League. Daran änderte zum Saisonabschluss auch der verdiente Erfolg nach einem Tor von Kevin Volland (2.) gegen die Rheinhessen nichts.

Nur mit einem Titelgewinn beim Finalturnier der Europa League im August kann nun noch das millionenschwere Ticket für die Königsklasse gelöst werden. Zumindest konnte Bayer aber nach schwachen Vorwochen noch etwas Selbstvertrauen für das DFB-Pokalfinale gegen Meister Bayern München am kommenden Samstag (20 Uhr/im Liveticker bei ntv.de) sammeln. Im letzten Saisonspiel machte Leverkusen auch ohne seinen überraschend nur auf der Bank sitzenden Topstar Kai Havertz in den ersten Minuten deutlich, die eigenen Hausaufgaben erledigen zu wollen. Volland gelang nach nur 68 Sekunden mit einer beherzten Einzelleistung die Führung, Aaron verhinderte in höchster Not mit einer Grätsche gegen Florian Wirtz (5.) das frühe 0:2.

Nach Anfangsschwierigkeiten konnten die 05er die Partie allerdings offener gestalten. Defensiv ließ das Team von Trainer Achim Beierlorzer nach der ersten Viertelstunde kaum noch etwas zu, Bayer mangelte es trotz deutlicher Ballbesitzvorteile bis zur Pause oftmals an Tempo und Kreativität im Offensivspiel. Lediglich die starken Wirtz und Nadiem Amiri sorgten im Zusammenspiel gegen ebenfalls harmlose Mainzer in einem Spiel auf überschaubarem Niveau immer mal wieder für Gefahr. Auch nach dem Wechsel gelang der Werkself beinahe ein Blitzstart, doch der erst 80 Sekunden zuvor eingewechselte Mitchell Weiser (47.) scheiterte am Pfosten. Anders als im ersten Durchgang hielten die Rheinländer nun den Druck konsequenter hoch, auch die Einwechslungen von Havertz und Moussa Diaby brachten nochmals Schwung. Mainz riskierte in der Schlussphase mehr und offenbarte so den Rheinländern Räume für ihr gefürchtetes Umschaltspiel.

VfL Wolfsburg - FC Bayern München 0:4 (0:2)

Mit der besten Rückrunde der Ligageschichte und insgesamt 100 Toren hat der alte und neue deutsche Meister Bayern München seinen 30. Titel gekrönt. Der Rekordmeister setzte sich beim VfL Wolfsburg mühelos mit 4:0 (2:0) durch, mit 49 von 51 möglichen Punkten in der zweiten Saisonhälfte egalisierten die Gäste ihre eigene Bestmarke. Und: Nur 1971/72 schossen sie mehr Tore - damals waren es 101. So ganz nebenbei erreichte die Mannschaft von Trainer Hansi Flick mit dem zehnten Auswärtssieg hintereinander den eigenen Bestwert aus dem Jahr 2014. Und auch Mittelfeldspieler Thomas Müller egalisierte mit seiner 22. Torvorlage die Vorleistungen seiner Kollegen Zvjezdan Misimovic und Kevin de Bruyne (beide VfL Wolfsburg) sowie Emil Forsberg (RB Leipzig).

Mit der fünften Heimniederlage in Serie gegen den FC Bayern rutschten die Niedersachsen hingegen in der Abschlusstabelle noch vom sechsten auf den siebten Platz zurück und müssen sich nun durch die Qualifikation in die Gruppenphase der Europa League kämpfen. Die von der ersten Minute an hochkonzentrierten Gäste nutzten gleich in der vierten Minute ihre erste Einschussmöglichkeit zur Führung, Kingsley Coman war nach schnellem Umschaltspiel aus kurzer Distanz mit einem Flachschuss erfolgreich. Der zweite Treffer gelang Mickael Cuisance mit sehenswertem Distanzschuss (37.), der Franzose stand überraschend anstelle von Joshua Kimmich in der Startformation.

Per Strafstoß (72.), seinem 34. Saisontreffer, stellte Robert Lewandowski auf 0:3, Müller legte den vierten Treffer nach (79.). Lewandowski wurde nach der Begegnung zum fünften Mal mit der Torjägerkanone ausgezeichnet. Seinem Elfmeter war ein Foul von Josuha Guilavogui vorausgegangen, der Wolfsburger Kapitän sah dafür die Gelb-Rote Karte. Die Platzherren hatten der bajuwarischen Spielkultur wenig entgegenzusetzen. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit traf Wout Weghorst, Schiedsrichter Patrick Ittrich entschied jedoch auf Stürmerfoul. Nach dem Seitenwechsel ließen sich die Gäste phasenweise ein wenig zurückfallen. Flick gefiel dies überhaupt nicht, mit unmissverständlichen Armbewegungen forderte der Coach zu mehr Engagement auf. Und tatsächlich war das Wolfsburger Strohfeuer nach einer knappen Stunde schon wieder erloschen.

Quelle: ntv.de, tsi/sid