Fußball

So läuft der 18. Spieltag Bayern vereinsamt, BVB wird zur Klopp-Sekte

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Jürgen Klopp ist in Dortmund unkündbar, angeblich sogar beim Abstieg. Den wollen Klopp und Klub aber gern vermeiden.

(Foto: dpa)

Die Bundesliga erwacht spektakulär aus dem Winterschlaf: Der 1. FC Köln ist jetzt offiziell ein Karnevalsverein, Hertha BSC erster Enten-Meister der Ligageschichte. Und während der FC Bayern einsam dominiert, plagt Dortmund ein Sekten-Problem.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Angeblich ist die Auftaktpartie dieses 18. Spieltags der Fußball-Bundesliga ja ein Knaller. Schließlich empfängt heute (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) der Tabellenzweite VfL Wolfsburg den Spitzenreiter FC Bayern. Im Grunde ist diese Einschätzung aber einzig und allein von der Hoffnung getragen, es könnte noch irgendetwas passieren im Titelkampf. Will meinen: Würden die Wolfsburger tatsächlich gewinnen und den Münchnern ihre erste Niederlage in dieser Saison zufügen, würde der Rückstand nur noch acht Punkte betragen. Aber selbst dann wäre es an den restlichen 16 Spieltagen nicht wirklich spannend.

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Bayern-Coach Josep Guardiola weiß jetzt: Nicht nur eine allzu freundliche Haltung zu Katar und Saudi-Arabien macht einsam, auch eine allzugroße Dominanz in der Bundesliga.

(Foto: dpa)

Im vergangenen Jahr machten Josep Guardiolas Bayern den Titel bereits am 27. Spieltag perfekt, Ende März in Berlin war das. Nun starten sie mit dem Rekordvorsprung von elf Punkten. Es spricht viel dafür, dass der Rekordmeister dieses Mal noch schneller ist und die Münchner an der Tabellenspitze immer mehr vereinsamen. Für die meisten Spieler des VfL Wolfsburg aber dürfte diese Partie aus einem ganz anderen Grund die schwerste in ihrer Karriere werden. Es ist das erste Bundesligaspiel nach dem Unfalltod ihres Kollegen Junior Malanda am 10. Januar. Trainer Dieter Hecking deutete an, wie die Mannschaft mit dieser Belastung umgehen will: "Junior würde sich freuen, wenn wir die Bayern schlagen."

Wie läuft die Dortmunder Aufholjagd?

Platz 17, zehn Niederlagen, beschämende Leistungen: Es kann nur besser werden für Borussia Dortmund. Obwohl das Abstiegsgespenst nun schon seit Monaten schwarzgelb trägt, hat der Verein unbeirrt an Trainer Jürgen Klopp festgehalten. Nach außen bekräftigt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke immer wieder sein unverbrüchliches Vertrauen in Klopp. Intern soll er ihm laut "Spiegel" sogar schon angetragen haben, selbst im Fall des Abstiegs bleiben zu dürfen. Ein Umstand, den der fußballaffine und meinungsfreudige Philosoph Wolfram Eilenberger gegenüber "Zeit online" deutlich kritisierte. "Gefordert ist in der Krise eine offene Analyse. Genau die ist in Dortmund unmöglich, denn der Trainer ist als Krisengrund tabuisiert", sagte Eilenberger: "Dortmund, wie es sich in der späten Vorrunde zeigte, war kein Verein mehr, sondern eine Sekte." Die Aussichten auf Rettung für Klopp und seine Jünger bewertet Eilenberger optimistischer als Fußball-Deutschland. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben 58 Prozent der Teilnehmer an, an den BVB-Klassenerhalt zu glauben. Das ist zwar die Mehrheit, wie die dpa richtig vermeldete, aber gleichzeitig ein erstaunlich geringer Wert. Auch bei Klopp hat die Kastrophen-Hinrunde trotz Jobgarantie Spuren hinterlassen. "Ich bin angespannt wie vor einer wichtigen Prüfung", bekannte er vor dem Rückrundenstart in Leverkusen: "Wir sind in der Bringschuld." In die Partie geht er trotz personeller Sorgen und chronischer Auswärtsschwäche "angemessen optimistisch" und humoristisch. Sein Matchplan für das Spiel in Leverkusen sieht unter anderem vor, nicht erneut nach neun Sekunden in Rückstand zu geraten: "Ich hoffe, wir unterbieten das nicht."

Was passiert sonst noch?

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Während sich die Bundesliga-Fußballer auf die Rückrunde vorbereiteten, mussten die Badeenten der Vereine schon richtig ran. Die BunDucksLiga suchte in der Winterpause ihren Premieren-Meister - und fand ihn nach einem spektakulären Finale in Hertha-Ente "Zecke". Auf dem Rasen bekommen es "Zeckes" Berliner am Wochenende mit Werder Bremen zu tun. Die Bremer hatten ganz gegen den Trend Frosch Otto in der Enten-Liga aufgeboten. Er ging im Finale aber, Obacht, baden! Gegen Hertha hofft Werder auf seinen genesenen Toptorjäger Franco di Santo. "Für Sonntag wünsche ich mir sechs Tore von ihm", stellte Coach Viktor Skripnik klar. Tore wünscht sich bestimmt auch Schalke-Coach Roberto di Matteo von seinem Team. Die Frage ist nur, wer die schießen soll? Die Schalker gehen mit dem inoffiziellen Titel des Verletztenmeisters in die Rückrunde, gegen Hannover fehlen gleich acht Spieler. Falls der vom Afrika-Cup zurückgekehrte Eric Maxim Choupo-Moting nicht einsatzfähig ist, darf womöglich Schalkes Badeente auf einen Einsatz hoffen.

Apropos Titel: Den des Effizienzmeisters verdiente sich in der Hinrunde der FC Augsburg. Die Schwaben lagen in den 17 Vorrundenspielen deutlich länger in Rückstand als in Führung, am Ende aber trotzdem auf Platz sechs. Das soll sich auch gegen 1899 Hoffenheim nicht ändern. Eine erstaunlich ausgeglichene Minutenbilanz weist der SC Freiburg auf, was Coach Christian Streich angesichts des letzten Tabellenplatzes mäßig trösten dürfte. Die Freiburger sind, um beim Titel-Thema zu bleiben, die Kollaps-Könige der Liga. Das muss sich in der Rückrunde ändern und am besten schon gegen Frankfurt, verlangte Streich. Seine Losung: "Jeder muss die nächsten Wochen komplett in den Tunnel. Es geht um Ernährung, Schlaf und Training."

Wo wird's brisant?

Der 1. FC Köln ist in dieser Woche einem wichtigen Ziel einen Schritt näher gekommen. Der Verein darf sich nun als "förderndes Mitglied im Festkomitee Kölner Karneval von 1823" bezeichnen. "Wir haben uns darüber riesig gefreut", sagte Präsident Werner Spinner, "wir sind durch diesen Schritt noch kein Karnevalsverein. Diesen Titel muss man sich ebenso wie die Etablierung in der Bundesliga über Jahre verdienen." Herrlich, diese Selbstironie. Nach fünf Jahren kann der Klub dann "hospitierendes" und nach weiteren fünf Jahren dann ordentliches Mitglied sein. "Wir sehen viele Möglichkeiten einer Zusammenarbeit, die den Kölner Karneval stärken können und dass die meisten Kölner Jecken glühende FC-Fans sind, versteht sich von selbst", teilte Joachim Wüst mit, Vizepräsident und Justiziar des Festkomitees. Apropos Etablierung. Im richtigen Leben steckt der Effzeh im Abstiegskampf, am Samstag nun spielen die Kölner beim Hamburger SV, der das gleiche Problem hat. Beide Vereine hoffen darauf, dass sie sich noch verstärken können, die Transferperiode läuft noch bis zum kommenden Montag. Am 2. Februar um 18 Uhr ist Schluss. Während die Kölner um den Brasilianer Carlos Eduardo werben, der einst für die TSG Hoffenheim spielte, haben die Hamburger bereits erste Fakten geschaffen. Angreifer Ivica Olic kehrte vom VfL Wolfsburg zum HSV zurück.

Für welchen Trainer wird es eng?

Die gute Nachricht für Kasper Hjulmand ist: Er hat wieder einen Spieler bekommen, den er unbedingt haben wollte. Der Mainzer Trainer sagte der "Bild"-Zeitung über den Chilenen Nicolás Castillo, der in der Winterpause leihweise vom FC Brügge aus Belgien kam: "Er ist ein emotionaler, aggressiver Stürmer - eine zusätzliche Waffe für uns." Mit dem Toreschießen haben es die Mainzer nämlich nicht so, nur der 1. FC Köln, der SC Freiburg, tatsächlich die Dortmunder Borussia und der Hamburger SV sind da noch schlechter. Hjulmand vergleicht das Problem seines Teams mit einer Flasche Ketchup. "Am Anfang ist's schwierig, aber wenn dann was kommt, dann kommt's richtig - ich habe das Gefühl, jetzt kommt's!" Das sei ihm gegönnt. Nicht das er nach dem Spiel gegen den SC Paderborn am Samstag konstatieren muss: "Ware' schwach wie eine Flasche leer." Sein Kollege Huub Stevens kann darauf verweisen, dass sein VfB Stuttgart bisher 20 Mal den Ball in des Gegners Tor untergebracht hat. Ein Anlass zur Euphorie ist das allerdings auch nicht, schließlich haben die Schwaben vor der Begegnung mit Borussia Mönchengladbach auf Platz 15 der Tabelle noch einen Punkt weniger als die Mainzer auf dem Konto. Doch Stevens, seit Ende November als Nachfolger Armin Vehs im Amt, gibt sich ähnlich optimistisch wie Hjulmand: "Ich spüre, dass die Mannschaft enger zusammengerückt ist. Wir haben Schritte gemacht." Allerdings: "Du kannst noch so eine gute Vorbereitung haben. Die Messlatte ist das erste Spiel." Die gute Nachricht liefert er gleich mit: "Wie das Ergebnis auch ist, haben wir dann immer noch 16 Spiele."

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Thomas ist ein guter Lehrer, aber manchmal spricht er zu schnell." Xabi Alonso, Spanier in Diensten des FC Bayern über seinen Kollegen. Manchmal aber lernt er auch mit und vielleicht von Bastian Schweinsteiger.

Quelle: n-tv.de

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