Fußball

"Bundesliga ist nicht so tough" Chelsea droht dem FC Bayern Schmerzen an

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Hoffentlich ist die obligatorische Schwächephase nicht so lang.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Der FC Bayern ist vor dem Achtelfinale der Champions League beeindruckt, auch der FC Chelsea lobt die Münchner. Lionel Messi reist mit dem FC Barcelona nach Neapel, einen Ort mit argentinischer Geschichte. Manchester City versucht etwas, das zuletzt vor mehr als 50 Jahren gelang.

Vier Wochen lang spielt die Champions League ihr Achtelfinale aus. Weil Fußball eben am besten schmeckt, wenn er in kleinen Mengen konsumiert werden kann. Vielleicht auch deshalb hat die Europäische Fußball-Union die erste K.-o.-Runde so lang gestreckt. So gibt es dann immer zwei Spiele pro Tag, wie gewohnt am Dienstag und am Mittwoch.

FC Chelsea - FC Bayern München

Trainer Hansi Flick zeigte sich beeindruckt. Von seiner Mannschaft, dem FC Bayern. "Außer gegen Leipzig haben wir in jedem Spiel getroffen. Das ist beeindruckend." Stimmt. Das 0:0 im Bundesliga-Topspiel gegen Leipzig war die einzige von 32 Partien, in der die Münchner ohne Tor blieben. In der Champions-League-Vorrunde waren es in sechs Spielen gleich 24 Tore, also vier pro 90 Minuten. Robert Lewandowski vollendete zehn davon, weshalb Chelsea-Coach Frank Lampard ihn vor dem Achtelfinal-Hinspiel als "top class" bezeichnete, frei übersetzt also schlicht: Weltklasse. Das würden die Londoner auch gerne über Kepa Arrizabalaga sagen, für den Torwart zahlten sie 2018 immerhin 80 Millionen Euro und machten ihn damit zum teuersten Keeper der Fußball-Historie. Nun aber sitzt der Rekord-Transfer auf der Bank, obwohl sein Vertreter Willy Caballero nicht zur Elite der Tor-Verhinderer zählt, weshalb Lampard in einem Dilemma steckt. Auch nicht auf dem Feld steht N'Golo Kanté, der zwar Weltklasse im Mittelfeld verkörpert, aber mit einer Muskelverletzung fehlt.

Für die Münchner wird es wichtig sein, ihre Schwächephase so kurz wie möglich zu halten. Die jüngsten Auftritte waren zumeist davon geprägt, dass der FC Bayern stark startete, dann noch stärker nachließ und gegen Liga-Schlusslicht SC Paderborn auf ein spätes Lewandowski-Tor angewiesen war. "Er ist in der Form seines Lebens", lobte Flick, dessen Klub zwei konstante Auftritte brauchen wird. Denn Chelsea tritt nicht nur mit der Empfehlung eines 2:1-Erfolgs gegen Tottenham Hotspur an. Sondern auch damit, dass Lampard dadurch zum ersten Trainer wurde, der innerhalb einer Saison beide Ligaspiele gegen ein Jose-Mourinho-Team für sich entschied. Auch wenn für Antonio Rüdiger der sportliche Erfolg in den Hintergrund rückte. Wegen eines Themas, das auch Joshua Kimmich und Leon Goretzka beschäftigt.

Zurück zum Sportlichen: International ist der FC Bayern seit zwölf Spielen auswärts ungeschlagen, im Vorjahr kam das Aus allerdings nach einer Heimniederlage gegen den späteren Champion FC Liverpool. Chelsea-Mittelfeldspieler Mateo Kovacic ist aber zuversichtlich, diese Auswärtsserie der Münchner zu brechen: "Der Trainer wird uns ihre Stärken zeigen, aber auch die Stellen, an denen sie verwundbar sind." Und teilte dann noch gegen die Bundesliga aus: "Die ist nicht so tough wie die Premier League, also werden sie ausgeruhter sein. Aber wir sind vorbereitet, ihnen wehzutun." Doch egal, wie es ausgeht, so schmerzhaft wie 2012 kann es nicht werden. Damals durchkreuzte Chelsea die Pläne des FC Bayern, sich beim "Finale dahoam" zum Champions-League-Sieger zu krönen. Statt München jubelte London und damit auch Frank Lampard, der seine Karriere als Spieler krönte. Als Trainer fängt er gerade erst an.

SSC Neapel - FC Barcelona (beide Dienstag, 21 Uhr im Liveticker auf ntv.de)

Auf den ersten Blick ein bisschen zu klein für den großen Fußball, dafür aber umso wendiger, genial am Ball, vor allem mit dem linken Fuß. Was heute Lionel Messi beschreibt, traf früher auf Diego Maradona zu. Und nun reist Messi, die Ikone des FC Barcelona, erstmals dorthin, wo einst Maradona reüssierte. Zum SSC Neapel, ins Stadio San Paolo. Dort verehren sie Maradona noch immer und verbitten sich Vergleiche mit dessen argentinischem Landsmann. "Messi ist der beste Spieler, aber ich vergleiche ihn nicht mit Maradona, denn Diego ist alles", sagte Neapel-Angreifer Lorenzo Insigne. Zwar sei "Messi zurzeit der Beste, aber Maradona ist für uns heilig".

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Von 1984 bis 1991 spielte Maradona in Neapel.

(Foto: imago/Buzzi)

Vor seiner Zeit als König von Neapel spielte Maradona in Barcelona, glücklich wurde er dort nicht, nach zwei Jahren forcierte er mit Feier-, Gewalt- und Drogeneskapaden seinen Abgang und führte den Fast-Absteiger Napoli in den Folgejahren zu den bislang einzigen beiden Meistertiteln der Vereinshistorie. Ganz so weit sind die Abschiedsgedanken Messis noch nicht gediehen, aber seine Zufriedenheit beim Verein, der sich als "mehr als nur ein Klub" vermarktet, war schon mal größer. Stress mit Sportdirektor Eric Abidal, der Messi indirekt vorwarf, mit seiner Lustlosigkeit die Entlassung von Trainer Ernesto Valverde verantworten zu müssen. Unmut über die Transfers, weil Barcelona nicht die Spieler holte, die sich ihr Star wünschte. Statt Neymar kam Antoine Griezmann, die Harmonie mit Messi ist allerdings noch ausbaufähig. Während das in anderen Klubs dazu führen könnte, dass der Star in Ungnade fällt, ist Messi weiter unantastbar. Dass Messi bei den Katalanen einen Sonderstatus ähnlich dem Maradonas in Neapel genießt, liegt nicht nur daran, dass er in 715 Pflichtspielen an 887 Treffern beteiligt war.

Das Achtelfinale gegen den italienischen Vizemeister soll nur Zwischenstation auf dem Weg zum ersten CL-Titel seit 2015 sein. Ein Erfolg nach Hin- und Rückspiel ist dafür einerseits unverzichtbar und andererseits ein gutes Omen. Denn sowohl Real Madrid 2018 als auch der FC Liverpool 2019 warfen vor ihrem Finalsieg den SSC im Achtelfinale aus dem Wettbewerb. Auswärts allerdings gewann Barça nur 6 der vorangegangenen 16 Europapokal-Spiele und reist nun zu der Mannschaft, die in der Gruppenphase gegen den scheinbar unbesiegbaren FC Liverpool einen Sieg und ein Unentschieden holte.

Real Madrid - Manchester City

Pep Guardiola lobte erst mal den Gegner. "Meine Bewunderung für diesen Klub ist unglaublich groß", sagte der Trainer von Manchester City über Achtelfinal-Gegner Real Madrid. "Wenn Spieler nach Madrid kommen und das Trikot des Klubs anziehen, wissen sie, dass sie auch seine Geschichte verteidigen. Das macht sehr viel aus, dem wollen wir nacheifern und es auf gewisse Weise kopieren." Kein Team im Europapokal ist erfolgreicher als Real Madrid. Vier der jüngsten sechs Titel gingen an die Königlichen. Für Manchester City könnte es die vorerst letzte Chance sein, zum ersten Mal überhaupt die Champions League zu gewinnen. Guardiola: "Nächste Saison weiß ich nicht, aber wenn wir wieder spielen dürfen, dann kommen wir zurück." Mehr als das Halbfinale in der Saison 2015/16 war bisher nicht drin. Endstation war damals, wie könnte es anders sein, Real Madrid. Der Klub aus der spanischen Hauptstadt wurde in der Gruppe nur Zweiter, deutlich hinter Paris Saint-Germain. In der Liga gab's am Wochenende ein 0:1 bei UD Levante, wodurch die Tabellenführung zum ewigen Rivalen FC Barcelona wechselte.

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Zinedine Zidane war schon mal besser gelaunt.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Entsprechend schlecht war die Laune bei Trainer Zinedine Zidane: "Wir fühlen uns schlecht, sind angefressen." Dass sich dazu noch Eden Hazard einen Bruch im rechten Bein zuzog, machte die Sache nicht besser. Der 100-Millionen-Mann spielte bisher allerdings ohnehin nur eine Nebenrolle in Madrid, kommt auf gerade einmal 15 Pflichtspiel-Einsätze und ein mickriges Saisontor. Im Estadio Santiago Bernabeu tat sich Real zuletzt schwer, in der Champions League gab es dort in den jüngsten neun Spielen nur drei Siege, dazu drei Unentschieden und drei Niederlagen. Wobei Manchester City historisch gesehen nicht die Mannschaft ist, die spanische Klubs in Angst und Schrecken versetzt - der bislang letzte Sieg in einem K.-o.-Spiel datiert aus dem Jahr 1969.

Allerdings könnte der CL-Ausschluss Citys, bei dem sich eher die Frage stellt, wann er in Kraft tritt und nicht ob, dem Team von Trainer Pep Guardiola auch als zusätzliche Motivation dienen. In der Liga ist der Titel selbst rechnerisch kaum mehr möglich, europäisch kam in den Vorjahren das Aus jeweils gegen die späteren Final-Verlierer Tottenham (2019) und Liverpool (2018). Guardiola stimmte gleich mal Abgesänge auf sich selbst an, als er jüngst verkündete: "Wenn wir sie nicht schlagen, könnten der Präsident oder der Sportdirektor kommen und sagen, 'Es ist nicht gut genug. Wir wollen die Champions League und werden dich entlassen.'" Dass dieser Fall tatsächlich eintritt, gilt doch als unwahrscheinlich. Auch wenn Citys Form bislang kaum getestet wurde, in der Vorrunde waren Überraschungsteam Atalanta Bergamo, Schachtjor Donezk und Dinamo Zagreb kein Maßstab.

Olympique Lyon - Juventus Turin (beide Mittwoch, 21 Uhr im Liveticker auf ntv.de)

Es läuft bei Cristiano Ronaldo. Nachdem er in der Hinrunde mitunter schwächelte, ist der 35-Jährige nun wieder in Bestform. Beim 2:1-Sieg von Juventus Turin gegen Spal Ferrara markierte er nicht nur in seinem 1000. Spiel seine 725. Tor, sondern traf auch in der elften Serie-A-Partie in Folge. Das gelang zuvor nur der argentinischen Fiorentina-Legende Gabriel Batistuta und dem italienischen Nationalspieler Fabio Quagliarella. Trainer Maurizio Sarri hat ein funktionierendes 4-3-3-System installiert, Paulo Dybala als falsche Neun schafft darin Räume, die Ronaldo zu nutzen weiß. Und jetzt kommt auch noch die Zeit, auf die sich der portugiesische Angreifer alljährlich am meisten freut: die K.-o.-Phase der Champions League. 65 seiner 128 CL-Tore erzielte er vom Achtelfinale aufwärts.

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Cristiano Ronaldo tut, was Cristiano Ronaldo immer tut: Tore schießen.

(Foto: imago images/Xinhua)

In der Vorrunde traf Ronaldo in dieser Saison "nur" zwei Mal, beide Male gegen Bayer Leverkusen. Trotz dieser unterdurchschnittlichen Quote gewann Juve fünf von sechs Spielen und setzte sich in der Gruppe mit Atlético Madrid, der Werkself und Lokomotive Moskau souverän durch. Im Achtelfinale trifft Turin nun auf Olympique Lyon - gegen die Franzosen erzielte Ronaldo übrigens seine CL-Treffer 9, 22, 30 und 31. Seine Erinnerung an den Gegner dürfte also durchaus positiv sein, sogar ausschließlich positiv ist Turins Bilanz in K.-o.-Duellen mit französischen Klubs. Die gab es zwölf Mal und zwölf Mal erreichte Juve die nächste Runde.

Lyon schaffte nur dank eines starken Schlussspurts im abschließenden Gruppenspiel den Sprung ins Achtelfinale, beim 2:2 nach 0:2 gegen RB Leipzig sicherte Memphis Depay den entscheidenden Punkt, um vor Benfica Lissabon und Zenit St. Petersburg auf Rang zwei zu landen. Für Depay war es der fünfte Treffer in der laufenden Runde, mehr werden jedoch nicht dazukommen. Der niederländische Nationalspieler arbeitet an der Rückkehr vom Kreuzbandriss, den er sich im Dezember zugezogen hatte. In der Liga ist Lyon nach einer schwachen Hinrunde zwar mittlerweile Siebter, der Abstand auf die Europapokal-Plätze ist aber sogar noch einen Punkt größer als zum Start der Rückserie. Insgesamt scheint Lyon derzeit nicht das Team zu sein, das im Vorjahr ein 0:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona erreichte (und dann im Rückspiel mit 1:5 ausschied).

Aus der Kategorie (un)nötiges Fachwissen: Real Madrid hält nicht nur den Rekord für die meisten Champions-League-Teilnahmen in Folge, nämlich 23, sondern erreichte bei all diesen Teilnahmen, die von der aktuellen bis zur Saison 1997/98 zurückreichen, auch jedes Mal das Achtelfinale. Die meisten aufeinanderfolgenden erfolgreichen Achtelfinal-Teilnahmen allerdings gehen auf das Konto des FC Barcelona, der sich von 2007/08 bis 2018/19 immer durchsetzte und die Runde der letzten Acht erreichte.

Quelle: ntv.de