Fußball

Starke Katar-Worte von Goretzka DFB-Chaos bringt Uli Hoeneß in Rage

Am Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Island hat TV-Experte Uli Hoeneß kaum was auszusetzen. Ein Anflug von Attacke? Nein! Die kommt aber natürlich doch noch – als das Gespräch auf das "Wurschteln" beim Verband kommt.

So souverän die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Island in der WM-Qualifikation aufspielt, so entspannt verbringt Uli Hoeneß seinen ersten Abend in neuer Rolle als Experte bei RTL. Doch als in der Livesendung die Sprache auf das Führungschaos beim DFB kam, da wechselte Deutschlands wohl mächtigste Fußball-Stimme in den verbalen Kampfmodus. Fast sechs Minuten lang zerlegte der langjährige Patron des FC Bayern die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes und watschte den einen oder anderen Hauptdarsteller vehement ab. "Es kann nicht sein, dass das, was sich da im Moment abspielt, so weitergeht. Das ist ein Trauerspiel."

Auf die Zwistigkeiten in der Verbandsspitze angesprochen, fing dann doch der Hoeneß'sche Oberkörper leicht an zu wippen und das rechte Knie dezent an zu zucken. Im Hintergrund blendete die Regie das Emblem des DFB ein, Hoeneß verzog keine Miene und schaute weiter ernst, die Hände hatte er neben einem Blatt Papier auf dem Stehtisch abgelegt. Die frühe Ankündigung von Löw zum Rücktritt in diesem Sommer müsse auch dazu führen, dass der DFB "seine derzeitige Führungsstruktur überdenken muss", sagte er dann.

Hoeneß nannte das Verhältnis zwischen Generalsekretär Friedrich Curtius und Verbandschef Fritz Keller. Dieser sei als Präsident gewählt worden, im gleichen Atemzug habe "der Rest des Präsidiums die Kompetenzen eingeschränkt, damit sie weiterhin wurschteln können, wie sie wollen. Und das kann so nicht sein", führte Hoeneß weiter aus. Und damit es auch wirklich jeder versteht, formulierte er unzweideutig: "Ich bin überzeugt, dass hier personelle Konsequenzen getroffen werden müssen, und zwar Veränderungen." Auch im Hinblick auf den Generalsekretär, "den ich völlig überfordert in seiner Situation sehe". Für Verwunderung sorgte indes folgender Einwurf zum DFB-Chaos. "Der Schatzmeister ist ein Arbeitsrechtler. Die Steuerfahndung geht beim DFB etwa so oft ein wie der Briefträger." Ausgerechnet Hoeneß, der verurteilte Steuerbetrüger. "Auch Rainer Koch glaubt ja, dass er der geeignete Präsident wäre. Diese drei ewig Unzufriedenen versuchen hier das Geschäft zu machen und Fritz Keller ist der Leidtragende. Wenn sich da nicht eine vernünftige Lösung findet, dass jemand im Verband ruhig arbeiten kann, dann wird das nix mehr."

"Postenschacherei und Aufwandsentschädigungen"

Keller und Curtius hatten sich zuletzt nach wochenlangen Streitigkeiten darauf verständigt, den Verband weiter gemeinsam zu führen. Für Kontroversen sorgte jüngst der Wikipedia-Eintrag von Curtius. Dabei war bekannt geworden, dass der DFB einen Dienstleister mit einer Überarbeitung beziehungsweise Erweiterung des Eintrags beauftragt hatte. Was er von den Vertretern des DFB in den internationalen Gremien von FIFA und UEFA hält, tat Hoeneß dann auch noch gleich kund - indem er den als Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern ausscheidenden Karl-Heinz Rummenigge vorschlug und aktuell vorherrschende "Machtspiele", "Postenschacherei und Aufwandsentschädigungen" anprangerte.

Bis zu dieser Eruption um kurz vor Mitternacht hatte Hoeneß sich auch auf neuem Terrain als äußert trittsicher erwiesen. Unaufgeregt, diplomatisch, schnörkellos – so arbeitete der 69-Jährige die Themen des Abends ab. Mit der Reaktion der deutschen Fußballer auf die heftige Spanien-Pleite zum Jahresausklang 2020 war er "total zufrieden, nicht nur vom Ergebnis her, sondern auch von der Art und Weise." So habe er sich das vorgestellt.

Zeichen setzen für die DFB-Werte

Hoeneß lobte die Aktion der Mannschaft, die sich vor dem Anpfiff mit der Aufschrift "Human Rights" präsentiert hatte, mit der sie auch auf die Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar abgezielt hatte. Zuletzt hatte die englische Zeitung "Guardian" berichtet, dass seit der WM-Vergabe an das Emirat 2010 mehr als 6500 Menschen auf Stadion-Baustellen gestorben sind. Katar steht bei Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International seit Jahren wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik.

Die Ausführungen des Patriarchen zu dem Thema sorgten in den sozialen Medien dennoch für Diskussionen. "Wir wollen ja die mündigen Spieler haben und es ist ja völlig berechtigt, so etwas zu machen. Wenn sie darauf hinweisen, dass es dort Probleme gibt, kann es auch dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen besser werden", sagte er. Nun, vielen fehlt tatsächlich der Glaube daran. Eine große Mehrheit der Deutschen fordert einer aktuellen Umfrage zufolge stattdessen einen Boykott des Turniers in dem Land, in dem der FC Bayern im Winter regelmäßig sein Trainingslager bezieht und für dessen Fluglinie der Rekordmeister auf seinem Trikot-Ärmel wirbt.

Bayern-Star Leon Goretzka, der für sein politisches Engagement und auch für sehr klare Statements bekannt ist, fand auch an diesem Donnerstagabend wieder starke Worte: "Wir haben natürlich die WM vor uns. Darüber wird immer wieder diskutiert. Das möchten wir der Gesellschaft klarmachen, dass wir das nicht ignorieren. Dass wir ganz klar sagen, was für Bedingungen da herrschen müssen", sagte er bei RTL. "Ich finde, dass man solche Momente nutzen kann. Norwegen hat es auch gemacht. Wir haben eine große Reichweite. Die können wir wunderbar nutzen, um ein Zeichen zu setzen für Werte, für die wir stehen wollen."

"Die Spieler haben es am Spieltag noch größtenteils selber auf die Trikots gezeichnet und geschrieben", berichtete Löw derweil von der Vorbereitung der Aktion, von der er unterrichtet war, sie aber nicht angeregt hatte. "Es sollte einfach auch mal ein erstes Zeichen von der Mannschaft sein, dass wir für alle Menschenrechte, egal wo auf der Welt, einstehen, dass das unsere Werte sind", sagte der 61-Jährige, der das Team bei der WM 2022 nicht mehr trainieren wird.

Als Moderator Florian König Punkt Mitternacht zum Abschied "Es hat Spaß gemacht" sagte, lächelte Hoeneß kurz und sagte: "Mir auch."

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.