Fußball

Barça feiert sein Comeback Dembélé entfacht abnormalen Wahnsinn

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Ousmane Dembélé ist im Kreis der ganz Großen angekommen.

(Foto: imago/Cordon Press/Miguelez Sports)

Erst erzwingt Ousmane Dembélé seinen Wechsel vom Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund zum FC Barcelona. Dann verletzt er sich und kann sein Talent nicht zeigen. Nun sind alle froh, dass der 20-Jährige in die Startelf zurückkehrt.

In einer globalisierten Fußballwelt kann der Investitionswahnsinn eines katarischen Geschäftsmanns für den Auszug eines Ukrainers gen Westen sorgen. So ungefähr lässt sich das Transferdomino im letzten Sommer zusammenfassen. Paris Saint-Germain, finanziert von den Milliarden Nasser Al-Khelaifis, wollte unbedingt einen Star zum bereits hochklassig besetzten Ensemble hinzufügen. Da kam es ganz gelegen, dass Neymar eine für Spanien obligatorische Ausstiegsklausel in seinem Vertrag mit dem FC Barcelona hatte und gewillt war, auf das hochdotierte Angebot von PSG einzugehen. Plötzlich stand Barça ohne seinen offensiven Hoffnungsträger da und musste sich nach Alternativen umsehen.

Die Wahl fiel auf Ousmane Dembélé. Der französische Außenstürmer hatte zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal eine Saison für Borussia Dortmund absolviert, dem BVB allerdings in einer beschwerlichen Rückrunde ein ums andere Mal aus der Patsche geholfen. Das erregte das Interesse Barças, das ebenso den Brasilianer Philippe Coutinho verpflichten wollte, diesen Transfer jedoch erst viele Monate später und nach zähen Verhandlungen mit Liverpool unter Dach und Fach bringen konnte. Bei Dembélé hingegen war der Spieler bereit, Teil eines Schmierentheaters zu werden.

Er boykottierte das Training. Die Medien spekulierten über seinen Aufenthaltsort. Am Ende gab Dortmund nach und strich eine kolportierte Ablösesumme von 105 Millionen Euro ein. Zur gleichen Zeit wurde der ukrainische Flügelspieler Andriy Yarmolenko unter Vertrag genommen - jedoch für den Bruchteil der Dembélé-Ablösesumme. Yarmolenko kann Neymar insofern dankbar sein.

Blitzkarriere nach Wunsch

Dembélé machte nie einen Hehl daraus, dass er den BVB lediglich als Zwischenstation auf seinem Weg nach ganz oben ansah. Er schwärmte offen von den großen Klubs in Spanien und ging selbstbewusst mit seinem Talent um. Erstmals ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit gelangte Dembélé ab dem Sommer 2015, als er in die erste Mannschaft von Stade Rennes befördert wurde. Ab November desselben Jahres gehörte der beidfüßige Franzose fest zur Startelf der Bretonen, die auch dank seiner offensiven Qualitäten eine achtbare Saison spielten.

Dembélé zeigte von Beginn an, dass er über das gewisse Etwas verfügt. Er verkörpert nicht den klassischen Flügeldribbler, der über 90 Minuten hinweg in repetitive Muster verfällt und ständig das immer wiederkehrende Eins-gegen-Eins sucht. Stattdessen bewegt sich Dembélé mit einer Leichtigkeit - manchmal auch mit Leichtsinn - über den Rasen. Er findet die Räume und seine Mitspieler finden ihn.

Beim BVB hatte er als Neuankömmling zunächst kleinere Schwierigkeiten, weil ihm eben jene Leichtigkeit fehlte und er sich stattdessen im Aktionsbereich eines klassischen Außenstürmers selbst normalisierte. Aber es dauerte nur ein paar Monate, bis Dembélé auch in Dortmund das Selbstbewusstsein ausstrahlte, das Teil seiner Identität ist. Normal war und ist ansonsten auch sehr wenig in der Karriere des Ousmane Dembélé.

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So könnte der FC Barcelona in Bestbesetzung - also mit Dembélé auf dem Flügel - in Zukunft spielen.

(Foto: Constantin Eckner)

Innerhalb von eineinhalb Jahren kickte er sich von der Ersatzbank Rennes' in die Startelf des FC Barcelona. Sein Wechsel zum BVB wurde von Nebengeräuschen begleitet, da der einstige Berater Dembélés sich von Dortmund verschaukelt fühlte, weil plötzlich ein anderer Agent eingesetzt wurde. Das Verhalten des 20-Jährigen vorm Wechsel nach Katalonien füllte die Schlagzeilen und erzürnte Fans in und außerhalb Dortmunds.

Ein Start zum Vergessen

Am 28. August 2017 war er am vorläufigen Ziel seiner Träume angekommen. Dembélé wurde am sogenannten "Dembélé Day" vor 17.000 Zuschauern auf dem heiligen Rasen des Camp Nou vorgestellt. Seine ersten Aktionen am runden Leder im Trikot der Blaugrana misslangen. Das simple Hochhalten des Balls wollte nicht gelingen. "Hatte der FC Barcelona gerade zig Millionen für einen Amateur ausgegeben?", fragten die Spötter. Der unrunde Start in seiner neuen Heimat sollte sich direkt fortsetzen.

Nachdem Dembélé wochenlang nicht zum Training des BVB erschienen war, kam er außer Form in Barcelona an und musste sich erst einmal wieder in Schuss bringen. Als er dann Mitte September sein Debüt feierte, dauerte es keine drei Spiele, da gab schon der Oberschenkel nach. Muskelriss, fast vier Monate Pause. Zuvor hatte Dembélé die Barça-Fans ins Schwärmen gebracht, als er im Champions-League-Spiel gegen Juventus aufdrehte und den italienischen Meister mehrfach schwindlig dribbelte.

Rückkehr erleichtert die Fans

In Dembélés Abwesenheit kam Trainer Ernesto Valverde gehörig ins Rudern. Ihm fehlte ein Flügelstürmer, der den Ansprüchen des stolzen Klubs entsprach. Ergänzungsspieler wie Gerard Deulofeu bekamen nur selten das Vertrauen geschenkt. Arda Turans Zeit bei Barça schien abgelaufen - also probierte es Valverde mit Notlösungen. Mal musste der etwas in die Jahre gekommene Mittelfeldstratege Andrés Iniesta auf der linken Seite aushelfen. Mal durfte sich André Gomes auf der ungewohnten Flügelposition versuchen.

Zuletzt bekam Paulinho immer häufiger Einsatzzeiten. Eigentlich wurde der Brasilianer nur als zusätzliche Ergänzung fürs Mittelfeld aus China geholt und fiel in der Vergangenheit vor allem durch seinen physischen Stil auf. Beim kürzlich gefeierten 3:0-Sieg im El Clásico bei Real Madrid machte der 29-Jährige als Rechtsaußen das Spiel seines Lebens. Doch die Rückkehr Dembélés wurde trotzdem sehnsüchtig erwartet.

Mit ihm kann Barcelona endlich wieder im geliebten 4-3-3 spielen. Ohne ihn war das System der Katalanen in einem Mix aus Hybridpositionen und Umstellungen unkenntlich - aber nicht zwangsläufig ineffektiv - geworden. Vor seinem Comeback vor wenigen Tagen  im Pokalspiel bei Celta de Vigo hatte Dembélé gerade einmal 122 Minuten im Trikot Barcelonas absolviert. Und trotzdem waren die Hunderttausenden Fans eines der traditionsreichsten und erfolgreichsten Klubs der Welt erleichtert, als er endlich wieder den Rasen betreten konnte. Nichts ist eben normal in der Karriere des Ousmane Dembélé.

Quelle: ntv.de

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