Fußball

"Davon gehen wir aus" Der FC Bayern wird Meister - sagt der FC Bayern

imago38049773h.jpg

Bayerns Thomas Müller findet Gefallen an der aktuellen Situation: "Natürlich macht es Spaß, wieder in Schlagdistanz zu sein. Unsere Aufgabe ist es, uns gut vorzubereiten und den Druck permanent hoch zu halten."

(Foto: imago/Sven Simon)

"Nur" noch sechs Punkte Rückstand auf Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund und zwei Ausrufezeichen-Siege gegen Leipzig und Frankfurt zum Abschluss einer wilden Hinrunde: Der FC Bayern fühlt sich wieder als das, was er am liebsten ist: ein Champion.

Mit der siebten deutschen Meisterschaft in Serie hatte der FC Bayern eigentlich schon abgeschlossen. Die spektakuläre Niederlage bei Tabellenführer Borussia Dortmund am 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga und noch viel mehr das peinliche Heim-Remis gegen Fortuna Düsseldorf eine Runde später hatten das Münchener Selbstvertrauen maximal erschüttert und alle Arbeit in Frage gestellt. "Wir spielen einen schlechten, einen uninspirierten Fußball ohne Selbstvertrauen. Wir können jetzt mehr nicht sagen: Das wird schon werden. Wir müssen die nächsten Tage, vielleicht auch Wochen verwenden, um die richtige Lösung zu finden. Wir müssen zu einem Ergebnis kommen", hatte Uli Hoeneß nach dem 3:3 gegen den Aufsteiger am 24. November geschimpft

Der Präsident hatte an diesem frustrierenden Herbstabend sogar seine beschworene "Bis-aufs-Blut-Verteidigung" für Niko Kovac aufgekündigt. Der Trainer galt damit in der Meinung der meisten Medien und nahezu aller Experten im Prinzip als arbeitslos - so, wie es der gemütliche Carlo Ancelotti ein Jahr und drei Monate zuvor gewesen war, als er sich mit wilder Rotation im Champions-League-Spiel bei Paris St. Germain in sein Schicksal ergeben hatte.

Kovac hingegen wehrte sich. Vor dem ausgemachten Job-Killerspiel gegen Benfica Lissabon nur drei Tage nach dem Düsseldorf-Desaster verkündete er: "Ich bin ein Kämpfer, mein ganzes Leben bestand darin, mich durchzusetzen. Das Wort 'Zurückstecken', 'Aufgeben', 'Die weiße Fahne hissen', das existiert in meinem Wortschatz nicht und wird nie existieren." Die Bayern gewannen das Königsklassen-Krisenspiel 5:1. Kovac setzte anschließend erfolgreich die Rotation aus, bis ihn mehrere Verletzte wieder zu Wechseln zwangen. Er stellte das System auf eine ziemlich stabile Doppelsechs um, den Erfolg über die kollektive Zufriedenheit des Kaders und verkündete nun am Abend des 22. Dezember in Frankfurt, nach dem anfangs erschreckend wacklig, am Ende aber überzeugenden 3:0-Sieg nach Toren von Franck Ribéry (35./79.) und Rafinha (89.) gegen die Eintracht: Er und alle in München gehen davon aus, dass der FC Bayern im Sommer Deutscher Meister wird.

"Macht Spaß, wieder in Schlagdistanz zu sein"

*Datenschutz

Aus eigener Kraft ist das bei sechs Punkten Rückstand auf den BVB freilich nicht mehr möglich. Aber Kovac rechnete im ZDF-Sportstudio so: Das Heimspiel gegen Dortmund in der Rückrunde gewinnen und auf einen weiteren Patzer des Noch-Tabellenführers setzen. So ließe sich die deutsche Fußball-Hierarchie - aus der bayrischen Perspektive betrachtet - wieder richtig ordnen. Bedeutet folglich: die Münchener lassen auf dem Weg zum Titel keinen Punkt mehr liegen. Auch nicht gegen Mannschaften, die doch eigentlich mit stumpfen Waffen gegen den Bundesliga-Herrscher a.D. kämpfen. Sechs Zähler hatte der Rekordmeister gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel daheim eingebüßt - namentlich Düsseldorf, Freiburg und Augsburg. Sechs Zähler, die nun fehlen. "Schade, sonst wären wir jetzt pari mit Dortmund", sagte Kovac. Aber er fand eben auch: "Die letzten Spiele waren sehr gut, das ist das, was den FC Bayern ausmacht." In Thomas Müller fand er in seiner Analyse einen zustimmenden Verbündeten: "Natürlich macht es Spaß, wieder in Schlagdistanz zu sein. Unsere Aufgabe ist es, uns gut vorzubereiten und den Druck permanent hoch zu halten."

Ob sich der Alphaklub für seine ungewohnte Verfolgerrolle noch im Winter neue Alphatiere in den Kader holt, mochte in München niemand so recht verraten. Dass Bedarf vorhanden ist, offenbarte das Spiel bei der Eintracht. Denn Kovac hatte bei seinem Ex-Klub kaum Alternativen auf der Bank. Mats Hummels, der eigentlich in der Startelf hätte stehen sollen, verletzte sich beim Aufwärmen, so blieben als erfahrene Feldspieler-Joker nur der angeschlagene Kingsley Coman und Sandro Wagner. Sie saßen neben Meritan Shabani, 19 Jahre alt und dank seiner erneuten Einwechslung mittlerweile 57 Minuten (letzte Saison 56 ausgerechnet gegen Frankfurt, nun nochmal eine gegen Frankfurt) bundesligaroutiniert, und Lars Lukas Mai, 18 Jahre alt, in der ersten Herrenmannschaft in der vergangenen Saison immerhin zweimal über 90 Minuten (einmal natürlich auch gegen die Eintracht) erprobt. Für die Rückrunde mit großen Ambitionen in allen Wettbewerben ist der verletzungsanfällige Kader - aktuell fehlen unter anderem mal wieder Arjen Robben, Serge Gnabry und James Rodriguez - dünn besetzt. Zu dünn? Nicht aus der Welt zu schaffen sind die Gerüchte um den 22-jährigen Weltmeister Lucas Hernandez, Verteidiger von Atlético Madrid, und den gleichaltrigen Leipziger DFB-Stürmer Timo Werner - der die Gerüchte selbst ja erst intensiv befeuert hatte.

"Wir planen einige Sachen am Transfermarkt", erklärte Sportdirektor Hasan Salihamidzic immerhin, um dann direkt wieder aufzuweichen. "Wenn sich etwas ergibt, machen wir was in der Winterpause. Wenn nicht, dann im Sommer. Aber wir kommentieren keine Gerüchte." Rhetorisch fleißiger und inhaltlich ausgiebiger war Salihamidzic, als es um den Aufschwung zum Jahresende nach gewaltiger Herbstkrise ging. "Man spürt, dass die Mannschaft den Trainer immer besser versteht und umgekehrt. Deshalb haben wir das im letzten Drittel der Hinrunde sehr gut gemacht", befand er. Auch Kovac ist mittlerweile überzeugt: "Meine Jungs wissen, was sie zu tun haben. Wir sind wieder da."

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema