Fußball

Endlich Länderspiele mit Gewicht Die Nations League ist besser als ihr Ruf

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Vollbesetztes Haus: Im Oktober unterliegt die deutsche Nationalmannschaft im Stade de France zu Paris dem Weltmeister aus Frankreich.

imago/ActionPictures

Die Nations League stößt vielen Fußballfans übel auf. Ein komplizierter Modus und die strittige Bedeutsamkeit trüben den Spaß. Doch das Ergebnis stimmt: Es gibt Länderspiele mit viel Spannung. Die DFB-Elf beweist es.

Die Nations League ist nicht jedermanns Sache, schon klar. Der Modus ist hyperkompliziert, die Bedeutung unter Fans und Experten umstritten. Fußball-Bundestrainer Joachim Löw meint sogar im besten Testspielmodus, ein Abstieg wäre kein Weltuntergang. Ist der für die Uefa sicher lukrative Wettbewerb also überflüssig? Nein, im Gegenteil.

Immerhin bekommt der Sieger des Finalturniers ein Ticket für die Europameisterschaft. Halt, nein, bekommt er nicht. Die besten Gruppensieger jeder der vier Ligen bekommen ein EM-Ticket, so läuft das. Aber erst nach der eigentlichen EM-Qualifikation. Und dann können eventuell Mannschaften aus der schlechteren Liga B anstelle von jenen aus der Premiumliga A ein Ticket gewinnen. Ja, selbst mit Anleitung ist die Nationenliga nur schwer zu verstehen. Es zu versuchen, lohnt sich dennoch. Schließlich stimmt das wichtigste: das Ergebnis.

Der Modus garantiert spannende Länderspiele statt trostloser Testspiele. Niederlagen haben Konsequenzen und können nicht einfach wegmoderiert werden. Auch nicht bei der deutschen Nationalmannschaft. Die steht nach drei Spielen auf dem letzten Platz der Gruppe A, es droht der Abstieg - ob der einem nun egal ist oder nicht. Der Grund fürs bislang desolate Abschneiden ist schnell gefunden: ein okayes Unentschieden und eine okaye Niederlage gegen die frisch gebackenen Weltmeister aus Frankreich und mittendrin eine herbe Klatsche bei den Niederlanden, nach der alles infrage gestellt wurde.

Wann hat das letzte Mal ein Länderspiel im Oktober so viele Emotionen - und vor allem so viel Wut ausgelöst? Und bestätigt, dass das WM-Debakel in Russland kein Ausrutscher war, sondern drohende Realität?

Realitätscheck im Eilverfahren

Ohne die Nations League hätte diese Erkenntnis auf sich warten lassen. Bis zur EM-Qualifikation im nächsten Jahr vielleicht, wenn die deutsche Mannschaft bei der Gruppenauslosung Pech gehabt hätte. Womöglich hätte sie sich auch durchmogeln können bis zur Endrunde 2020 und es hätte dort das nächste Fiasko gegeben. Besser also jetzt die harte Erkenntnis, dass ein "weiter so" nicht funktionieren wird. So bleibt Zeit für die dringend benötigte und bereits eingeleitete Kurskorrektur.

In der Tat ist Deutschland nicht das einzige Land, das durch die Nations League einen Realitätscheck bekommt. Die Niederländer zum Beispiel, in der Qualifikation für die WM in Russland noch katastrophal gescheitert, wissen nach drei Spieltagen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Dass ihr Umbruch funktioniert. Dass ihr "Neuer Beckenbauer", der 21 Jahre alte Frenkie de Jong, den Lobeshymnen gerecht wird.

Gleiches gilt für die aufstrebenden Engländer. Experten wissen spätestens jetzt, dass deren Halbfinal-Einzug bei der WM im Sommer nicht nur dem Losglück zu verdanken war. Die "Three Lions" liefern sich einen spannenden Kampf um den Gruppensieg mit den ewig hochgelobten Spaniern und dem Vize-Weltmeister aus Kroatien. Knappe Niederlagen in der Heimat und beeindruckende Siege in der Ferne inklusive.

Ja, Länderspiele im Herbst 2018 haben plötzlich Gewicht, deswegen machen sie Spaß. Allein der aktuelle Spieltag der Nations League liest sich wie die Endrunde einer Europameisterschaft: Die Niederländer fordern zum zweiten Mal die französischen Weltmeister heraus. Gewinnen sie, ist noch der Gruppensieg drin. Gleiches gilt am Samstag, wenn Italien auf Portugal trifft. Und am Sonntag, wenn es erst zur Neuauflage des WM-Halbfinals zwischen England und Kroatien kommt und später mit der Schweiz und Belgien zwei der erfolgreichsten Teams der Nation League aufeinandertreffen.

Am Montag muss sich dann die deutsche Nationalmannschaft noch einmal beweisen: Im möglichen K.-o.-Spiel gegen die Niederlande. Den drohenden Abstieg aus der Eliteklasse wird sie dann trotz der vom Bundestrainer heruntergespielten Bedeutung zu verhindern versuchen. Ganz schön spannend, diese Nations League.

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(Foto: Judith Günther)

Quelle: n-tv.de

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