Fußball

So läuft der sechste Spieltag Die größte Aufgabe im Weltfußball

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Wohl dem, der gegen diese Bayern spielen muss.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Der FC Bayern scheint unbezwingbar, für Kölns Trainer Markus Gisdol ist das Aufeinandertreffen in der Fußball-Bundesliga eine Monster-Aufgabe. Der er sich stellt - genauso wie RB Leipzig dem Horror-Herbst die Stirn bietet und der FSV Mainz 05 die Hoffnung auf erste Punkte nicht aufgibt.

Spiel der Woche: 1. FC Köln - FC Bayern München

Markus Gisdol macht beim 1. FC Köln vieles richtig. Er ist jetzt zum Beispiel der Rekordtrainer des Fußball-Bundesligisten. Nun ja, mit einer Negativ-Leistung. 15 Spiele ohne Sieg - so lange hat noch kein Trainer in Köln durchgehalten, ohne entlassen zu werden. Warum er also vieles richtig macht, fragen Sie? Weil Sportchef Horst Heldt nach wie vor überzeugt von ihm ist und gar nicht daran denkt, ihn zu entlassen. Weil das Saisonziel ja noch gar nicht in Gefahr ist - der Klassenerhalt. Stimmt, derzeit liegt der Effzeh mit zwei Punkten aus fünf Spielen auf Platz 16, da wäre mit Umweg Relegation der Klassenerhalt drin. Und weil Gisdol der Witz offenbar noch nicht verloren gegangen ist: "Wir müssen jeden Punkt, den wir holen können, einsammeln und ins Körbchen legen."

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Immer bergauf, das ist der Plan von Gisdol.

(Foto: imago images/Herbert Bucco)

Das sagte er nach dem 1:1 in Stuttgart - als sein Team den zweiten Punkt der Saison ergattert hatte. "Mit viel Energie, mit viel fleißiger Arbeit kann man die Liga halten. Wir brauchen alle Kraft und Energie, um dieses Ziel zu erreichen, deswegen tut uns jeder Punkt, den wir einsammeln können, insgesamt gut."

Dieser fromme Wunsch ist schön. Aber ob er sich vor dieser Aussage den Spielplan angeschaut hat? Es geht jetzt gegen den FC Bayern (15.30 Uhr im ntv.de-Liveticker). Die letzten beiden Begegnungen endeten mit jeweils vier Toren der Münchner. Die Kölner haben in dieser Saison insgesamt gerade einmal fünf geschossen. "Kraft und Energie" wird sein Team in diesem Spiel ganz sicher benötigen, aber ob es punkten kann ist doch mehr als fraglich. Aber ja, er hat sich den Plan angeschaut - und haut deswegen so richtig auf die Tube. "Es gibt derzeit keine Mannschaft aktuell auf dem Niveau von Bayern München", sagte er über den Gegner. Und sieht sich selbst vor "der größten Aufgabe im Weltfußball."

Ganz schön pathetisch, aber irgendwie auch wahr. Schließlich kann sich Köln zwar an Lokomotive Moskau ein Beispiel nehmen - die bewiesen in der Champions League wie man die Münchner beinahe zum Stolpern bringen kann -, aber selbst das würde ja nicht mal für einen Punkt reichen. Die Bayern gewannen auch in Moskau. Und Trainer Hansi Flick weiß ganz genau, wo er ansetzen muss: Man habe "unnötige Meter" laufen müssen, sagte er. "Wir haben uns in der Abwehr nicht gut angestellt. Das haben wir im Verbund nicht gut gemacht", stellte Joshua Kimmich fest. Der dann ja noch das Siegtor schoss als es nötig war.

Ja, okay, die Bayern verloren in dieser Saison schon einmal - 1:4 gegen die TSG 1899 Hoffenheim am 2. Spieltag. Eine Logik, warum das auch gegen Köln passieren sollte, lässt sich aber bei allem Ideenreichtum nicht ableiten. 98 Duelle, 51 Mal gewann der FC Bayern, nur 24 Mal die Kölner, den letzten Kölner Punkt gab es zuletzt am 6. Spieltag der Saison 2016/17. Ah, Moment, 6. Spieltag, also doch ein Omen? Nein.

Was ist sonst noch so los?

RB Leipzig ist gewarnt. Vor einem Jahr standen die Sachsen nach fünf Spieltagen auf Platz eins der Tabelle, danach folgte ein Horror-Herbst mit Pleiten in Serie und dem Absturz auf Platz sechs. Und nun? Nach dem fünften Spieltag gab es die erste Pleite - in der Champions League gegen Manchester United (0:5). Also ein Déjà-vu für Trainer Julian Nagelsmann? Das muss nicht sein, denn die Sachsen treffen auf einen ihrer Lieblingsgegner: Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr). Gegen den hat das RB noch nie verloren, dafür aber in acht Begegnungen schon fünfmal gesiegt. Gut möglich also, dass Halloween für die Leipziger gar nicht so gruselig wird.

Von nichts mehr zu schocken wird der 1. FSV Mainz 05 sein - höchstens durch die ersten Punkte der Saison. Gibt es die etwa gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr)? Für die bayerischen Schwaben geht es seit dem wirklich guten Saisonstart mittlerweile steil bergab, von Platz zwei rutschten das Team von Heiko Herrlich auf elf ab. Doch sie haben sieben Punkte mehr als die Mainzer, die mit minus elf Toren Tabellenletzter sind - ja, sogar hinter den Schalkern. Grund genug für Sportvorstand Rouven Schröder, von seinem Team einen Befreiungsschlag zu fordern. "Die Mannschaft braucht keine Extra-Ansprache, so was spürt man. Sie versteht die Dinge und ist auf einem guten Weg", sagte der 45-Jährige auch mit Rückblick auf das 2:3 gegen Gladbach, bei dem die Mainzer bis zur 76. Minute führten. "Aber eins ist auch klar. Wir wollen uns auch mal belohnen. Es zu sagen und zu betonen, ist das eine, aber jetzt wollen wir auch was Zählbares." Wollen und bekommen sind allerdings verschiedene Dinge.

6:0 endete das letzte Duell von Borussia Dortmund mit Arminia Bielefeld. Das war am 16. Mai 2009. Seitdem ist viel passiert, Bielefeld ist in die 2. und sogar 3. Liga abgestiegen, der BVB wurde zweimal Meister, stand im Champions-League-Finale und konnte von fünf Pokalfinal-Teilnahmen zwei gewinnen. Was das 6:0 also aussagt? Nichts. Zu lange her. Doch, dass der BVB in diesem Spiel der klare Favorit ist, ist klar. Vier Spiele gewonnen, elf Tore geschossen, da kann der Aufsteiger mit einem Sieg und nur vier eigenen Toren nicht mithalten. Aber Sven Schipplock hat eine Idee für seinen Trainer, gespielt werden soll bitte mit Doppelspitze. "In Wolfsburg konnten wir nach der Pause so mehr Gefahr ausstrahlen. Bei Flanken und Eckbällen ist die Präsenz im Strafraum viel größer. Dadurch ergeben sich zwangsläufig auch mehr Chancen." Dass es auch gegen Wolfsburg nicht zum Sieg reichte - geschenkt.

Was war gestern los?

Die ntv.de-Sportredaktion war schon ganz aufgeregt. Der FC Schalke 04 hatte gegen den VfB Stuttgart das erste Führungstor seit viereinhalb Monaten geschossen. In der Halbzeit wurde bereits über eine mögliche Breaking News für den ersten Schalker Sieg seit neun Monaten und 21 sieglosen Spielen diskutiert. Aber es war zu früh: Die Königsblauen brachten die Führung nicht über die Zeit - Salif Sané verursachte einen Handelfmeter. Der Aufsteiger sorgte also mit dem 1:1 für eine Fortsetzung des Schalker Grusels. Was in Gelsenkirchen blieb, war der zweite Punkt der Saison. Ganz schön mager. Schalke ist jetzt der zweitbeste Schlechteste: 22 Spiele in Folge nicht gewonnen, das kann nur das sagenumwobene Tasmania Berlin toppen, das in der Saison 1965/66 31 Spiele lang nicht siegte. Was das ganze so endgültig trostlos macht? Es sieht nicht so aus, als könnte das neue Trainergespann um Manuel Baum und Naldo für Besserung sorgen. Der Pfropf in der Ketchup-Flasche steckt ganz schön fest, sagen wir es mit Baums Worten. Der hatte schließlich davon gesprochen, dass Schalke wie eine neue Ketchup-Flasche sei, "auf die man nach dem Öffnen erst noch einmal klopfen muss, damit etwas herauskommt".

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Florian hat nicht für mich gesungen. Das ist aber vielleicht auch besser so." (Bremens Geschäftsführer Frank Baumann, der am Donnerstag seinen 45. Geburtstag feierte, auf die Frage, ob Trainer Florian Kohfeldt für ihn gesungen hat.)

Quelle: ntv.de