Fußball

Milliardengrenze geknackt England ist im Transfer-Rausch

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Falcao geht leihweise von Monaco nach Manchester für eine Summe von 10 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

Das selbst ernannte Fußball-Mutterland lässt sich seine Lieblingssportart einiges kosten. Über eine Milliarde Euro gibt die Premier League im Sommer 2014 für neue Spieler aus. Eine neue Rekordsumme, die auch die Bundesliga klein erscheinen lässt.

Angesichts der maßlosen Transferausgaben der englischen Fußball-Klubs konnte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nur staunend mit dem Kopf schütteln. "Die können am letzten Tag vor Transferschluss noch richtig zulegen. Man hat gesehen, dass die in England deutlich mehr Geld zur Verfügung haben als wir in Deutschland", sagte er und fügte an: "Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen." Etwas anderes bleibt dem Bayern-Vorstand auch kaum übrig.

Stunden zuvor hatte der kriselnde englische Rekordmeister Manchester United den kolumbianischen Torjäger Radamel Falcao vom AS Monaco für 10 Millionen Euro auf Leihbasis verpflichtet. Auch der bei der WM erfolgreiche Daley Blind von Ajax Amsterdam folgte dem Ruf von Teammanager Louis van Gaal und wurde für 18 Millionen Euro fest unter Vertrag genommen. Insgesamt 193 Millionen Euro investierte der Klub. Alleine für den bei Real Madrid aussortierten Vizeweltmeister Angel Di Maria wurde die Rekordsumme von 75 Millionen Euro fällig.

Schallmauer ist durchbrochen

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Trotz wirtschaftlicher Probleme investierte Manchester United 193 Millionen Euro für neue Spieler.

(Foto: REUTERS)

Der Trend in der Premier League ist besorgniserregend. In der Nacht wurde schließlich die Schallmauer von einer Milliarde Euro geknackt. Um dem Treiben auf der Insel Einhalt zu gewähren, setzt Rummenigge auf die Regularien der Uefa: "Financial Fairplay sorgt für Rationalität und einen fairen Wettbewerb", glaubt er. Der ehemalige Hertha-Manager Dieter Hoeneß nimmt in diesem Zusammenhang insbesondere den Uefa-Präsidenten Michel Platini in die Pflicht.

"Platini muss die Dinge konsequent umsetzen, um einem solchen Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Die Bundesliga hat bewiesen, dass man mit einer geschickten Einkaufspolitik und einem guten Scouting wettbewerbsfähig sein kann", sagte Dieter Hoeneß gegenüber "Servus-TV". Zwar investierte auch Bayern München knapp 50 Millionen Euro, im internationalen Vergleich hielt sich die Bundesliga aber vornehm zurück.

In England protzte dagegen nicht nur United, auch Vizemeister FC Liverpool mit Gesamtausgaben von 151 Millionen Euro, der FC Chelsea mit 106 Millionen Euro, der FC Arsenal mit rund 97 Millionen Euro und Titelverteidiger Manchester City mit umgerechnet 65 Millionen Euro zückten das Scheckheft. Um endlich auch wieder zur internationalen Spitze zu gehören, scheint kein Preis zu hoch. Ein Großteil der Summen wird durch die TV-Gelder gedeckt. Derzeit erhalten die 20 Premier-League-Klubs pro Jahr zusammen 1,2 Milliarden Euro - nur aus dem nationalen TV-Vertrag. Zum Vergleich: Die 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga bringen es derzeit auf 709 Millionen Euro.

Ronaldo zeigt sich verständnislos

"Wir haben da einfach einen Rückstand", sagt Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, der gleichzeitig auch anregte: "Was würde die Bundesliga machen, wenn sie so viel Geld hätte? Wäre Deutschland dann auch mit 15 Bundesliga-Profis Weltmeister geworden?" Denn während den einheimischen Talenten in der Premier League regelmäßig große Namen vorgezogen werden, setzen viele Bundesliga-Klubs auf deutsche Perspektiv-Spieler. "Der Erfolg zeigt, dass der eingeschlagene Weg nicht ganz verkehrt ist", sagte Seifert.

In Spanien investierten derweil insbesondere die in der Liga von Atletico Madrid entthronten FC Barcelona und Real Madrid kräftig. Barça holte sich Uruguays WM-"Beißer" Luis Suárez vom FC Liverpool für kolportierte 94 Millionen Euro. Real ließ sich die Dienste von Weltmeister und Bayern München-Spieler Toni Kroos und WM-Torschützenkönig James Rodriguez vom AS Monaco 110 Millionen Euro kosten. Für eine Leihgebühr von 2,5 Millionen Euro kam auch der Mexikaner Javier Hernandez aus Manchester. Im Gegenzug wurden di Maria und auch Xabi Alonso an Bayern München abgegeben.

Kritik gab es dafür von Weltfußballer Cristiano Ronaldo: "Wenn ich was zu sagen hätte, hätte ich es nicht so gemacht", sagte der Portugiese, der nach wie vor der teuerste Spieler der Welt ist: "Wenn der Präsident meint, es ist das Beste für die Mannschaft, einige Spieler zu verpflichten und andere gehen zu lassen, dann müssen wir das respektieren und seine Entscheidung unterstützen."

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Quelle: n-tv.de, Andreas Asen, sid

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