Fußball

Die Lehren des 24. Spieltags FC Bayern grätscht "Pep-Problem" weg

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Gute-Laune-Bayern wehren sich gegen den Spannungsabfall.

(Foto: dpa)

Die Fußballer des FC Bayern kämpfen gegen den Spannungsabfall durch die Liga-Langeweile. Die Berliner Hertha feiert, der BVB leidet erträglich - und die 40-Punkte-Marke feiert ein starkes Comeback.

1. FC Bayern grätscht gegen den Schlendrian

Droht dem FC Bayern jetzt das "Pep-Problem"? Diese Frage stellen die Kollegen der "Bild"-Zeitung. Und ganz zu Unrecht tun sie das nicht. Denn nach dem 24. Spieltag und dem 3:0 (2:0)-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt in der Fußball-Bundesliga sind die Münchner ja bereits zum 27. Mal Deutscher Meister. Was der Mathematiker angesichts von zehn Punkten Vorsprung bei noch 30 zu vergebenden vermutlich vehement anzweifelt, stellen sie an der Säbener Straße indes nicht mehr infrage. "Das sollten wir eigentlich nicht mehr verspielen", sagt Kapitän Philipp Lahm - und führt uns damit zielgerichtet zum "Pep-Problem". Denn wie schon unter dem Vorgänger von Trainer Carlo Ancelotti ist das erste Saisonziel viel zu früh eingetütet. Doch was unter der katalanischen Regie noch zu einem Spannungsabfall inklusive europäischer Titellosigkeit führte, soll nun zwingend vermieden werden.

"Wir dürfen nicht denken, das ist schon durch! Das wäre nicht gut für unsere Ziele in Champions League und Pokal. Wir müssen weiter Gas geben und in Form bleiben", appelliert Robert Lewandowski. Und aktuell gibt's doch sehr wenige Indizien dafür, dass die Bayern in den Jumpsuit-Couch-Modus umschalten. Lewandowski trifft gewohnt fleißig weiter. Thomas Müller trifft zwar immer noch nicht, schwingt sich aber zum Akkord-Vorbereiter auf. Das Muster an Spannung aber ist Abwehrmann Mats Hummels, der nämlich senste am Samstagnachmittag in Minute 19 dem vor dem Tor völlig freistehenden und Millisekunden später völlig perplexen Branimir Hrgota den Ball so sehenswert und fair vom Fuß, dass er überhaupt nicht wusste wohin mit seiner wie einst gegen Polen heldenhaft ergrätschten Energie. "Pep-Problem"? Come on!

2. Die Hertha ist die Gewinnerin des Spieltags

Seine Mannschaft spiele zwar nicht immer schön, sagte ein sichtlich zufriedener Trainer Pal Dardai am frühen Samstagabend im Olympiastadion über seine Berliner. "Aber erfolgreich." In der Tat sind die Berliner in dieser Saison auf einem guten Weg, der sie am Ende in die Europaliga, vielleicht sogar in die Champions League führen könnte. Der kraftvolle 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund war ein erneuter Beweis, dass die Hertha weiß, was sie kann - und das dann auch bedingungslos und mit Leidenschaft umsetzt. Dardai sieht, dass sein Team sich so entwickelt, wie er es fordert: "Natürlich wollen wir uns steigern und noch besseren Fußball spielen. Die Jungs, die hier sind, sind handlungsschnell und fleißig." Und weil sie bis ans Limit gingen, reichte es für einen verdienten Sieg gegen den BVB. Damit ist die Hertha - mal abgesehen vom FC Bayern - die Gewinnerin des Spieltags: Der Vorsprung auf Platz sechs beträgt nun fünf Punkte, Hoffenheim auf Rang vier ist nur noch zwei Zähler entfernt, der BVB auf Rang drei auch nur drei. Klar, dass Dardai da sagt: "Wir müssen positiv denken."

3. Die Dortmunder Borussen schwanken weiter

Wirklich dramatisch war die Niederlage am Ende nicht. Natürlich hätte es den Dortmundern gefallen, wenn sie mit einem Sieg in Berlin den Rasenballsportlern aus Leipzig in der Tabelle ein wenig näher auf die Pelle zu rücken. Aber es ist ja so: Die Bayern sind eh durch und ob der BVB nun am Ende Dritter oder Zweiter wird, ist auch egal; in beiden Fällen wären die Dortmunder ohne Umweg für die Champions League qualifiziert. Und dass die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel Fußball spielen kann, hat sie selbst am Samstag bei der Hertha gezeigt. Was genau nun genau fehlt, damit es in der Liga zu ein wenig mehr Konstanz reicht, ist allerdings eine spannende Frage. Im Olympiastadion lag's an einer starken Hertha und daran, dass die Dortmunder den Ball zu oft neben und über das Tor schossen und nur einmal hinein. Doch Tuchel mochte darüber aber nicht allzu sehr schimpfen: "Wir haben ja 53 Tore schon geschossen, da wollen wir mal nicht zu streng sein mit der Quote." Was ihn zudem beruhigte: "Wir sind in der Lage, uns viele Chancen herauszuspielen." Das ist wohl wahr - und so hält sich das Drama der fünften Niederlage in dieser Saison in Grenzen. Eng wird es erst, wenn die Hoffenheimer und die Berliner den BVB überholen.

4. Die 40-Punkte-Marke kommt wieder in Mode

Am 24. Spieltag, nach dem 2:1-Kampfsieg seines SV Darmstadt gegen Mainz, ist dem neuen Bundesliga-Phrasenkönig Torsten Frings vor lauter Euphorie eine Nicht-Plattitüde rausgerutscht. Er sagte: "Auf die Tabelle zu schauen, bringt nichts. Die sieht immer noch beschissen aus." Das stimmt, und schuld daran ist nur der HSV. Der Bundesliga-Dino kann bekanntlich nicht mal absteigen, deshalb durfte er irgendwann einfach Relegationsrang 16 abonnieren. Auf dem stehen die Hamburger auch gerade und dort könnten sie es sich richtig gemütlich machen. Der Vorletzte Ingolstadt lag vor dem 24. Spieltag entspannte fünf Punkte zurück, Schlusslicht Darmstadt sogar elf Zähler, keine Gefahr also. Aber was machte der HSV? Er gewann. Gegen Gladbach. Und kommt jetzt auf 26 Punkte. Nach 24 Spieltagen. So wie Bremen, obwohl Werder als Mannschaft der Stunde aus den letzten vier Spielen zehn Punkte geholt hat. So wie Wolfsburg, das Rekordaufsteiger RB Leipzig dank Saisontrainer Nr. 3 die Leichtigkeit klaute. Die Zeiten, als sich die Hamburger mit 27 Punkten nach 34 Spieltagen auf den Relegationsrang schummeln konnten, die sind vorbei. In diesem Jahr könnte es endlich wieder einen richtigen Abstiegskampf geben, die Gefahrenzone reicht derzeit mindestens bis Rang neun und endet bei Platz 17. Deshalb: Willkommen zurück, du heißgeliebte 40-Punkte-Marke und auf Wiedersehen, ihr wackeren Darmstädter!

5. Es geht immer schlimmer

Roger Schmidt ist weg, die Elfmeterseuche bleibt – und gegen das von Bayer Leverkusen verursachte Kopfzerbrechen hilft Rudi Völler nicht mal mehr die üppig gefüllt Werks-Apotheke. In Spiel 1 nach dem Ende des unterhaltsamen Schmidteinanders unterm Bayer-Kreuz setzten die vorerst von Tayfun Korkut notbetreuten Leverkusener ihrer Seuchensaison die (vorläufige) Krone auf, fand Sportdirektor Völler: "Wenn du so ein Geschenk bekommst und nicht triffst, ist das mit unserer Vorgeschichte einfach unfassbar." Es war ja wirklich hanebüchen, was sich in der 95. Minute des Wundertüten-Duells zwischen Leverkusen und Bremen abgespielt hatte. Erst verursachte Werder-Youngster Maximilian Eggestein einen der dümmsten Elfmeter der Saison und dachte: "Scheiße, jetzt verlieren wir wegen mir." Dann dürfte Ömer Toprak ganz ähnliche Gedanken gehabt haben, jedenfalls machte er Leverkusen endgültig zur Lachnummer der Liga.

Statt das "Geschenk" zum Last-Minute-Siegtreffer anzunehmen, zur moralischen Erbauung am Autobahnkreuz Leverkusen, zum ersten Bundesligasieg für Neu-Coach Korkut nach 13 vergeblichen Anläufen (mit Hannover), versagte Toprak. Der Zähler der verschossenen Bayer-Elfmeter in der Liga steht jetzt bei fünf. Zur Strafe droht Leverkusen jetzt nicht nur die schlechteste Saison seit 18 Jahren, sondern auch ein neuer Elfmeterfluch-Rekord. Die bisherige Bestmarke steht bei sechs verschossenen Strafstößen in einer Saison, gemeinschaftlich gehalten von Hamburger SV (1966/67), Hertha BSC (1969/70) und dem SC Freiburg (1998/99 + 1999/00) – noch.

6. Andries Jonker ist der Gomez-Flüsterer

Andries Jonker hat am Samstag sein siebtes Spiel als hauptverantwortlicher Trainer in der Bundesliga absolviert. Nach fünf Partien beim FC Bayern, als Interims-Nachfolger von Louis van Gaal im Jahr 2011, coachte er nun zum zweiten Mal den FC Bayern aus Niedersachsen, auch als VfL Wolfsburg bekannt. Und: Er feierte mit 1:0 seinen erste Sieg gegen formschwächelnde Leipziger - weil Nationalstürmer Mario Gomez traf. Und entgegen dem im Sportjournalismus bis zum Erbrechen ausgeschlachteten Wort "ausgerechnet" muss es in diesem Fall heißen: wie immer. In allen sieben Partien, die Jonker in der Bundesliga hauptverantwortete, hat Gomez getroffen, insgesamt sogar elf Tore erzielt! Zufall? Nö, harte Arbeit. "Das ist keine Zauberei. Der Trainer fordert extrem viel von mir. Er macht mich auch rund, wenn ich nicht da bin, wo ich sein muss. Er treibt und schiebt mich", sagt Gomez. In Leipzig übrigens sah das nicht nur fürchterlich banal aus, sondern war es auch: "Ich habe nur zu ihm gesagt, dass er um Gottes Willen im Strafraum bleiben soll", sagte Jonker. Keine so schlechte Idee.

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Quelle: ntv.de