Fußball

Die Lehren des vierten Spieltags FC Bayern superlativiert, BVB wirkt verloren

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Läuft beim FC Bayern - auch, weil die Gegner patzen.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Da, wo der FC Bayern in der Fußball-Bundesliga steht, ist oben. Mehr Überraschung und Spaß bietet Hertha BSC direkt dahinter. BVB-Ultras sorgen für eine Anpfiff-Diskussion und auf Schalke soll einer "die Fresse" halten.

1. FC Bayern gewinnt, weil die anderen verlieren

Die Dominanz des FC Bayern ist gefährlich - und selbstherrlich dazu. Natürlich hätten die Münchner diese Partie beim FC Schalke 04 am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga niemals verlieren können. Die Elf von Niko Kovac war in jeder Hinsicht überlegen - mental, physisch, spielerisch. Und das, obwohl Schalke laut Trainer Domenico Tedesco eine "mehr als ordentliche Leistung" gezeigt hat. Fakt ist: Wenn der Tabellenzweite der Vorsaison so erschreckend eindeutig unterlegen ist, war entweder der zweite Platz im letzten Jahr ein Ausrutscher. Oder aber der FC Bayern ist so gefährlich übermächtig, dass der Gegner Spiele verliert, ohne dass die Münchner sie gewinnen müssen. Die sahen das freilich etwas anders.

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"Wir haben fantastisch gut gespielt": Niko Kovac.

(Foto: imago/Sven Simon)

Trainer Kovac superlativierte: "Wir haben fantastisch gut gespielt." Und Sportdirektor Hasan Salihamidzic befand: "Das war eine Demonstration, wie man Fußball spielt." Haben sie? War es? Den Eindruck haben die beiden zwar grundsätzlich nicht exklusiv, in der Deutlichkeit vielleicht aber doch. In Anbetracht der drückenden Überlegenheit fällt der Sieg gegen Schalke eher in die gehobenere Kategorie "mit Routine zu Ende gespielt" als in die der formvollendeten Fußballkunst. Ist es nicht eher so, dass mindestens ein Treffer aus dem Spiel heraus hätte fallen müssen?

Wäre die punktuell anfällige Abwehr nicht doch ins Wanken gekommen, hätten die Schalker mit der letzten Konsequenz gespielt, mit dem letzten "Punch", wie es Tedesco sagte? Das ist sehr viel Konjunktiv, zugegeben. Und es geht mitnichten darum, die gute Leistung der Münchner in Gelsenkirchen schlechter zu schreiben, als sie es war. Aber spätestens in der K.-o.-Runde der Champions League werden irgendwann Gegner kommen, die diese Schludrigkeit des FC Bayern bestrafen. Dann könnte die Selbstherrlichkeit dem deutschen Meister sehr schnell gefährlich werden.

2. Ex-Trainer unkt, Tedesco jubiliert weiter

Zwölf Punkte trennen den FC Schalke 04 und den FC Bayern. Nach vier Spieltagen. Am Ende der vergangenen Saison hatten die Gelsenkirchener auf Platz zwei 21 Punkte Rückstand. Nach 34 Spieltagen. Der punktlose Tabellenletzte steckt tief in der Patsche. Erinnerungen an die Saison 2016/2017 werden wach, als die Schalker mit fünf Niederlagen starteten und am Ende nur Zehnter wurden. Erinnerungen, die Clemens Tönnies bei Tedesco wecken musste: "Jetzt hast du noch zwei", habe der Klubchef ihm nach der dritten Niederlage mit einem Augenzwinkern mitgeteilt, erzählte der Trainer. Und der damalige Coach Markus Weinzierl warnte jetzt: "Es ist unheimlich schwierig, wieder in die Spur zu kommen. Das ist eine Hypothek für die gesamte Saison. Das war bei mir damals ähnlich, das hat uns früher oder später eingeholt, wenn du ständig im Aufhol-Modus bist und dir nie mehr eine Niederlage leisten darfst."

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Haben sich gerade nicht so lieb: Domenico Tedesco und Franco di Santo.

(Foto: imago/RHR-Foto)

Nun gut, dass es gegen den FC Bayern am Ende 0:2 hieß und damit Niederlage Nummer vier besiegelt war, war an sich keine große Überraschung (siehe oben). Dass Tedesco allerdings weiter auf seinem Gute-Laune-Tripp fährt, überrascht langsam doch: Neben dem Lob, seine Mannschaft habe "eine mehr als ordentliche Leistung geboten", sagte er: "Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass wir auf einem ordentlichen Weg sind." Mhmmm, fraglich, was Tedesco da sieht. Denn vor allem seine ehemals so starke Defensive enttäuschte einmal mehr. Es kriselt in Gelsenkirchen, das zeigte auch die öffentliche Kritik von Franco di Santo. Als der Angreifer das Feld für Amine Harit in der 65. Minute verlassen musste, lieferte er sich mit Tedesco einen heftigen Disput. Mittlerweile hat sich di Santo entschuldigt: "Ich möchte sagen, dass mein heißes Blut und mein Wettbewerbsgeist mich verleitet haben. Ich möchte immer spielen, ich möchte immer gewinnen." Diese Einstellung dürfte seinem Coach, der übrigens die Kritik seines Spielers mit den Worten "Halt die Fresse!" konterte, gefallen. Für das Gastspiel beim SC Freiburg am Dienstag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) hat Tedesco auch schon einen Plan parat: "Der Weg ist der richtige, wir müssen nur Erfolgserlebnisse einsacken." Wenn's denn mal so einfach wäre.

3. RB arbeitet am Charakter

Apropos Aufmucken - da sind wir doch schon bei RB Leipzig. Nordi Mukiele und Jean-Kévin Augustin waren beim 1:1 in Frankfurt nicht dabei. "Aus disziplinarischen Gründen", wie es hieß, weil sie vor dem Red-Bull-Duell in der Europa League lieber auf ihren Handys zockten, als sich auf das Spiel vorzubereiten. Den "Charaktertest", wie es Kapitän Willi Orban nannte, gegen den weiteren Europaligastarter mussten also andere bestehen. Es gelang nur so halb, weswegen Trainer Ralf Rangnick sagte: "Mit der zweiten Halbzeit bin ich sehr zufrieden." Zwei komplett unterschiedliche Hälften der Leipziger (die erste war mies) bewiesen, dass die Mannschaft aus der "Nicht-Leistung" in Salzburg (wieder Orban) etwas gelernt hat. Auch wenn der Punkt durch einen von Emil Forsberg verwandelten Foulelfmeter zustande kam.

Die erste Halbzeit sah allerdings eher nach "Nicht-Leistung" aus, wenig Inspirierendes, viele Fehlpässe. Rangnick beschwerte sich über "Unkonzentriertheiten im Ballbesitz". Nachdem er zur Halbzeit das System auf 4-3-3 umstellte, "wurde es schlagartig besser". Der deutsche Nationalspieler Timo Werner und Yussuf Poulsen griffen über die Seiten an, Forsberg und Werner hatten Chancen zur Führung. Allerdings rettete auf der anderen Seite Torhüter Peter Gulacsi mehrfach und hielt so das Remis fest. Am Mittwoch (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) muss er dann gegen Mario Gomez und den VfB Stuttgart bestehen.

4. Der BVB wirkt orientierungslos

Fangen wir mal mit dem Positiven an. Die Dortmunder Borussia hat die sicher scheinende Niederlage bei der TSG Hoffenheim in einen gefühlten Sieg umgewandelt, weil Christian Pulisic in der 84. Minute zum 1:1 traf. Also einen Zähler gewonnen, statt drei verloren. Ermin Bicakcic sagte: "Die fahren hier weg und wissen nicht, wo sie den Punkt her haben." Und nun zum Negativen. Auch der zweite Lucky Punch des US-Youngsters Pulisic, der beim Champions-League-Start gegen den FC Brügge per Kacktor des Monats die große Ernüchterung verhindert hatte, täuscht nicht darüber hinweg: Der BVB wirkt ziemlich verloren und planlos.

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Hm, und nun?

(Foto: REUTERS)

Trainer Lucien Favre probiert sich weiter am Spagat, der Mannschaft ein gesundes Verhältnis zwischen defensiver Absicherung und Torgefahr einzuhämmern. Bislang mit mäßigem Erfolg, in Sinsheim brauchte Dortmund bis zur 56. Minute, um überhaupt mal aufs Tor zu schießen. Hoffenheim tat das in derselben Zeit zwölf Mal. Es war nur Torhüter Roman Bürki und dem Videoassistenten zu verdanken, dass der BVB nicht höher zurücklag. Nun wird Favre nicht müde zu betonen, dass die Umstellung Zeit braucht. Stellt sich die Frage, wie hilfreich die Personalrochaden des Schweizers auf der Suche nach der Idealformation tatsächlich sind. Beim sechsten Spiel der Saison bot Favre zum sechsten Mal eine andere Startelf auf. Vor allem in der Spitze geht es drunter und drüber - nach Maximilian Philipp, Marco Reus und Paco Alcácer durfte sich dort Marius Wolf probieren. Dass diese Lösung nicht die Antwort auf die Sturmprobleme des BVB war, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

5. Hetze oder Nicht-Anpfiff?

Was vom Spiel in Sinsheim ansonsten übrig bleibt? "Ich möchte im Namen von Borussia Dortmund Dietmar Hopp um Entschuldigung bitten. Das ist nicht zu akzeptieren", fühlte sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke genötigt zu sagen. Fans des BVB hatten Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp beleidigt und unmittelbar vor dem Anpfiff ein Banner gezeigt. Auf dem war das Konterfei des 78-Jährigen hinter einem Fadenkreuz zu sehen. Darunter stand: "Hasta la vista, Hopp". Eine widerliche Provokation im sich seit zehn Jahren hinziehenden Protest gegen den SAP-Inhaber, der dem Klub aus dem Kraichgau dank seiner Millionen zum Erfolg verhilft. "Mit tiefer Erschütterung haben wir die Anfeindungen gegen Dietmar Hopp im Rahmen unseres Heimspiels am Samstag gegen Borussia Dortmund erlebt. Wir verurteilen diese auf das Schärfste", hieß es in einem offenen Brief der Hoffenheimer Geschäftsführung.

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Muss das sein?

(Foto: imago/foto2press)

Protest und freie Meinungsäußerung sind wichtig. Aber müssen Schmähungen und Drohungen hingenommen werden? Wie kann es sein, dass Zuschauer ein solches Banner ausrollen können? "Uns erschließt sich noch nicht, wie das Banner ins Stadion kommen konnte. Es gibt stringente Einlass-Kontrollen, das ist Standard in Hoffenheim", sagte Dieter Klumpp, Sprecher der Mannheimer Polizei. "Wir gehen davon aus, dass Stranfantrag gestellt wird." Ein weiterer Strafantrag wäre das. Einer gegen 30 BVB-Fans, die im Mai Hopp verunglimpft hatten, läuft bereits. In diesem argumentiert Hopp, die Tribüne sei kein rechtsfreier Raum. Ein wichtiger Hinweis, da Banner meist nur als Ordnungswidrigkeiten gelten. Hopps Anwalt Christoph Schickhardt sagte dem "Kicker": "Bei solchen Vorkommnissen sollte ein Spiel in Zukunft gar nicht erst angepfiffen werden oder erst dann, wenn die Plakate entfernt wurden." Die Fifa hat in ihren Regeln einen Drei-Stufen-Plan für Fälle von rassistischen und diskriminierenden Äußerungen, der auch in der Bundesliga gilt. Als erstes bittet der Stadionsprecher darum, solche Aktionen zu unterlassen. Dies war in der Rhein-Neckar-Arena auch geschehen. Wenige Minuten später rollten die Fans das Banner ein. Weitere Stufen wären nach einer erneuten Ansage des Sprechers eine Spielunterbrechung und ein Abbruch. Die BVB-Ultras lassen derweil ausrichten: "Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, uns für die Grundwerte des Fußballs einzusetzen." Fairness sollte dazugehören.

6. Spitzenreiter Hertha - da kiekste, wa?

"Spitzenreiter, Spitzenreiter" und "Deutscher Meister Hertha BSC", riefen die Fans von Hertha BSC nach dem 4:2 gegen Mönchengladbach. Tatsächlich - für gut zwei Stunden waren die Berliner Tabellenführer. Die Freude im Olympiastadion war ob des Startrekords riesig. Vier Spieltage sind rum und noch gab es keine Niederlage, sondern drei Siege und ein Unentschieden. Die Hertha kann richtig gut Fußball spielen, noch dazu im eigenen Stadion.

Trainer Pal Dardai berichtete, er habe zu Manager Michael Preetz gesagt: "Das war heute Spaß. So ein gutes, offensives Spiel und so eine gute Stimmung habe ich länger nicht mehr gesehen." Wie konnte das passieren? "Der Trainer hat gesagt, dass wir attraktiv nach vorne spielen sollen", erklärte Rechtsaußen Valentino Lazaro. Naja, so einfach ist es nicht. Aber die Mannschaft hat sich entwickelt, die Preetzsche Einkaufspolitik fruchtet. Das Team ist enorm ausgeglichen - von Torwart Rune Jarstein, über die jungen Wilden im Mittelfeld bis zu den Sturm-Oldies Vedad Ibisevic und Salomon Kalou. Über Liverpool-Leihe Marco Grujic sagte Dardai gar: "Seit ich bei Hertha bin, ist er der erste Ausnahmespieler im Mittelfeld. Er drückt unserem Spiel den Stempel auf."

Nach einem rüden Foul des Gladbachers Patrick Herrmann fällt er mit einem Bänder- und Kapselriss im Sprunggelenk jedoch aus. Mit Arne Maier spielt allerdings ein 19-Jähriger in der Zentrale, der am Samstag bereits von Bundestrainer Joachim Löw beobachtet wurde. Es steht also nicht ganz so schlecht um die Hertha, auch wenn die Tabelle, wie Nationalspieler Marvin Plattenhardt ganz richtig sagt, "nur eine Momentaufnahme" ist. Da kiekste, wa?

Quelle: n-tv.de

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