Fußball

Das Ding ist durch, oder? FC Bayern verschiebt Perfektionsmaßstäbe

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Wer soll diese Bayern noch aufhalten?

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Startrekord eingestellt, die Konkurrenz geschrumpft. Der FC Bayern schafft am 8. Spieltag Fakten: Nach der Machtdemonstration gegen den BVB vorentscheidet der Fußball-Rekordmeister die Meisterschaft - weil er keine Schwächen mehr hat.

ZDF-Moderator Jochen Breyer hat vor ziemlich genau anderthalb Jahren für einen skurrilen Fernsehmoment gesorgt. Borussia Dortmund hatte gerade das Hinspiel im Champions-League-Halbfinale mit 0:3 bei Real Madrid verloren, als er zum damaligen BVB-Trainer Jürgen Klopp sagte: "Sind wir ehrlich, Herr Klopp, das Ding ist durch, oder?" Klopp war fassungslos angesichts des Gehörten, er giftete vor laufenden Kameras zurück, was das denn für eine dämliche Frage sei.

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BVB-Coach Thomas Tuchel mochte zum Schluss gar nicht mehr hingucken.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Nun, dämlich oder nicht - seit Sonntagabend ist Breyers Bonmot wieder aktuell. Der FC Bayern München fegte beim 5:1-Erfolg im Topspiel des 8. Spieltags nicht nur wie ein Orkan über seinen härtesten Verfolger aus Dortmund hinweg. Der Rekordmeister stellte mit dem achten Sieg in Folge nicht nur seinen eigenen Startrekord ein, nein. Die Art und Weise, wie nach Pokalsieger VfL Wolfsburg auch die Borussia aus der Münchner Arena geprügelt wurde, sendet ein klares Zeichen an die Bundesliga: Von euch ärgert uns keiner, niemand. Macht, was ihr wollt, streitet euch wegen uns um den Vizetitel. Aber die Schale, die bleibt in München.

Und auch wenn sich auf der Pressekonferenz zum Spiel, je nach Blickwinkel eine beeindruckende Machtdemonstration oder eine ganz bittere Demontage, niemand traute, die Frage von Jochen Breyer zu wiederholen, so wurde sie doch beantwortet. Das Ding ist durch, natürlich. Eine Mannschaft, die das Team von Trainer Josep Guardiola schlagen kann, die gebe es in der Bundesliga derzeit nicht. Gesagt hat das Thomas Tuchel, Trainer der Gedemütigten aus Dortmund. Und wenn er das sagt, dann klingt das nicht resigniert oder devot, es klingt so einfach, so ehrlich. Und das ist die bittere Botschaft des Spiels an die Liga gewesen: Selbst die wiedererstarkte Fußball-Großmacht aus Dortmund ist nicht in der Lage, die schon jetzt drohende, gähnende Langweile an der Ligaspitze auch nur ansatzweise zu durchbrechen.

Vidals Kampfstärke wird derzeit nicht gebraucht

Wobei das eigentlich nicht ganz stimmt. Denn die Borussia hatte zu Beginn sehr wohl einen gut funktionierenden Plan, die Leichtfüßigkeit und Angriffswut der Bayern zu unterbinden. Knapp 25 Minuten wirkte die Idee erfolgversprechend, bis ein langer Ball von Jérôme Boateng die BVB-Abwehr düpierte und Körperakrobat Thomas Müller das 1:0 erzielte. Danach fanden die Bayern plötzlich ganz schnell zu jener Selbstsicherheit und Kombinationsstärke zurück, mit der sie bereits vor anderthalb Wochen den VfL Wolfsburg ebenfalls mit 5:1 zermalmten.

Der BVB stemmte sich zwar gegen die Niederlage und hielt mit dem 1:2 durch Aubameyang kurz vor der Pause sogar einen dezenten Stimmungskiller bereit, doch ernsthaft konnten die Schwarz-Gelben die Statik und die Selbstverständlichkeit im Münchener Spiel nicht ins Wanken bringen. Und so erkannte nicht nur Tuchel, sondern auch Bayern-Legende Franz Beckenbauer: "Wenn die Bayern so weiterspielen, wird es schwer, sie zu gefährden. Sie sind gefestigter als im letzten Jahr, als Ribéry und Robben verletzt waren."

Ach ja, da war noch was: Robbery, jahrelang das dynamische Duo auf Münchens Außenbahn. Seit Wochen verletzt. Und wen schert es? Niemand, offenbar. In der vergangenen Saison haben die Ausfälle des Niederländers und des Franzosen die Bayern möglicherweise zwei Titel gekostet – den DFB-Pokal und die Champions League. Und jetzt? Die Bayern marschieren. Sie marschieren, weil der Kader keine offenkundige Schwachstelle mehr und der Kurzpassfetischist Guardiola jetzt auch lange Bälle gestattet. Außen wirbeln neuerdings Douglas Costa und Kingsley Coman oder wie gegen Dortmund Ex-Borusse Mario Götze. Und wenn die nicht zum Zug kommen, eröffnet Boateng halt das Spiel mit Traumpässen aus der Abwehr.

Und dann gibt's in der Mannschaft noch ein "Ach ja", ein chilenisches: Arturo Vidal. Der als neuer "Aggressive Leader" eingekaufte Terrier saß im zweiten Liga-Spiel hintereinander auf der Bank, wurde nur eingewechselt. Aber was soll's? In einer Mannschaft, die sich überwiegend über Ballbesitz definiert, sind die Zweikampf-Qualitäten des 28-Jährigen aktuell nicht gefragt. Der FC Bayern im Herbst 2015, er ist so gut wie noch nie in der Ära Guardiola.

Quelle: n-tv.de

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