Fußball

Müller & Martinez wieder wichtig Flick baut Kovac' FC Bayern groß um

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Müller und Martinez sollen wieder wichtig werden.

(Foto: imago images / Team 2)

Interimstrainer Hansi Flick kündigt für die kommenden Spiele des FC Bayern Änderungen im Team an. So werden ausgerechnet Javi Martinez und Thomas Müller wichtige Rollen einnehmen. Sein Debüt gegen Piräus plant Flick als Generalprobe für die Bundesliga-Partie gegen Dortmund.

Gegen die dicke Luft, die an der Säbener Straße herrschte, empfahl Joshua Kimmich einfach mal durchlüften. Wenn es mit der schlechten Atmosphäre doch immer so simpel wäre ... Also Tür auf - und schon war's wieder ganz erträglich im Pressestüberl des FC Bayern. Das war an diesem Dienstagmittag, am Tag vor dem Champions-League-Duell gegen Olympiakos Piräus (am Mittwoch ab 18.55 Uhr im Liveticker bei ntv.de), sehr gut besucht. Die Attraktivität des Gegners aus Griechenland für diesen üppigen Andrang auszumachen, wäre zu viel der Schmeichelei. Auch ist die sportliche Situation in der Gruppe B mit drei Siegen aus drei Spielen alles andere als brisant für die Fußballer aus München, gänzlich anders als die Großgemengelage. Die Ergebnisse schlecht, die Leistungen noch schlechter und der Trainer folglich weg. Am Sonntagabend hatte der FC Bayern das Missverständnis mit Niko Kovac beendet, der wiederum beendet das Kapitel am Dienstagvormittag höchst stilvoll.

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Voll war's bei der ersten Pressekonferenz des FC Bayern nach Niko Kovac.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Ein paar Leute hätten beim Abschied des Kroaten schon schlucken müssen, erzählte Hansi Flick. Er ist vorerst der Mann, der die Mannschaft trainiert, der sie motiviert und der sie aufstellt. Und das wird er, der im Sommer auf Wunsch von Kovac Co-Trainer geworden war, nun ziemlich anders machen, als sein ehemaliger Chef. Mehrere Veränderungen seien geplant. Die eher mäßig bis gar nicht mehr mit Spielzeit Bedachten Thomas Müller und Javi Martinez, das verrät der Neue schon mal, werden wieder wichtig. Der eine, Martinez, soll die seit Wochen so anfällige Mannschaft in der personell gerupften Viererkette stabilisieren. Der andere, Müller, solle das Team nun mitreißen und führen. Von wegen Notnagel und so. Das gelte gegen Piräus. Und auch am Samstagabend, wenn es in München zum Bundesliga-Highlight gegen Borussia Dortmund (18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) kommt. Denn dafür gilt die Partie gegen die Griechen als Testlauf. Wobei das mit Testläufen beim FC Bayern gerade selbst gegen eigentlich klar unterlegene Gegner schwierig ist. Zu murksig ist das, was die Mannschaft in den vergangenen Wochen vorgetragen hat.

Die einfachsten Dinge klappten nicht. Mannschaften wie Aufsteiger Union Berlin und der SC Paderborn werkelten in der Liga an Überraschungen, Zweitligist VfL Bochum im DFB-Pokal sogar lange an der Sensation. Für das Verhältnis zwischen Team und Trainer war das nicht gut - am Sonntagabend, nur einen Tag nach dem erschreckenden 1:5-Debakel bei Eintracht Frankfurt war's dann sogar zu viel. "Die Hauptverantwortung tragen jetzt wir Spieler. Es gibt für keinen mehr ein Alibi oder eine Ausrede. Die Ausrede Trainer, sollte sie denn jemand gehabt haben, gibt es nicht mehr", erklärte Kimmich nun. Der Nationalspieler leistete die verbale Vorarbeit, ehe Flick erstmals als Chef auf dem Podium Fragen beantwortete.

Lachen, klapsen, trainieren

Am Vormittag, zwei Stunden nach dem letzten Kovac-Auftritt an der Säbener Straße, hatte er bereits erstmals das Training geleitet. Im Minuten-Protokoll hatte die "Bild" die öffentliche Einheit festgehalten, jeden Lacher, jeden Klaps, jedes Gespräch. Es waren einige. Dann ließ Flick den Platz verhüllen - Geheimtraining. Mit Gegenpressing. Auch das steht in dem Protokoll der "Bild". Über das Gegenpressing war in München ja zuletzt heftig diskutiert worden - besser über die Stundenkilometer, mit denen der FC Bayern da zu Werke geht. Und da hatte Kovac seinen Fußballern ein anderes Zeugnis ausgestellt, als jenen aus Liverpool. Die ja in Perfektion das Klopp'sche Rock'n-Roll-Attackieren ausüben.

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Spaß beim Training, auch das gibt's unter Flick.

(Foto: imago images/Philippe Ruiz)

Ob das nun auch ein Mittel ist, dass der Flick'sche Fußball beim FC Bayern trägt, darüber wurde nicht gesprochen. Wohl aber wolle er andere taktische Schwerpunkte setzen. "Mir ist wichtig, dass die Mannschaft aktiv ist. Wir waren zuletzt immer einen Tick zu spät, hatten nicht das Vertrauen in die eigene Leistung", erklärte Flick. "Ich möchte nach vorne schauen und nach vorne verteidigen, nach vorne agieren. Wir wollen mit Ball die Qualität zeigen, die in uns steckt. Da wollen wir wieder ran. Ich bin begeistert, was für eine Qualität im Kader ist. Aber das müssen jetzt alle zeigen, nicht nur Lewy (Anmerk. d. Red.: Robert Lewandowski) oder Manuel Neuer." Die Mannschaft habe, glaubt Flick, verstanden dass sie in der Verantwortung ist. Dabei gehe es auch um die Einstellung. Die war ja ebenfalls gerade erst großes Thema beim FC Bayern. Kovac hatte sie bei seinen Profis vermisst.

Flick weiß nicht, wie lange er bleibt

Ein bisschen wurden dann tatsächlich auch noch über Piräus gesprochen. Es war ja schließlich auch die Spieltags-Pressekonferenz. Die Mannschaft spiele kompakt und habe ein gutes Flügelspiel, urteilte Flick. Auch die Konter seien gefährlich. In der Vorbereitung auf das Spiel werde er aber nicht viel anders machen, als sein Ex-Chef. Wie lange er sich hauptverantwortlich um die Vorbereitung der Mannschaft kümmern darf, das beschäftigt ihn übrigens nicht. "Ich bin keiner, der in der Vergangenheit lebt oder in der Zukunft. Und da ist schon immer das Wichtigste, dass das, was jetzt gerade passiert, wichtig ist. Alles was kommt, interessiert mich Null."

Womöglich hat er aber dennoch wahrgenommen, dass Amsterdams Trainer Erik ten Hag, er soll die Bayern-Bosse ja sehr beschäftigt haben, vorerst nicht zu haben ist. Ebenso wenig wie Thomas Tuchel. Allerdings wolle der seine Zukunft bei Paris St. Germain wohl vom weiteren sportlichen Abschneiden abhängig machen. Spätestens am 23. November solle in München Gewissheit in der Trainerfrage herrschen. Das hat Präsident Uli Hoeneß am Montagabend verkündet. Flick hätte bis dahin also drei Spiele um sich zu beweisen. Am 23. November spielt der FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf.

Quelle: n-tv.de

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