Fußball

Schwarzarbeit und Regelverstöße Friseurverband wütet gegen gestylte Fußballer

80.000 Friseursalons sind derzeit geschlossen, auch Hausbesuche sind verboten. Doch Fußballprofis laufen stets frisch frisiert auf. Das erzürnt den Zentralverband der Friseure. In einem Brief an den DFB prangert er die fehlende Solidarität und Vorbildfunktion des Fußballs an.

Gut 80.000 Friseursalons in Deutschland müssen seit dem Beginn des neuen Lockdowns im Zuge der Pandemiebekämpfung die Türen geschlossen halten. Bis mindestens zum 31. Januar. Inhaber drehen jeden Cent um, um nicht schließen zu müssen und hoffen auf die Überbrückungshilfe. Festangestellte erhalten nur ein Kurzarbeitergeld, andere vielleicht gar nichts. "Viele Betriebe unseres Handwerks sind in ihrer Existenz bedroht. Angesichts der aktuellen Situation können viele Familienbetriebe die damit verbundenen Belastungen einfach nicht mehr schultern", betonte Harald Esser, Präsident des Zentralverbands des deutschen Friseurhandwerks, Anfang Januar.

Fußball-Profis in Deutschland müssen sich derweil keine Gedanken um ihre Existenzen machen. Sie verdienen viel Geld - und ihre Branche befindet sich in der privilegierten Position, weiterarbeiten zu dürfen. An jedem Bundesliga-Spieltag fällt aber auf, dass die Fußball- und die Friseurbranche miteinander verknüpft sind: Denn die meisten Profis laufen stets frisch frisiert und top gestylt vor den Fernsehkameras auf den Rasen oder zeigen sich mit perfekt sitzenden Frisuren in ihren Videos in den sozialen Medien. Bei den jungen Kickern ist das Äußerliche und ein stylisches Auftreten, zu dem natürlich auch die fein getrimmte Frisur zählt, das A und O.

"Mein Friseur kommt vorbei"

Wie aber passen die Regeln für Friseure und die gestylten Fußballer zusammen? Das fragten sich nun auch Esser und sein Zentralverband. In einem Offenen Brief an DFB-Präsident Fritz Keller kritisiert der Verband das Auftreten der Spieler und ruft den Profifußball zur Solidarität im Lockdown auf. "Mit großer Verwunderung mussten wir an den vergangenen Spieltagen feststellen, dass ein Großteil der Fußballprofis sich mit frischgeschnittenen Haaren auf dem Platz präsentierte: Einrasierte Scheitel, auf wenige Millimeter getrimmtes Nacken- und Schläfenhaar, saubere Konturen", heißt es in dem Schreiben. "Frisuren, die nur professionelle Friseurinnen und Friseure mit Profi-Equipment schneiden können."

Dass die Lewandowskis, Sanchos und Co. alle selbst Hand an den Rasierer anlegen, ist tatsächlich eher zweifelhaft. Verstoßen Friseure aber gegen die derzeit geltenden Auflagen, drohen hohe Bußgelder. Auch Hausbesuche sind verboten. Eigentlich. Viele Fußballer scheinen eine Lücke entdeckt zu haben. Das war schon im Sommer so bei der Haarschnitt-Affäre bei Borussia Dortmund, Jadon Sancho und Manuel Akanji mussten damals Geldstrafen bezahlen. Und Union Berlins Robert Andrich, auch stets frisch gestylt, erklärte jüngst: "Meine Frau versucht manchmal, den Rasierer anzulegen, das klappt nicht so gut." Also hätte er Besuch von einem Profi bekommen: "Das haben wir ein-, zweimal gemacht, dass mein Friseur vorbeikommt, natürlich mit den ganzen Auflagen, er schneidet mich mit Maske." Doch auch genau das wäre verboten und bringt laut Esser die ganze Friseurbranche in Schwierigkeiten. Andrich ruderte später zurück und erklärte, es sei ein Freund, der ihn frisiere.

Die Folge: Aufruf zu Schwarzarbeit

Die Fußball-Bundesliga, gerade auch weil sie in dieser Krisenzeit weiterspielen darf, müsste ihre ohnehin schon große Vorbildfunktion dieser Tage noch ernster nehmen. Sieht man Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge immer wieder aufs Neue mit einer nicht richtig sitzenden Maske im Stadion hocken oder eben das perfekt getrimmte Nackenhaar der Profis, liegt der Gedanke nahe, dass das mit der Rolle in der Öffentlichkeit, dem Leitbild und den Privilegien bei vielen noch nicht angekommen ist.

Und genau daran stößt sich der Verband der Friseure. Denn die gestylten Fußballer würden eine gesamte Branche unter Druck setzen, heißt es in dem Schreiben: "Der Unmut gegenüber topgestylten Fußballern und in der Folge Kundenanrufen, die zu Schwarzarbeit und Regelverstößen wie Hausbesuchen überreden wollen, wächst." In einem letzten Appell richtet sich der Brief emotional an Keller und den DFB: "Zeigen Sie in Zeiten wie diesen Solidarität und setzen Sie mit uns ein Zeichen gegen Schwarzarbeit. Lassen Sie uns den Weg der Pandemiebekämpfung gemeinsam gehen." Erstaunlich, dass so etwas überhaupt gesagt werden muss.

Quelle: ntv.de