Fußball

So läuft der 28. Spieltag Haalands Arbeit beeindruckt Lewandowski

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Zehn Spiele, zehn Tore: Erling Haalands Bundesliga-Bilanz beeindruckt.

(Foto: imago images/Moritz Müller)

Der junge Haaland gegen den routinierten Lewandowski: Der Zweite Dortmund empfängt den Ersten Bayern. Das Topspiel prägt den 28. Spieltag, doch auch Leverkusen hat einen Angreifer in brillanter Form. Bremen hofft auf mehr, Wolfsburg trägt Trauer.

Entscheidet das Duell Haaland vs. Lewandowski über die Meisterschaft?

"Wenn er hart arbeitet, kann er ein besserer Spieler werden und irgendwann das Top-Level erreichen", sagte Robert Lewandowski jüngst über seinen Stürmerkollegen Erling Haaland. Ein Satz des Lobes und der Warnung zugleich: Junge, meint der Bayern-Angreifer, auf meinem Level bist du noch nicht. 13 Tore in seinen ersten 13 Pflichtspielen für Borussia Dortmund hat Haaland erzielt - und Lewandowski weiß wohl, dass ihm seine dritte Torjägerkanone in Folge dieses Jahr nur noch von Timo Werner streitig gemacht werden kann. Aber spätestens in der nächsten Saison, so der Norweger denn beim BVB bleibt, wird der Weg nur über ihn gehen. Es ist das erste Aufeinandertreffen der Superstürmer - und das ausgerechnet in einem Spiel, in dem die Meisterschaft entschieden werden könnte.

Dann nämlich, wenn Dortmund verliert. Auf sieben Punkte würde der FC Bayern davonziehen mit einem Sieg (18.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de). Bei sechs verbleibenden Partien wäre dieses Polster für den BVB fast uneinholbar. Gewinnt die Borussia, ist der Saisonendspurt so spannend wie lange nicht. So viel Drama gab es selten in der Tabellenspitze in den vergangenen Jahren und deshalb schauen nun 200 Fifa-Mitgliedsländer dem packenden Duell zu, wie die DFL mitteilte. "Wenn wir hinten die Null stehen haben, bin ich zufrieden", sagte Bayern-Coach Hansi Flick im Hinblick auf die starke BVB-Offensive um Haaland, Julian Brandt, Jadon Sancho und Raphaël Guerreiro. Helfen kann dabei (anders als Mittelfeldmotor Thiago) wieder Jérôme Boateng - genauso wie auf der anderen Seite Mats Hummels.

Zwar beschwichtigt Flick, dass im Falle eines Bayern-Sieges keine Vorentscheidung im Kampf um den Titel fallen würde, da noch "genügend Punkte zu verteilen" sein. Aber BVB-Sportdirektor Michael Zorc weiß: "Da braucht man kein allzu großer Prophet zu sein. Wenn wir um die Meisterschaft weiter mitspielen wollen, sollten wir das Spiel gewinnen." Und Trainer Lucien Favre hofft auf mehr Gegenwehr als beim blamablen 0:4 in der Hinrunde: "Wir sind besser geworden. Wir spielen mit einem anderen System, das besser für unseren Kader ist, und wir haben im Winter zwei Spieler verpflichtet und haben eine andere Präsenz." Mit den zwei Spielern meinte er einmal Mentalitäts-Anführer Emre Can - und dann natürlich einen gewissen Erling Haaland, der sein 14. Tor in seinem 14. Pflichtspiel erzielen will. Tipp: Die Bundesliga bleibt spannend, Dortmund schlägt Bayern mit 3:2.

Jubelt Kai Havertz wieder mit seinem Nachfolger zusammen?

Wer im Fußball-Wörterbuch nach "Topform" sucht, findet ein Bild von Kai Havertz. Der 20-Jährige traf beim 4:1 in Bremen und beim 3:1 in Gladbach jeweils doppelt. Seit dem Jahreswechsel kommt er in Liga, Pokal und Europa League auf 18 Scorerpunkte in 14 Partien - mit jeder Spielminute steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Havertz im Sommer Leverkusen verlässt und Bayers Transferkasse im Gegenzug reichlich gefüllt wird. Was er selbst über die zahlreichen Gerüchte zu seinem möglichen Abschied sagt? "Klar ist, dass im Moment viel spekuliert wird. Ist ja auch ganz normal. Die Spiele für Leverkusen stehen jetzt für mich im Vordergrund und ich versuche, mich darauf zu konzentrieren. Am Ende der Saison werden wir dann eine Lösung finden."

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Wie lange noch trägt Kai Havertz das Trikot von Bayer Leverkusen?

(Foto: Maik Hlter/team2sportphoto/PoolviaNorbert Schmidt)

Vielleicht ist also das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (20.30 Uhr) eines seiner letzten im Bayer-Trikot. Wie praktisch, dass sie in Leverkusen schon vom "nächsten Kai Havertz" schwärmen. Der heißt Florian Wirtz, spielte bis Ende Januar noch beim 1. FC Köln und scheint so talentiert, dass sich Bayer-Geschäftsführer Rudi Völler für den damals 16-Jährigen sogar über die Vereinbarung der NRW-Bundesligisten hinwegsetzte, untereinander keine Spieler abzuwerben. In Bremen überzeugte der 2003 geborene Wirtz zwei Wochen nach seinem 17. Geburtstag als drittjüngster Debütant der Bundesliga-Historie, in Gladbach blieb er auf der Bank. Dass er sich in der Profi-Mannschaft so leicht einfügen konnte, liegt daran, wie formstark die Werkself derzeit auftritt: Wettbewerbsübergreifend gab es in den jüngsten zwölf Spielen elf Siege, einzig beim 1:1 in Leipzig ging Leverkusen nicht als Gewinner vom Platz.

Beim VfL Wolfsburg rückt der Fußball dagegen zumindest zeitweilig in den Hintergrund, denn am Dienstag ist es auf den Tag genau 15 Jahre her, dass Krzysztof Nowak im Alter von nur 29 Jahren an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) starb, einer unheilbaren Erkrankung des Nervensystems. Der polnische Mittelfeldspieler war 1998 aus Brasilien zum VfL gewechselt, Ende 2000 erkrankte er, im Februar 2001 absolvierte sein letztes von 83 Bundesliga-Spielen, mit 25 Jahre musste er seine Karriere beenden.

"Es ist wie im Fußball - du weißt nie, wie es ausgeht", sagte Nowak damals dem "Kicker" zufolge über seine Erkrankung. Der Verein gründete eine Stiftung in seinem Namen, die ALS-Kranke und deren Angehörige unterstützt, bei Heimspielen wird bei der Mannschaftsvorstellung an ihn als "Nummer 10 der Herzen" erinnert. Tipp: 2:0 für Leverkusen.

Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach:

Von sogenannten Experten, Vereinslegenden und Journalisten wurde Werder-Coach Florian Kohfeldt nach dem 1:4 gegen Leverkusen so laut und deutlich angezählt, dass die Bremer Kicker nur einen Ausweg erkannten: treffen, kämpfen und siegen. Das 1:0 in Freiburg verschaffte Kohfeldt etwas Luft. Auf sein trotziges "Ich bin der Beste auf dieser Position" folgte der erste Sieg seit dem 18. Januar, der SVW steckt dennoch weiter tief im Abstiegskampf. Nun wartet mit Borussia Mönchengladbach ein Gegner von noch größerer Qualität (20.30 Uhr). Und ausgerechnet in dem Spiel, in dem die eklatante Heimschwäche (Werder liegt mit nur fünf Punkten aus zwölf Spielen auf dem letzten Platz der Heimtabelle) besiegt werden soll, fällt ein Defensivmotor definitiv aus (Philipp Bargfrede fehlt gesperrt nach seine Gelb-Roten Karte) und der Einsatz eines anderen, Kevin Vogt, ist wegen einer Hüftverletzung noch ungewiss. Dadurch könnte der jüngst nicht mal in den Kader berufene Nuri Sahin wieder ins Rampenlicht rücken und die Sechser-Position bekleiden. Aber auch Maximilian Eggestein oder der erst vor wenigen Tagen 20 Jahre alt gewordene Ilia Gruev sind Kandidaten.

Mönchengladbach will sich derweil gegen Werder die 1:3-Niederlage gegen Leverkusen aus den Knochen schütteln. Im ersten Spiel nach der Corona-Pause hatten die Fohlen nach sieben Minuten schon mit 2:0 geführt, gegen die Werkself zeigten sie sich dann viel zu beeindruckt. Trainer Marco Rose warnte deshalb schon mal vor angestachelten Bremern: "Das ist grundsätzlich eine gute Mannschaft, die aber eine nicht einfache Saison-Geschichte hat", so Rose. "Sie werden versuchen, den Rückenwind mitzunehmen. In Freiburg haben sie sehr viel investiert und sie sind ja schlau, deswegen werden sie morgen um ihr Leben laufen und fußballerisch ist das ohnehin eine gute Bundesliga-Mannschaft." Tipp: Mönchengladbach ist aber eine noch bessere gute Mannschaft und gewinnt mit 2:1.

Eintracht Frankfurt - SC Freiburg:

Zusammen mit Schalke und Union Berlin bildet Frankfurt den Geisterspiel-Tabellenkeller. Beide Partien nach der Corona-Pause gingen verloren und auf einmal könnte die Eintracht wieder so richtig in den Abstiegskampf hineingezogen werden. Nur noch vier Punkte liegt sie vor Fortuna Düsseldorf, sieben Zähler sind es bis zu Werder Bremen, mit denen die Frankfurter auch noch ein Nachholspiel zu bestreiten haben. "Die Partie ist richtungsweisend für uns", sagte deshalb Trainer Adi Hütter vor dem Duell mit dem SC Freiburg (20.30 Uhr).

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Frankfurt ist nach der Corona-Pause noch ohne Punkt.

(Foto: Peter Schatz / Pool )

Freiburgs Coach Christian Streich will seinen Profis vor allem das Toreschießen wieder beibringen. Nur halb so viele Tore (0,8) pro Spiel schießen die Freiburger in den Rückrunden im Vergleich zur Hinserie. Wie genau das jetzt wieder besser funktionieren soll, hat Streich aber wohl noch nicht herausgefunden: "Wie wir gegen Frankfurt spielen und mit welcher Taktik, weiß ich noch nicht. Ich habe auch keine Ahnung, wie Frankfurt spielen wird. Wir müssen flexibel sein und von unserer eigenen Taktik ausgehen", so der Trainer. Tipp: Beide wollen, aber können derzeit nicht so richtig - klassisches 1:1.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Milot muss an seinem Freilaufverhalten arbeiten."

Werder-Trainer Kohfeldt sieht Luft nach oben bei Stürmer Milot Rashica. Doch weil die Bremer das Logo eines Geflügelproduzenten auf der Brust tragen, wirkt der Satz so, als würde Kohfeldt seinem Angreifer Bodenhaltung verordnen, wenn keine Besserung eintritt.

Quelle: ntv.de