Fußball

So läuft der 9. Bundesligaspieltag Heimsieg für FC Lahm, Bruderkampf in Berlin

imago14687837h.jpg

Geht es für Kevin-Prince Boateng und den FC Schalke am 9. Spieltag wieder aufwärts?

(Foto: imago sportfotodienst)

Nach kurzer Pause fährt die Torfabrik Bundesliga wieder die Produktion an. Ziel: die 1000-Treffer-Saison. FC-Lahm-Verfolger BVB verspricht, selbst gegen die Auswärtsnullinger aus Hannover mit elf Spielern aufzulaufen, während Leverkusen lachender Erster werden will. In Berlin trifft Ronny auf Raffael.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

*Datenschutz

Folgt man den Lobhudeleien der letzten Wochen, sind Wohl und Wehe des Rekordmeisters untrennbar mit dem weltintelligentesten Fußballer verknüpft: Philipp Lahm. Der Musterschüler der Fußball-Bundesliga ist jetzt auch ein Musterumschüler und der FC Bayern nicht mehr der FC Hoeneß, sondern der FC Lahm. Jahrelang auf den defensiven Außenbahnen unabkömmlich, ist der Kapitän plötzlich im defensiven Münchner Mittelfeld noch ein bisschen unabkömmlicher. Dort dürfte Trainer Pep Guardiola den gelobten Lahm auch im Heimspiel gegen den FSV Mainz aufstellen. Ein Heimsieg ist damit Formsache. Wie hoch er ausfällt, könnte auch davon abhängen, ob Mario Götze spielt – und an seine brillante Spielwut gegen Schweden anknüpft. Dort überraschte er nicht nur mit äußerst ungewöhnlichen Laufwegen. Mit einem Tor und einer Vorlage ließ der 37-Millionen-Einkauf auch erahnen, dass er selbst die Startruppe des FC Bayern spielerisch noch bereichern kann.

Übergroßer Widerstand ist von Thomas Tuchel nicht zu erwarten, auch wenn der Coach der kriselnden Mainzer forsch verkündete: "Es ist immer etwas Besonderes, gegen München zu spielen - und für mich, gegen Pep anzutreten. Aber ein Autogramm hole ich mir deshalb noch lange nicht." Endstand: 3:0 für München und ein signierter Ball für Tuchels Kinder.

Wie spanisch sind die Verhältnisse?

Spanischer als spanisch. Die Bundesliga-Konkurrenz jammert neuerdings auch dann schon über die Überlegenheit von FCB und BVB, wenn die gar nicht gewinnen. Das war am vergangenen Spieltag der Fall, als dem Spitzenduo 54:13-Torschüsse gegen Leverkusen und Gladbach nur zu einem Punkt reichten. Angesichts des eklatanten Leistungsgefälles zwischen dem Topduo und der anderen Hälfte des Spitzenquartetts schlottern der Liga immer noch die Knie. Rein tabellarisch tröstet da, dass Bayer Leverkusen trotz seiner Minderwertigkeitskomplexe den Anschluss an die Spitze hält – und am Freitag sogar die Tabellenspitze übernehmen könnte. Die Chancen im Duell Werksklub gegen Retorte stehen prächtig: In zehn Spielen holte Hoffenheim gegen Bayer erst einen Punkt.

Ändern könnte sich an den ungleichen Kräfteverhältnissen in der Liga dann etwas, wenn Hannover 96 einen vergleichbaren Wettbewerbsvorteil wie die CSU hätte – und nur noch Heimspiele bestreiten dürfte. So aber muss 96 auch auswärts antreten, was die Niedersachsen angesichts von 0 Punkten und 0 Toren in dieser Saison auch gleich sein lassen könnten. Am 9. Spieltag gastieren Hannovers Nullinger bei Borussia Dortmund, das derzeit dezente Verletzungsprobleme plagen. Vollzählig antreten wird der BVB dennoch, versprach Coach Jürgen Klopp: "Toll sieht es nicht aus. Aber es werden mehr als acht Spieler sein." Ausruhen für die kommenden Festspiele gegen Arsenal und Schalke darf sich keiner: "Einen zu schonen und der rennt dann im Sonntag im Training mit dem Kopf gegen den Pfosten - da haben wir nichts von."

Was passiert sonst noch an diesem Spieltag?

Die Bundesliga-Zwischenzeugnisse

1899 Hoffenheim Werder Bremen
FC Schalke FSV Mainz
VfB Stuttgart FC Augsburg
Hertha BSC Frankfurt
Hannover 96 Wolfsburg
M'gladbach Hamburg
Leverkusen Nürnberg
Dortmund Freiburg
FC Bayern Braunschweig

Vedad Ibisevic ist hauptberuflich Stürmer des VfB Stuttgart und das durchaus erfolgreich. Nebenbei reüssierte er nun auch noch als bosnischer WM-Held. "Ich habe viele Tore geschossen, aber noch nicht so ein bedeutendes", staunte er nach seinem WM-Qualifikations-Siegtor in Litauen, das seinem Heimatland erstmals eine WM-Teilnahme bescherte. Sein VfB würde sich auch über ganz profane Tore gegen den Hamburger SV freuen. Der bestreitet mit Dino-Retter Bert van Marwijk sein erstes Heimspiel und hat nach der stolzen Serie von zwei Spielen ohne Niederlage schon wieder große Ambitionen. "Wir wollen die Fans am Wochenende  begeistern", kündigte van Marwijk an. HSV-Idol Uwe Seeler glaubt via "Bild" an einen 3:1-Sieg, denn: "Die Angst ist verschwunden."

Beim 1. FC Nürnberg ist die Angst noch da, nach dem Rauswurf von Trainer Michael Wiesinger aber noch kein neuer Trainer. Nachdem der erste Schweizer Wunschkandidat Christian Gross abgesagt hat, ziert sich nun der zweite Schweizer Wunschkandidat Marcel Koller. Am Samstag in Frankfurt coachen Roger Prinzen und Marek Mintal den "Glubb" und das möglichst zu drei Punkten. Es ist nämlich so, verrät Mintal: "Mit einem Sieg in Frankfurt läuft es auch wieder, da bin ich mir sicher."

Welche Mannschaft überrascht?

Nach der laut Thomas Tuchel "größten Nicht-Überraschung in der bisherigen Saison" durch den Freiburger Joachim Löw wird zumindest der SC Freiburg am 9. Spieltag für eine veritable Doch-Überraschung sorgen. Entweder, weil der SC völlig überraschend auch in Bremen ohne Saisonsieg bleiben wird – oder weil diese Serie sensationell gegen Ex-Coach Robin Dutt reißt. Dem ging vor dem Spiel regelrecht das Herz auf bei der Erinnerung an seine Freiburger Zeit: "Ich kann schon sagen, dass es meine vier schönsten fußballerischen Jahre waren." Gewisses Überraschungspotenzial birgt auch das Heimspiel von Eintracht Braunschweig gegen den kapriziösen FC Schalke. Nach dem Erfolg in Wolfsburg streben die Braunschweiger ihren ersten Bundesliga-Heimsieg seit Menschengedenken an. Das wäre dann aber schon eine Überraschungsserie.

Für welchen Trainer wird es eng?

Ein Kuriosum dieser Saison ist neben drei frühen Trainerwechseln der Umstand, dass zwei weitere Trainer öffentlich über ihren freiwilligen Rücktritt sinniert haben: Torsten Lieberknecht in Braunschweig und Thomas Tuchel in Mainz. Beide sind noch da und auch nicht ernsthaft gefährdet, demnächst unfreiwillig zurückgetreten zu werden. Für Dieter Hecking könnte die Trainerfrage schon eher akut werden. Er verwaltet in Wolfsburg dank Felix Magath ein üppiges Erbe, dank der VW-Millionen aber auch einen der luxuriöseren Kader der Liga – was Platz 14 in der Tabelle mit 9 von 24 Punkten noch nicht widerspiegelt. Zuletzt siegte sogar Aufsteiger Braunschweig beim VfL. Nächster Gegner ist der FC Augsburg, der nächste Rückschlag damit nicht ausgeschlossen. Noch aber betont VfL-Manager Klaus Allofs: "Wir lassen uns von ein oder zwei Niederlagen, die vielleicht nicht eingeplant waren, nicht von unserem Weg abbringen." Nur dass er das betonen muss, stimmt bedenklich.

Wo wird es brisant?

In Berlin. Möglicherweise. Zumindest bietet das Drehbuch für das Spiel Hertha BSC gegen Borussia Mönchengladbach Stoff für Spektakel. Mit Gladbachs Coach Lucien Favre kehrt jener ehemalige Hertha-Trainer nach Berlin zurück, der weiland angeblich schon vor seinem ersten Ligaspiel wieder hinschmeißen wollte in der Hauptstadt. Mit Herthas Ronny und Gladbachs Raffael treffen außerdem zwei Brüder aufeinander. Normal simsen beide fast täglich, vor ihrem ersten Bundesliga-Duell haben sie den Kontakt vorerst eingestellt. Erst nach dem Schlusspfiff wollen sie wieder reden und geht es nach Eisenfuß Ronny, muss ihm Raffael dann zum Sieg gratulieren. Für ihn steht fest: "Gegen uns gibt es für ihn nichts zu holen." Neben drei Punkten und dem Anschluss an die Bundesliga-Spitzengruppe geht es in Berlin auch um eine Wette. "Der Verlierer muss für eine Fußballschule in unserer Heimatstadt Fortaleza zahlen". Bleibt zu hoffen, dass es kein Unentschieden gibt.

Was sagt das Orakel?

"Irgendwie werden wir eine Mannschaft hinkriegen." BVB-Chefcoach Jürgen Klopp ist kein Arzt, aber Optimist.

Quelle: ntv.de