Fußball

Gladbach dreht Spiel fast ganz Hertha verliert auch mit fünftem Torwart

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Marcel Lotka kassierte früh sein erstes Gegentor in der Bundesliga.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hertha BSC kann den schlimmen Trend nicht stoppen: Beim SC Freiburg muss der Fußball-Bundesligist mit dem fünften Torwart antreten, zeigt eine engagierte Leistung - und geht dennoch wieder unter. Ein ähnliches Schicksal droht auch Borussia Mönchengladbach, doch dann kommt alles anders.

Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 2:2 (1:2)

Breel Embolo hat Borussia Mönchengladbach vor der zweiten Niederlage nacheinander bewahrt und seinem Team im Abstiegskampf immerhin noch einen Punkt beschert. Mit seinem Treffer in der 82. Minute rettete der Gladbacher Stürmer in einem packenden Spiel das 2:2 (1:2) gegen den VfL Wolfsburg, der im zweiten Auswärtsspiel nacheinander unbesiegt blieb und mit 28 Punkten als Tabellenelfter weiterhin vor Mönchengladbach (27) steht. Vor 10.000 Besuchern im Borussia-Park erzielten Jonas Wind (6. Minute) und Sebastiaan Bornauw (33.) die Treffer für die Gäste, Marcus Thuram (42.) traf zudem für Borussia. In der Nachspielzeit jubelte Gladbach über den vermeintlichen Siegtreffer, der nach Videobeweis aber nicht zählte.

Gladbachs Trainer Adi Hütter hatte sein Team auf gleich drei Positionen verändert und erstmals in diesem Jahr Stürmer Marcus Thuram in die Startformation berufen. Der Franzose kam auch gut ins Spiel und hatte gleich nach 36 Sekunden die erste Möglichkeit. Doch dann ließen sich die Gastgeber kalt erwischen. Die Wolfsburger, die erneut in unveränderter Formation antraten und bei denen Xaver Schlager nach überstandenem Kreuzbandriss in der zweiten Halbzeit sein Comeback nach fünfmonatiger Pause feierte, kamen mit dem ersten Angriff über die rechte Seite nach Flanke von Ridle Baku zum Führungstreffer durch Wind, der sich gegen Matthias Ginter durchsetzen konnte.

Die Gladbacher, die im defensiven Mittelfeld mit Christoph Kramer für Manu Koné starteten, taten sich gegen die kompakte und eingespielte Defensivreihe der Gäste schwer. Jonas Hofmann kam nach Doppelpass mit Alassane Plea zur besten Möglichkeit, doch Borussias bester Torschütze scheiterte an Koen Casteels im Tor der Wolfsburger (17.). Die Niedersachsen bleiben das effektivere Team. Nach dem dritten Eckball in Serie von Maximilian Philipp gelang Innenverteidiger Bornauw per Kopf das 2:0 für den VfL.

Die Antwort der Borussen ließ nicht lange auf sich warten. Nach einer gefühlvollen Flanke von Plea schaffte Thuram mit seinem ersten Saisontreffer den Anschluss. Das gab der Mannschaft von Trainer Hütter zwar Rückenwind und ein bisschen mehr Selbstvertrauen, bewahrte sie aber nicht vor einer Reihe von Fehlern im Passspiel oder im Zweikampfverhalten. Nationalspieler Ginter hatte mit einem Distanzschuss noch die Chance zum Ausgleich (63.), doch Casteels konnte parieren. In der Schlussphase erhielt VfL-Abwehrspieler Maxence Lacroix die Rote Karte wegen absichtlichen Handspiels. In Überzahl gelang den Gladbachern dann durch den eingewechselten Embolo noch der viel umjubelte Ausgleich.

Bayer 04 Leverkusen - Arminia Bielefeld 3:0 (1:0)

Auch ohne Torjäger Patrik Schick befindet sich Bayer Leverkusen auf dem besten Wege in die Champions League. Schick-Vertreter Lucas Alario ebnete beim nie gefährdeten 3:0 (1:0) gegen Abstiegskandidat Arminia Bielefeld mit dem 1:0 (30.) den Weg zum fünften Sieg im siebten Spiel des Jahres für den Tabellendritten, der zudem erstmals seit Mitte November ohne Gegentor blieb. In den vergangenen fünf Jahren hatte Bayer viermal die Qualifikation für die Königsklasse verpasst. Schick, mit 20 Toren zweitbester Liga-Torschütze nach Bayern-Star Robert Lewandowski, wird wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade nach Klub-Angaben einige Wochen fehlen. Für den Argentinier Alario, der Bayer am Saisonende verlassen will, war es erst der dritte Saisontreffer. Moussa Diaby, der einen Doppelpack nachlegte (56./81.), traf alleine in den letzten fünf Spielen sieben Mal. Der Tabellen-14. Bielefeld musste nach nur einer Niederlage aus acht Spielen mal wieder einen Rückschlag hinnehmen.

Vor dem Anpfiff ein schönes Bild: Bei der Schweigeminute vermischten sich beide Teams im Anstoßkreis und gedachten so tatsächlich gemeinsam der Opfer in der Ukraine. Auf Karnevalsmusik im Vorfeld verzichtete Bayer am Karnevalssamstag aus Pietätsgründen. Leverkusens Trainer Gerardo Seoane hatte nach dem 2:3 in Mainz in der Vorwoche fast die halbe Startelf ausgetauscht und fünf Neue gebracht. Nur der Wechsel von Alario für Schick war dabei notgedrungen.

Die Gäste aus Ostwestfalen, die mit einem 2:0 im vergangenen März den ersten Sieg unter Trainer Frank Kramer gefeiert hatten, begannen erstaunlich mutig und offensiv - und wären fast sofort bestraft worden. Ganze 100 Sekunden waren gespielt, als Paulinho von der Mittellinie alleine aufs Arminia-Tor lief, sich von Stefan Ortega aber geschickt abdrängen ließ und vertändelte. Da merkte man dem eigentlich sehr agilen Brasilianer, der seit Anfang November nur einmal in der Startelf gestanden hatte, die mangelnde Spielpraxis an. In der 24. Minute hätte Paulinho dies fast mit einem spektakulären Hackentor vergessen gemacht, doch auch das verhinderte der sichere Ortega.

Weitere sechs Minuten später war Paulinho dann der Vorbereiter der Führung, allerdings glücklich. Bei einer Direktabnahme schoss er sich gegen die Hand, Alario schob den Ball ein und der Treffer überstand die Video-Überprüfung. Nach der insgesamt hochverdienten Pausenführung blieb Leverkusen auch in der zweiten Halbzeit dominant, brauchte aber lange, um nachzulegen. Alario stand bei seinem vermeintlichen zweiten Treffer im Abseits (48.), ein Schuss von Jonathan Tah in dessen 200. Bundesliga-Spiel wurde von Joakim Nilsson abgeblockt (55.). Und dann fiel das 2:0 doch durch Diaby, der sich nach Doppelpass mit dem erneut spielfreudigen Florian Wirtz energisch durchsetzte. Und der formstarke Franzose legte sogar nochmal nach.

SC Freiburg - Hertha BSC 3:0 (1:0)

Trotz ordentlicher Leistung wartet Hertha BSC in der Rückrunde weiter auf ein Erfolgserlebnis. Die von Corona und von Verletzungen personell arg gebeutelten Berliner unterlagen mit 0:3 (0:1) beim SC Freiburg, der seine Europapokal-Ambitionen untermauerte. Die Hertha schwebt dagegen als Tabellen-15. und mit nur einem Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz in Abstiegsgefahr. Der von Vincenzo Grifo verwandelte Foulelfmeter (12.) und die späten Tore von Kevin Schade (83.) und Lucas Höler (86.) vergrößerten die Sorgen des Clubs aus der Hauptstadt, dessen anhaltende Talfahrt sich schon vor dem Anpfiff angebahnt hatte.

Zwar konnten sich nach dem Corona-Ausbruch in der vergangenen Woche einige Profis zurückmelden. Sinnbildlich für die Misere stand aber die Frage, wer im Breisgau das Tor hüten würde. Stammkeeper Alexander Schwolow fiel mit Corona aus. Da sich Rune Jarstein und Oliver Christensen noch im Aufbautraining befinden und Nils Körber gesundheitlich angeschlagen war, setzte Hertha-Coach Tayfun Korkut auf den 20 Jahre jungen Schlussmann Marcel Lotka. "Er ist ein positiv Verrückter", sagte Korkut beim Pay-TV-Sender Sky vor dem Anpfiff über den nominell fünften Torwart. "Er hat heute seine Feuertaufe. Ich traue ihm ein gutes Spiel zu."

Nach einer Schweigeminute wegen Russlands Angriff auf die Ukraine ließ Lotka den Worten seines Trainers Taten folgen. Bei seiner ersten Bewährungsprobe, einem Freistoß von Grifo, blieb er dank einer Flugparade noch der Sieger (6.). Über Langeweile konnte sich die Hertha-Defensive auch nach der ersten Annäherung des SC nicht beklagen. Nach einem Vorstoß von Roland Sallai wusste sich Linus Gechter nur noch mit einer Grätsche zu helfen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Grifo. Zwölf Minuten hatte es bis zum ersten Gegentor in der noch jungen Bundesliga-Laufbahn von Lotka gedauert.

Mit dem frühen Gegentreffer nahm die Verunsicherung bei den Gästen, die zuvor mit 1:6 gegen RB Leipzig verloren hatten, weiter zu. Lotka ließ einen Ball fallen und der erfahrene Dedryck Boyata, der für den gesperrten Marc-Oliver Kempf in der Startelf stand, klärte direkt in die Füße von Sallai. Der Ungar wurde beim Abschluss aber vom eigenen Mann behindert (20.) und Grifo scheiterte aus spitzem Winkel am Pfosten (26.).

Nach dem Seitenwechsel fehlten beiden Mannschaften das Tempo nach vorn und die Genauigkeit im Passspiel. Die Hertha hatte nun aber mehr Ballbesitz und übte dadurch auch mehr Druck aus. SC-Trainer Streich versuchte, seine Mannschaft wachzurütteln. Nachdem Marco Richter frei vor Flekken auftauchte und scheiterte (63.), nahm er einen Doppelwechsel vor und bewies damit ein glückliches Händchen. Aber auch Korkut musste reagieren. Gechter verschärft mit einer Verletzung den personellen Engpass.

Freiburg musste bis in die Schlussphase hinein zittern, denn das schwächste Team der zweiten Halbserie war deutlich aktiver. Späte Tore der eingewechselten Schade und Höler beseitigten aber die Zweifel am elften Saisonsieg.

1. FC Union Berlin - 1. FSV Mainz 05 3:1 (1:0)

Der 1. FC Union Berlin hat seinen Max-Kruse-Komplex abgeschüttelt. Nach drei Niederlagen ohne eigenen Torerfolg schafften die Eisernen mit dem 3:1 (1:0) gegen den 1. FSV Mainz 05 den ersten Erfolg seit dem geräuschvollen Abgang ihres prominenten Angreifers. Genki Haraguchi (7. Minute), Sheraldo Becker (56.) und Taiwo Awonyi (75.) erzielten vor 10.000 Zuschauern die Treffer für die Berliner. Für Mainz traf Delano Burgzorg erst in der 90. Minute.

Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer überholte damit nicht nur die erstmals seit drei Spielen wieder besiegten Mainzer in der Tabelle der Fußball-Bundesliga, sondern meldete sich zudem im Rennen um einen erneuten Europapokalplatz eindrucksvoll zurück. Am Dienstag steht für Union das Pokalviertelfinale gegen den FC St. Pauli an, bevor es am kommenden Samstag zum Wiedersehen mit Kruse beim VfL Wolfsburg kommt. Bei den Mainzern wurde Dominik Kohr (60.) wie schon im Hinspiel mit der Gelb-Roten-Karte vom Platz gestellt.

Haraguchi gehörte zu dem Quintett, das Trainer Urs Fischer neu in die Startelf beorderte. Und der Japaner lieferte früh mit seinem ersten Liga-Tor für die Eisernen. 283 Minuten ohne Treffer waren für Union vorbei, da ließen sich auch noch die gut zwei Minuten aushalten, die Schiedsrichter Bastian Dankert am Videoschirm benötigte, um eine Abseitsstellung von Grischa Prömel auszuschließen.

Die Führung passte ins klassische Union-Konzept. Mainz durfte nun kommen, die Berliner setzten aus der kompakten und von Rückkehrer Robin Knoche organisierten Defensive rein auf Umschaltmomente. Da diese Taktik gegen erstaunlich einfallslose Mainzer für die Gastgeber immerhin in der Rückwärtsbewegung aufging, war die beidseitige Konsequenz bis zur Halbzeitpause: Keine weitere Torchance.

Fischer mochte sein Team daran erinnert haben, dass man auch spielerisch durchaus mehr kann. Union kam nun auch offensiv druckvoll aus der Kabine und belohnte sich wieder schnell. Becker zirkelte den Ball kunst- wie kraftvoll aus gut 20 Metern am chancenlosen Zentner ins Tor. Mainz musste kurz darauf dezimiert weiter spielen, da Kohr, innerhalb weniger Minuten zweimal verwarnt, vom Platz musste. In Überzahl legte der eingewechselte Topstürmer Awoniyi mit seinem ersten Union-Tor 2022 nach, Burgzorgs Tor in der Schlussminute hatte keine Relevanz mehr.

Greuther Fürth - 1. FC Köln 1:1 (0:0)

Auch der 1. FC Köln hat das Heim-Hoch der SpVgg Greuther Fürth nicht beenden können. Trotz zwischenzeitlicher Führung mussten sich die Rheinländer in einem munteren Bundesligaspiel mit 1:1 (0:0) bei den Franken begnügen. Die Fürther bleiben mit 14 Zählern Tabellenletzter, sind aber mittlerweile vor heimischer Kulisse sechsmal nacheinander ungeschlagen. Die Kölner sammelten in ihrer ausgezeichneten Saison den schon 36. Punkt und dürfen weiter von Europa träumen.

Mit einer scheinbar harmlosen Hereingabe brachte Florian Kainz in der 52. Minute die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart in Führung. Vor unter Corona-Bedingungen mit 9200 Zuschauern ausverkaufter Kulisse glich der Fürther Sebastian Griesbeck (69.) per Kopf aus. Stefan Leitl änderte zum dritten Mal nacheinander seine Startelf nicht. Eingespielt legten die Franken in dem temporeichen Duell mit aggressivem Pressing los. Kapitän Branimir Hrgota (6.) wurde aber in letzter Sekunde von Luca Kilian gestoppt.

Dann zeigten die Kölner um Kapitän Jonas Hector in dessen 300. Pflichtspiel für den Verein ihre Torgefahr. Jan Uwe Thielmann und der in die Startelf zurückgekehrte Topstürmer Anthony Modeste (14.) versuchten es aber nicht so filigran wie Salih Özcan. Nach einer Flanke von Mark Uth landete dessen Hackenschuss an der Latte (15.) - es wäre ein Kandidat für das «Tor des Monats» gewesen. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hatten beide Mannschaften vor dem Anpfiff ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine gesetzt. Fürther und Kölner Spieler versammelten sich hinter einem in den ukrainischen Nationalfarben Gelb und Blau gehaltenen Banner und hielten es gemeinsam hoch. «STOP WAR. WIR GEGEN KRIEG», stand darauf in Großbuchstaben geschrieben.

Das Bundesligaspiel behielt sein Tempo, die Kölner belohnten sich nach der Pause. Kainz wurde auf der rechten Fürther Seite von Marco Meyerhöfer nicht energisch gestört, seine Flanke segelte in den Strafraum und dann an Schlussmann Andreas Linde ohne weitere Berührung ins Tor.

Die Fürther hielten dagegen. Gegen den eingewechselten Havard Nielsen (58.) parierte aber Kölns Torwart Marvin Schwäbe aus kurzer Distanz. Der bewegliche Jamie Leweling (67.) zielte später zu weit über das Tor. Nach einer Ecke von Luca Itter sorgte Innenverteidiger Griesbeck, der Modeste fast komplett aus dem Spiel nahm, mit dem Kopf für den umjubelten Ausgleich. Der ganz große Weckruf war das 1:1 für die Hausherren nicht, zwingende Offensivaktionen blieben aus. Der Kölner Louis Schaub (82.) war auf der Gegenseite bei seinem Linksschuss von der Strafraumgrenze zu ungenau.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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