Fußball

Transfer-Debatte um Topstürmer Klopps Rekordpleite provoziert zusätzlich Ärger

Ein Jahr nach dem Gewinn der Meisterschaft befindet sich der FC Liverpool in einer der größten Krisen der Historie. Trainer Jürgen Klopp erkennt sich bereits selbst die Berechtigung zur Teilnahme an der Champions League ab. Und fängt sich eine Debatte um seinen Topstürmer ein.

Jürgen Klopp ist bei seinen Spielern äußerst beliebt. Er herzt und knuddelt sie gern, sie lassen sich das gefallen und loben den Fußballtrainer stets in höchsten Tönen. Bis jetzt. Ausgerechnet Klopps Liebling Mohamed Salah ging ohne Blickkontakt am Liverpool-Trainer vorbei. Der Ägypter war mit seiner Auswechslung im Spiel gegen den FC Chelsea alles andere als einverstanden.

Und auch Experten kommentierten den Spielertausch in der 62. Minute äußerst überrascht. Schließlich lag der FC Liverpool mit 1:0 hinten, Mason Mount hatte in der 42. Minute für Chelsea getroffen. Ein weiteres Chelsea-Tor durch Timo Werner war nach einer umstrittenen Millimeterentscheidung vom Videoschiedsrichter aberkannt worden. Eigentlich keine Situation, in der man auf den besten Torschützen der Liga verzichten sollte.

Liverpool-Legende Jamie Carragher kommentierte bei Sky: "Ich bin sehr überrascht. Das bin ich wirklich - Mo Salah geht raus. Er ist auch nicht sehr glücklich." Salah verließ kopfschüttelnd den Platz, ignorierte Klopp an der Seitenlinie, auf der Tribüne schüttelte er immer noch den Kopf. Klopp wollte dem Ärger nach dem Spiel nicht allzu viel Gewicht beimessen. "Ich bin glücklich, wenn die Jungs enttäuscht aussehen, das ist kein Problem", sagte Klopp. "Ich habe es bei Mo nicht gesehen."

Die Auswechslung erklärte der Coach so: "Der Grund war, dass er aussah, als würde er die Intensität spüren und ich wollte ihn nicht riskieren. Das ist alles. Das ist wirklich selten und normalerweise sieht Mo bis zum Ende überraschend frisch aus. Ich fand, er sah nicht mehr frisch aus."

Der 28-Jährige selbst sah es offenbar anders. Und auch sein Berater ließ die Auswechslung nicht unkommentiert. Ramy Abbas Issa twitterte allerdings lediglich einen Punkt. Doch dieser löste heftige Diskussionen aus, schließlich gibt es immer wieder Gerüchte, dass Salah gern noch in Spanien spielen würde, für Real Madrid oder den FC Barcelona. Wird er nun versuchen, seinen Wechsel zu forcieren?

"Schwerer Schlag"

Zumal ein Topstürmer auch immer bei Topklubs spielen, sich in den größten Wettbewerben beweisen möchte. Und genau das wird der FC Liverpool in der kommenden Saison wohl nicht mehr können. Die Rekordpleite - gegen Chelsea war es die fünfte Heimniederlage in Serie - lässt den Klub weiter stolpern. Nur drei der letzten 13 Ligaspiele gewannen die Reds.

Das liegt aber auch daran, dass Salah eine Torflaute befallen hat. In den vergangenen zwölf Spielen traf er lediglich viermal. Seine Tore gegen Manchester City (1:4) und Leicester City (1:3) zuletzt verhalfen seinem Team zudem nicht zu Siegen. Vor allem die knappen Partien wie jetzt gegen Chelsea und zuvor gegen den FC Southampton und den FC Burnley, sowie die Remis gegen West Brom, Newcastle United und auch Manchester United hätten mit einem Torerfolg Salahs anders enden können. Doch, hätte, wäre. Liverpools Krise ist da.

Der amtierende Meister ist nur Tabellensiebter, hat vier Punkte Rückstand auf Platz vier, der für die Qualifikation für die Champions League reichen würde. "Es ist ein schwerer Schlag. Wenn wir diese Spiele verlieren, haben wir nicht das Recht, in die Champions League einzuziehen", sagte Klopp selbstkritisch.

Er erklärte nach der Partie: "Es wäre eine Überraschung gewesen, wenn wir Chelsea vom Feld geschossen hätten. Aber wir waren im Spiel", sagte Klopp: "Es ist einfach ärgerlich, immer und immer wieder über dieselben Dinge zu reden. Es ist schwierig, aber wir müssen uns durchkämpfen." Der frühere Reds-Profi Jamie Redknapp sagte bei Sky: "Letzte Saison war Liverpool eine Pressing-Maschine. Jetzt schlagen sie andere Teams mit ihren eigenen Waffen."

"Ein richtig großer Sieg"

Diesmal war es der FC Chelsea, der die Reds besiegte. Für Trainer Thomas Tuchel steht damit ebenfalls eine Serie zu Buche - anders als für Liverpool ist es für ihn allerdings eine überaus positive: Der 47-Jährige ist auch nach dem zehnten Spiel mit Chelsea ungeschlagen (sieben Siege, drei Remis). Der Klub ist eben jener Tabellenvierte, der in der Champions League spielen dürfte.

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Liverpool-Legende Jamie Carragher sagte: "Chelsea ist eine starke Mannschaft. Tuchel hat einen fantastischen Start hingelegt. Das war ein richtig großer Sieg für Chelsea." Ende Januar erst hatte der Coach die Nachfolge von Frank Lampard angetreten. Seitdem geht es steil bergauf. Vom neunten Platz kletterten die Blues beständig nach oben. "Es war natürlich ein Sechs-Punkte-Spiel", sagte Tuchel über das Liverpool-Spiel. "Aber das Rennen läuft noch, es sind noch viele Spiele und wir müssen Schritt für Schritt gehen."

Diese Taktik wäre auch für den FC Liverpool angemessen. Am Sonntag ist der FC Fulham zu Gast, anschließend folgt die Partie bei den Wolverhampton Wanderers. Beide sind deutlich weiter unten platziert - da sind Siege Pflicht, um die Krise abzumildern.

Quelle: ntv.de

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