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"Sehe wenig Besseres in Europa" Rummenigge berauscht sich an Bayern-Kader

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Die aktuelle Mannschaft des FC Bayern macht Karl-Heinz Rummenigge sehr glücklich - dabei sind die Kaderplanungen längst nicht abgeschossen.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Die Abwehr des FC Bayern entzückt Karl-Heinz Rummenigge. Auch die Offensive macht den Klubchef offenbar glücklich. Coach Niko Kovac wünscht er beim Rekordmeister eine lange Zukunft. Die hat offenbar auch Stürmer Robert Lewandowski - anders als Mario Mandzukic.

Der FC Bayern ist in den USA. Karl-Heinz Rummenigge findet das gut. Trainer Niko Kovac eher nicht. Sei's drum: die Vorbereitung auf die neue Saison läuft - fern der Heimat, mit Minimal-Kader und Maximal-Anspruch. Aber was soll das ganze Gezetere um Rumpfaufgebot und Absagenhagel am Transfermarkt? Haben die Münchener nicht auch so schon Top-Fußballer, die dem hohen Anspruchsdenken des Klubs gewachsen sind? Freilich haben sie das. Findet wer? Findet Karl-Heinz Rummenigge. "Wir haben eine gute Mannschaft. Und wenn ich mir alleine unsere Abwehr mit Alaba, Hernández, Süle, Kimmich, Pavard und Jérôme (Boateng) anschaue, bei dem man noch abwarten muss, was sich bei ihm noch entwickelt, muss ich sagen, sehe ich wenig Besseres in Europa. Auch was wir vorne zu bieten haben, das ist alles gut."

Und dennoch: Bedarf herrscht weiter in der Breite, Aktivitäten sind in Planung. Aber entsprechend der von Rummenigge verkündeten Zurückhaltung zu Statusmeldungen bei möglichen Transferzielen, wurde zu Beginn der neuen Woche keine Lösung im Transferstau präsentiert. Lediglich ein Dementi: Pläne, Mario Mandzukic zurück nach München zu holen, gibt es nicht. Bei allen Qualitäten, die der 33 Jahre alte Kroate in die Mannschaft einbringen würde, wäre er ohnehin eine Verpflichtung gegen jede Logik gewesen: Mandzukic ist ein ziemlich klassischer Mittelstürmer. Den von Sportdirektor Hasan Salihamidzic vergangene Woche formulierten Flexibilitätsanspruch an Neuzugänge erfüllt er nicht. Und ob er tatsächlich mit der Rolle als Bedarfsspieler - Einsätze nur bei Pausen für oder Verletzungen von Robert Lewandowski - zufrieden gewesen wäre? Der interne Betriebsfrieden genießt in München ja nun oberste Priorität.

Ohnehin ist das Sturmzentrum, wenn überhaupt, bloß eine kleine Baustelle im Aufgebot. Sie ist und bleibt auf Jahre besetzt vom unverzichtbaren Lewandowski. In der vergangenen Saison erzielte er 40 Treffer in 47 Pflichtspielen, seine beste Bilanz beim Rekordmeister, für den er seit 2014 spielt und mit dem er sich endlich den Traum von einem großen internationalen Titel erfüllen will. Ausreichend Chancen soll es wohl noch geben, der bis 2021 laufende Vertrag soll in Kürze bis 2023 verlängert werden. "Eingetütet ist's nicht, aber bei Robert gibt es schon die Entwicklung, dass er sich bei Bayern München extrem wohl fühlt", sagte Rummenigge. Nun, das war augenscheinlich nicht immer so. Immer mal wieder drohte der Pole - oder sein Berater - mit einem Wechsel. Mal beklagte er fehlende Deckung der Bosse, mal schimpfte er über die Taktik, mal kritisierte er die Transferpolitik.

"So einen Spieler gibt man nicht ab"

Vorfreude auf Duell mit dem BVB

  • "Wir sind an Konkurrenz interessiert und an Emotionalität. Da ist es absolut korrekt, wenn Dortmund in der Richtung Ansprüche anmeldet", sagte Rummenigge: "So wissen wir vom ersten Tag an, dass wir konzentriert und gut spielen müssen, damit wir auch im achten Jahr unseren Titel verteidigen können."
  • Der BVB hat - anders als zuletzt - die Meisterschaft als klares Ziel formuliert."Ich freue mich über jede Konkurrenz. Wir sind siebenmal in Folge deutscher Meister geworden, und im letzten Jahr war es zum ersten Mal wieder ein enger Kampf", so Rummenigge.
  • An der Favoritenstellung seines Klubs änderten die BVB-Ansprüche freilich nichts, so Rummenigge: "Auch im Jahr 2020 wird die deutsche Meisterschaft nur über Bayern München entschieden."

Vergangenheit. Vergessen. Zukunft. Zuversichtlich: "Wenn man so einen Spieler hat, gibt man den auch nicht ab", erklärt Rummenigge. Dass Lewandowski beim Vertragsende 2023 fast 35 wäre, beeinflusst die Entscheider nicht. Es reiche allein ein Blick auf den muskulösen Körper des Polen, findet der Klubchef: "Das ist ein Spieler, der kann leicht noch einige Jahre auf dem Niveau spielen."

Bei Coach Kovac gibt es nach dem Premierenjahr mit zwei Titeln dagegen noch keine Langfrist-Planungen. Aber auch für den Kroaten, den Rummenigge vergangene Saison stets mit Jobgarantieverweigerungen gepiesackt hatte, hat der Bayern-Boss nun lobende Worte: Der Klub sei "daran interessiert, dass wir auch auf der Trainerposition Kontinuität haben. Ich wünsche ihm eine genauso erfolgreiche Saison wie im Vorjahr mit dem Double - und die eine oder andere Runde mehr in der Champions League. Dann wären alle hochzufrieden beim FC Bayern." Aber es ist eben auch so: "Wir sind erfolgsverwöhnt. Und du musst Erfolg haben, um den Verein aus Wallungen fernzuhalten", sagte der Vorstandschef und ergänzte: "Wir haben eigentlich ein völlig entspanntes Miteinander."

Was ist beim FC Bayern sonst noch so los?

  • Die Münchener haben das Sturmtalent Leon Dajaku für die Drittliga-Mannschaft verpflichtet. Bei den Profis soll er allerdings mittrainieren. Der 18-Jährige kommt vom VfB Stuttgart, für den er vergangene Saison zwei Bundesligaspiele bestritt, und erhält einen Vertrag bis 2023. Als Ablöse für den Junioren-Nationalspieler war zuletzt rund eine Million Euro im Gespräch.

  • Der Klub ist ohne Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic in die USA gereist. Salihamidzic verzichtet auf die Reise, um von München aus in Transfer-Angelegenheiten besser handeln und reagieren zu können als von einem anderen Kontinent aus, mit einer zudem anderen Zeitzone. Hoeneß reist nach Vereinsangaben wegen "anderer Termine" nicht mit.

  • Diese Testspiele stehen für den FC Bayern in den USA an: gegen den FC Arsenal (18. Juli, 5 Uhr), Real Madrid (21. Juli, 2 Uhr) und den AC Mailand (24. Juli, 3 Uhr).

Quelle: n-tv.de, tno

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