Fußball

Hoffenheim dreht hohen Rückstand Timo Werner trifft beim Comeback mit Makel

310691312.jpg

Timo Werner traf bei seiner Rückkehr in die Bundesliga.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga feiert Timo Werner seine Rückkehr mit einem Tor, zum Sieg reicht es jedoch nicht. Hertha BSC bleibt auch im dritten Spiel unter Trainer Sandro Schwarz sieglos, der FC Augsburg erholt sich von einer schlimmen Klatsche beeindruckend und die TSG Hoffenheim dreht einen hohen Rückstand.

RB Leipzig - 1. FC Köln 2:2 (1:1)

Trotz eines Tores von Timo Werner bei seinem Comeback hat es für den Pokalsieger RB Leipzig auch im zweiten Bundesliga-Spiel der Saison nicht zum ersten Sieg gereicht. Die Sachsen mussten sich gegen den 1. FC Köln mit einem leistungsgerechten 2:2 (1:1) begnügen. Werner hatte RB nach 37 Minuten in Führung gebracht. Florian Dietz (40.) schaffte vor 43.579 Zuschauern noch vor dem Seitenwechsel den Ausgleich. Die gesamte zweite Halbzeit mussten die Leipziger in Unterzahl bestreiten, nachdem Dominik Szoboszlai (45.+1) wegen einer Tätlichkeit an Florian Kainz die Rote Karte gesehen hatte, gingen aber dennoch erneut in Führung durch Christopher Nkunku (56.). Dem eingewechselten Leipziger Josko Gvardiol unterlief in der 72. Minute ein Eigentor.

RB-Trainer Domenico Tedesco hatte Werner nur vier Tage nach seiner Verpflichtung sofort in die Startelf beordert. Allerdings merkte man dem 26-Jährigen noch an, dass ihm die Bindung zu seinen Mitspielern und eine gehörige Portion Spielpraxis fehlen. Dennoch bereicherte er mit seiner Schnelligkeit sofort das RB-Spiel. Nach 67 Minuten war Werners Comeback beendet, für ihn kam André Silva.

Die Kölner versteckten sich nicht und boten den Sachsen Paroli. Die hatten mit der offensiven Spielweise zunächst ihre Probleme, ehe sie ins Rollen kamen. In der 9. Minute gingen sie durch Dani Olmo dann auch vermeintlich in Führung, doch im Kölner Keller war ein Handspiel von David Raum vor dem Tor aufgefallen. Der Treffer zählte nicht. Auch Nkunku, vor dem Spiel als Deutschlands Fußballer des Jahres ausgezeichnet, durfte nicht jubeln, nachdem er den Ball im Kasten untergebracht hatte. Er stand beim Abspiel deutlich im Abseits.

Nach der Führung, die Werner unter Mithilfe von Kölns Keeper Marvin Schwäbe erzielt hatte, hätte Nkunku den zweiten Treffer markieren müssen. Doch diesmal reagierte Schwäbe glänzend und leitete damit den Ausgleich ein. Über Dejan Ljubicic kam der Ball zu Kainz, der spielte flach an den langen Pfosten, wo der glücklose Hugo Novoa vorbeirutschte und Dietz nur noch den Fuß hinhalten musste. Es war ein verdienter Treffer, nachdem sich beide Teams über weite Strecken bis dahin neutralisiert hatten. Unmittelbar vor der Pause stand Schiedsrichter Benjamin Brand noch einmal im Mittelpunkt. Nachdem Kainz Szoboszlai gehalten hatte, riss sich der Ungar mit gestrecktem Arm los und traf den Kölner am Hals. Der Platzverweis war eine Ermessensentscheidung.

Tedesco reagierte auf den Platzverweis, brachte mit Gvardiol und Kevin Kampl zwei Defensivkräfte für Marcel Halstenberg und Novoa. Die Kölner übernahmen mit einem Mann mehr die Initiative und liefen prompt in einen RB-Konter. Olmo bediente Nkunku, der seine Verfolger abschüttelte und gekonnt einschoss. Danach wurden die Gäste noch dominanter. Immer wieder kombinierten sie sich an und in den Leipziger Strafraum, fanden aber nicht die entscheidende Lücke. Also musste ein Standard helfen. Eine Kainz-Ecke beförderte Gvardiol unglücklich ins eigene Tor. Auch danach war der FC dem dritten Tor näher, doch es gelang nicht mehr.

Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 1:1 (1:0)

Wieder kein Sieg, aber jeweils ein Punkt für geplagte Fußball-Seelen: Hertha BSC und Eintracht Frankfurt haben durch ein 1:1 (1:0) den kompletten Fehlstart abgewendet. Doch ein Hauch Enttäuschung über einen verpassten Dreier gibt es wohl auf beiden Seiten. Suat Serdar brachte die Berliner am Samstag vor 44.694 Zuschauern im Olympiastadion in der dritten Minute in Führung. Daichi Kamada (48.) bewahrte den Europa-League-Sieger nach dem 1:6 zum Auftakt gegen den FC Bayern und dem 0:2 vor drei Tagen im UEFA-Supercup gegen Real Madrid durch seinen Treffer vor einem weiteren Rückschlag.

Emotionaler Höhepunkt war eine knifflige Elfmeterentscheidung. Referee Frank Willenborg entschied zwei Minuten vor dem Ende auf Strafstoß für Frankfurt, weil Hertha-Torwart Oliver Christensen Eintracht-Stürmer Rafael Borré gefoult haben sollte - nach Videostudium revidierte er aber sein Urteil.

Die Trainer Sandro Schwarz bei seiner Heimpremiere und Oliver Glasner setzten beide auf neue Offensivkräfte. Bei den Berlinern gaben Chidera Ejuke und der wuchtige Wilfried Kanga ihr Startelfdebüt. Die Eintracht versuchte es nach dem Abschied von Filip Kostic mit einer Neuner-Doppelspitze, gebildet von Randal Kolo Muani und Lucas Alario. Mario Götze kehrte nach der Niederlage gegen Real Madrid im UEFA-Supercup in die Anfangsformation zurück.

Das Hertha-Konzept ging erstmal besser auf. Eine Fehlerkette von Kamada bis Ansgar Knauff nutzte Serdar per Kopfball zur frühen Führung. Die nach den jüngsten Enttäuschungen durch die Pokalpleite in Braunschweig (5:6 i.E.) und der Derby-Pleite gegen Union Berlin (1:3) erstaunlich gute Stimmung in der Ostkurve, in der die Berliner Fans mit einer Mega-Choreografie 130 Jahre Hertha-Historie feierten, stieg weiter an.

Grund zum Jubeln hätte es bald wieder geben können. Evan Ndicka (15.) klärte nach einer Hereingabe von Maximilian Mittelstädt in höchster Not. Kanga (23.) kam nach einem schnellen Angriff frei zum Schuss und hätte erhöhen müssen.

Die Eintracht hatte wenig zu bieten und wirkte im 3-3-2-2-System nicht harmonisch. Alario (7.) hatte die schnelle Chance zum Ausgleich, vergab aber recht schlampig. Die vom Assistenten angezeigte Abseitsstellung hätte einer Videoüberprüfung nicht standgehalten. Kamadas Schuss (41.) nach einer abgefälschten Flanke des weitgehend wirkungslosen Götze ging über das Tor.

Ins Spiel fand die Eintracht durch Berliner Hilfe zurück. Ein krasser Fehler von Filip Uremovic führte zum Konter über Kolo Muani und den einschussbereiten Kamada. Jetzt spielten die Hessen direkter. Kolo Muani (55.) schoss knapp vorbei. Die Hertha fiel aber nicht wie bei ähnlichen Spielverläufen zuletzt in sich zusammen. Beide Teams glaubten an ihre Siegchance und hatten viele Chancen. Dodi Lukebakio (59./61.), Stevan Jovetic (72.) und Suat Serdar (83.) sowie Kamada (63.) und Kolo Muani (64.) vergaben. Die Elfmeter-Möglichkeit wurde den Gästen vom Referee nicht mehr gewährt.

TSG Hoffenheim - VfL Bochum 3:2 (2:2)

Die TSG 1899 Hoffenheim hat beim Heimdebüt des neuen Trainers André Breitenreiter ihre Sieglos-Serie beendet. Die Kraichgauer kamen zu einem späten 3:2 (2:2) gegen den VfL Bochum. Der eingewechselte Munas Dabbur köpfte in der 88. Minute den Siegtreffer. Zuvor war Andrej Kramaric vor 17.005 Zuschauern im Sinsheimer Stadion mit einem Foulelfmeter an Gäste-Keeper Manuel Riemann (59.) gescheitert.

Simon Zoller hatte die Gäste mit einem Doppelschlag in Führung gebracht (10./13.). Nach dem Treffer von Christoph Baumgartner (15.) sorgte Ozan Kabak (22.) in der wilden Anfangsphase für den Ausgleich. Am Ende gab es für die Hoffenheimer mit dem unauffälligen Neuzugang Angelino den ersten Erfolg nach saisonübergreifend zehn sieglosen Spielen. Das zuvor letzte Mal gewonnen hatten die Hoffenheimer am 6. März beim 1:0 in Köln, damals noch unter Chefcoach Sebastian Hoeneß. Zum Saisonstart vor einer Woche hatten sie 1:3 in Mönchengladbach verloren, Bochum unterlag da gegen Mainz.

Die Bochumer bemerkten gleich nach dem ersten Abtasten, dass sich die neu formierte TSG-Abwehr um Kevin Vogt erst noch finden musste. Beim 1:0, als Philipp Hofmann den Ball per Kopf auflegte, schaltete Stanley Nsoki nicht schnell genug. Und beim zweiten Volltreffer Zollers sah Kabak schlecht aus. Genauso vogelwild ging es weiter. Dem Anschlusstreffer ging ein Doppelpass von Kramaric mit Robert Skov voraus. Bochums Keeper Riemann konnte den Schuss des kroatischen Vize-Weltmeisters nur abwehren und Baumgartner traf.

Der frühere Schalker Kabak glänzte dann plötzlich in der Offensive: Eine Ecke von Dennis Geiger köpfte der Neuzugang von Norwich City fast unbedrängt zum 2:2 ein. Von da an bestimmten die Hoffenheimer erstmal die Partie. Wie schon in der vergangenen Saison zeigte sich aber Kramaric wenig treffsicher und brachte kurz vor der Pause aus aussichtsreicher Position nur ein Schüsschen zustande.

Kurz nach der Pause musste Hoffenheims Abwehrchef Vogt nach einem Zusammenprall mit Zoller angeschlagen vom Platz. Bei den Angriffsbemühungen der TSG holte dann Baumgartner einen Strafstoß gegen Anthony Losilla heraus - doch Riemann parierte den Kramaric-Schuss vom Punkt. Als die TSG-Profis immer verzweifelter anrannten, erlöste Dabbur sein Team.

Bayer Leverkusen - FC Augsburg 1:2 (1:1)

Bayer Leverkusen steckt schon nach dem 2. Spieltag in einer kleinen Krise. Nach der 1:2 (1:1) gegen den bisherigen Lieblingsgegner FC Augsburg hat der Vorjahres-Dritte nach zwei Spielen noch keinen Punkt auf dem Konto. Hinzu kommt das peinliche Pokal-Aus beim Drittligisten SV Elversberg.

Die Augsburger rehabilitierten sich dagegen ausgerechnet mit dem allerersten Sieg im 23. Spiel gegen Bayer für die 0:4-Startniederlage gegen Freiburg. Nie hatte in der Bundesliga-Geschichte ein Verein länger auf einen Sieg gegen einen Rivalen warten müssen. Der neue Trainer Enrico Maaßen durfte dagegen schon nach seinem zweiten Bundesliga-Spiel den ersten Überraschungs-Coup feiern.

Und er hatte selbst großen Anteil: Maaßen hatte zunächst mit dem Einsatz von Fredrik Jensen ein gutes Händchen. Der Finne stand erstmals seit Dezember in der Startelf und erzielte sein erstes Bundesliga-Tor seit Dezember 2019 zur Führung (15.). Gebracht hatte Maaßen ihn ausgerechnet für André Hahn. Das Geburtstagskind brachte er dann in der 65. Minute, und der seit Samstag 32-Jährige erzielte tatsächlich das Siegtor (82.).

Bayer hatte vor 22.903 Zuschauern zunächst keine rechte Struktur im Spiel. Die Augsburger hielten nicht nur gut dagegen, sondern hatten durch Mads Pedersen aus spitzem Winkel auch die erste Chance (9.). Die zweite hatten sie auch, und die nutzen sie dann, als Jensen eine schöne Kombination abschloss.

Nach einer halben Stunde wurden die Gastgeber druckvoller und kamen dann doch noch der Pause zu ihrem ersten Saisontor, als Aranguiz nach einem geblockten Schuss von Adam Hlozek unhaltbar von der Strafraumlinie traf. In der Nachspielzeit hatte Sardar Azmoun die Riesenchance zur Führung, köpfte aber um wenige Zentimeter vorbei.

Nach der Pause verstärkte Bayer den Druck. Der zuletzt in die Kritik geratene FCA-Keeper Rafal Gikiewicz wurde aber zum überragenden Mann und rettete mit starken Paraden gegen Moussa Diaby (60./73.) und Azmoun (61.). Bayer-Coach Gerardo Seoane wechselte dann dreifach (62.), brachte unter anderem Amine Adli, der nach fast einem Halbjahr zum Comeback kam. Drei Minuten später wechselte Maaßen ebenfalls dreifach - und brachte unter anderem Hahn. Glück hatte der FCA, als Schiedsrichter Benjamin Cortus einen Treffer von Aranguiz wegen eines leichten Schubsers aberkannte (70.).

Um den Siegtreffer mussten die Schwaben eine Weile bangen. Das Schiedsrichter-Gespann hatte zunächst auf Abseits entschieden, doch Florian Niederlechner hatte Hradecky-Ersatz Andrej Lunew nicht in der Sichtlinie gestanden. Nach Videobeweis zählte das Tor doch.

SV Werder Bremen - VfB Stuttgart 2:2 (1:1)

Neuzugang Oliver Burke hat Werder Bremen mit einem Treffer in der Nachspielzeit vor einer Heimniederlage bewahrt. Der Stürmer traf in der 95. Minute zum 2:2 (1:1) gegen den VfB Stuttgart. Zuvor hatte es so ausgesehen, als würde der Aufsteiger im ersten Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga Lehrgeld bezahlen. Das Team von Trainer Ole Werner ging zwar durch Niclas Füllkrug bereits in der vierten Minute in Führung. Wataru Endo (38.) und Silas (77.) drehten die Partie aber für die Gäste, die schon zum Auftakt beim 1:1 gegen RB Leipzig überzeugt hatten. Bis Burke zuschlug.

Werder begann wie schon am ersten Spieltag in Wolfsburg stark und machte von Anfang an Druck. Schon in der vierten Minute konnten die Bremer Fans im ersten Heimspiel seit Mai 2021 erstmals jubeln. Nach einer Flanke von Anthony Jung wuchtete Füllkrug den Ball per Kopf ins VfB-Tor. Für den Bremer Stürmer war es bereits der zweite Treffer in der noch jungen Saison.

Die Stuttgarter waren vom Bremer Anfangsschwung beeindruckt. Die Schwaben hatten Glück, dass sie nicht bereits frühzeitig aussichtslos zurücklagen. Doch Marvin Ducksch (8.) und Füllkrug, der nur die Latte traf (9.), vergaben mögliche weitere Bremer Treffer. Erst nach einer halben Stunde konnte sich der VfB befreien. Die Gastgeber verloren den Zugriff im zentralen Mittelfeld, was Endo mit einem herrlichen Fernschuss zum Ausgleich nutzte.

Auch nach dem Seitenwechsel fand Werder nicht mehr zum Schwung aus der Anfangsphase zurück. Füllkrug und Ducksch, das Erfolgsduo aus der starken Zweitliga-Saison, konnte sich kaum noch in Szene setzen und bekam deutlich den Unterschied zwischen 2. und 1. Liga aufgezeigt.

Doch auch die Schwaben, in der vergangenen Saison erst in den Schlusssekunden dem Abstieg entronnen, kamen in den zweiten 45 Minuten zunächst kaum zu gefährlichen Szenen. Tiago Tomas scheiterte in der 55. Minute am guten Werder-Keeper Jiri Pavlenka - das war es erst einmal für die Gäste. Bis zur 77. Minute. Da nutzte der VfB einen schweren Stellungsfehler von Bremens Abwehrchef Milos Veljkovic zur Führung. Silas behielt vor Pavlenka die Nerven und schob überlegt ein.

Kurz darauf hätte der VfB-Angreifer alles klar machen können, scheiterte dieses Mal aber an Pavlenka. So blieben die Bremer bis zum Ende im Spiel und wurden durch Burke doch noch für ihren Aufwand belohnt.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen