Fußball

Fürth ist erster Absteiger Zwei Joker stoppen Leipzigs Lauf ganz spät

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Sven Michel sorgte spät für den Anfang vom Ende der besten Phase der Leipziger Klubgeschichte.

(Foto: IMAGO/Matthias Koch)

Aufsteiger Greuther Fürth ist in der Fußball-Bundesliga früh abgeschlagen, nun stehen die Franken nach dem 31. Spieltag als erster Absteiger fest. Freiburg dreht ein fast verlorenes Spiel erst und verliert doch noch Punkte, Leipzig verpasst den nächsten wichtigen Sieg um wenige Minuten - und verliert noch alles.

RB Leipzig - Union Berlin 1:2 (0:0)

Union Berlin hat sich drei Tage nach dem Aus im DFB-Pokal revanchiert und Vizemeister RB Leipzig eine bittere Niederlage im Rennen um die Champions-League-Qualifikation zugefügt. Nach der 1:2-Niederlage im Pokal-Halbfinale gewannen die Köpenicker in der Bundesliga an gleicher Stelle mit 2:1 (0:0). Mit nun 50 Punkten hat Union beste Karten im Kampf um die Europa-League-Ränge.

Die eingewechselten Sven Michel (86.) und Kevin Behrens (89.) drehten die Partie im zweiten Durchgang für die Gäste, nachdem Yussuf Poulsen die Leipziger (46.) in Führung gebracht hatte. RB steht in der Tabelle derweil weiterhin bei 54 Punkten und muss drei Spieltage vor Schluss wieder um das Königsklassen-Ticket zittern. Weiter geht es für die Sachsen am kommenden Donnerstag (21.00 Uhr/RTL+) im Halbfinal-Hinspiel der Europa League gegen die Glasgow Rangers.

Vor 45.770 Zuschauern begann vor allem Leipzig schwer verhalten, ein bisschen wie beim Pokalspiel. Auf sechs Positionen hatte Trainer Domenico Tedesco im Vergleich gewechselt. Unter anderem stand Emil Forsberg, der am Mittwoch in der Nachspielzeit den Siegtreffer geköpft hatte, in der Startelf. Doch die Initiative übernahm, ebenfalls wie im Pokalspiel, zunächst Union. Nach Flanke von Sheraldo Becker von links zwang Taiwo Awoniyi (2.) RB-Torwart Peter Gulacsi per Kopf früh zu seiner ersten Parade.

Erst gegen Mitte des ersten Durchgangs verlagerte RB das Spiel mehr in die Unioner Hälfte, ohne gefährliche Anspiele in die Tiefe zu finden. Die Berliner liefen die Räume in dieser Phase klasse zu, sodass Leipzig im ersten Durchgang ohne echte Torchance blieb und Star-Stürmer Christopher Nkunku bis dato praktisch kein Faktor war. Und Union lauerte. Erst scheiterte Grischa Prömel (45.) an Gulacsi, ehe Kapitän Christopher Trimmel (45.+2) mit einem Gewaltschuss aus rund 20 Metern die Latte traf.

Nach der Pause kam Leipzig mit viel Dampf aus der Kabine - und vollstreckte gnadenlos. Nkunku setzte sich gut auf der linken Seite durch, während seine Hereingabe zunächst von Prömel abgewehrt wurde, versenkte Poulsen den Abpraller eiskalt. Union rannte aber auch im Anschluss weiter an und hatte Pech. Bei einem Klärungsversuch im Strafraum traf Leipzigs Nordi Mukiele (59.) Niko Gießelmann am Bein, Schiedsrichter Daniel Schlager verzichtete nach Ansicht der Videobilder jedoch auf einen Elfmeterpfiff. Später schoss Mukiele (73.) für RB aus spitzem Winkel an den Pfosten. Doch dann trumpften Michel und Behrens groß auf.

SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach 3:3 (0:2)

Der SC Freiburg ist auch im vierten Pflichtspiel in Serie unbesiegt geblieben, hat einen weiteren großen Schritt Richtung Champions-League-Qualifikation aber verpasst. Vier Tage nach ihrem erstmaligen Einzug ins DFB-Pokal-Finale spielten die Badener in einer spektakulären Partie gegen Borussia Mönchengladbach 3:3 (0:2).

Vincenzo Grifo per Foulelfmeter (49. Minute), Christian Günter (61.) und Philipp Lienhart (80.) trafen am Samstag vor 34 700 Zuschauern für den SC, der Tabellenfünfter bleibt. Die Borussia, die seit 20 Jahren kein Bundesliga-Spiel in Freiburg mehr gewonnen hat, führte durch Tore von Rami Bensebaini (3., Handelfmeter) und Breel Embolo (13.) zur Pause 2:0 und kam durch Joker Lars Stindl (90.+3) spät noch zum 3:3.

0:6 im Hinspiel im Dezember, 1:3 im Derby gegen den 1. FC Köln vor einer Woche: Die Gladbacher hatten durchaus etwas gutzumachen. "Kein Kampf, kein Wille, kein Charakter - ihr seid eine Schande für Stadt und Verein!", stand auf einem am Gäste-Block befestigten Banner. Doch die Stimmung bei den mitgereisten Fans hellte sich zügig wieder auf. Keine 30 Sekunden waren gespielt, als Freiburgs Nicolas Höfler den Ball im Strafraum im Rutschen an den Arm bekam. Schiedsrichter Benjamin Brand entschied nach Ansicht der Videobilder auf Elfmeter - Bensebaini verwandelte souverän ins rechte untere Eck.

Ein ganz bitterer Start für den SC. Und es sollte noch dicker für ihn kommen. Nach Zuspiel von Hofmann zog Embolo über rechts in den Sechzehner ein und schoss an Freiburgs Keeper Mark Flekken vorbei ins kurze Eck. 0:2 nach weniger als einer Viertelstunde, doch die Badener zeigten sich davon völlig unbeeindruckt. Das Team von Trainer Christian Streich, das ohne seinen krankheitsbedingt fehlenden Torjäger Nils Petersen auskommen musste, suchte konsequent den Weg nach vorne. Was im letzten Drittel jedoch oft fehlte, war die Präzision - wie bei den Chancen von Vincenzo Grifo (15.) oder Roland Sallai (31.).

Die Pausenführung der Borussen, die sich vorwiegend auf die Verteidigung konzentrierten und einzig durch Embolo nochmal für offensive Gefahr sorgten (27.), war zumindest in dieser Höhe schmeichelhaft. Auch die zweite Hälfte begann turbulent - und wieder mit einem Strafstoß. Referee Brandt erkannte am Bildschirm einen Tritt von Gladbachs Stefan Lainer gegen Höfler, Grifo traf vom Punkt zum 1:2. Kurz später mussten die Freiburger die Auswechslung des gerade erst gekommenen Noah Weißhaupt verschmerzen, der in einem Zweikampf auf die Schulter gefallen war.

Doch sie blieben am Drücker - und kamen durch einen platzierten Flachschuss von Günter aus 20 Metern zum 2:2. Die Gäste versuchten in der Schlussphase zwar, aus ihrem Verwaltungsmodus rauszukommen. Der SC blieb aber das aktivere Team. Nach einer Ecke von Günter traf Lienhart per Kopf zum 3:2. Völlig überraschend schlug die Borussia durch Stindl aber noch einmal zurück.

Greuther Fürth - Bayer Leverkusen 1:4 (1:2)

Die SpVgg Greuther Fürth steht als erster Absteiger fest. Die Franken, die seit September Tabellenletzter waren, können nach dem 1:4 (1:2) gegen Bayer Leverkusen an den verbleibenden drei Spieltagen nicht mehr den Relegationsplatz erreichen. Jetro Willems (5.) hatte Fürth mit seinem ersten Bundesliga-Treffer vor 11.579 Zuschauern zwar in Führung gebracht. Doch Patrik Schick (9.), Sardar Azmoun (18.), Paulinho (58.) und Exequiel Palacios (84.) zerstörten die ohnehin geringen Fürther Hoffnungen auf ein Fußball-Märchen.

Trotz einer Leistungssteigerung in der Rückrunde war die Hypothek des verheerenden Saisonstarts am Ende zu groß - in den ersten 14 Spielen hatte die Mannschaft nur einen Punkt geholt und so ihren Weg in die 2. Liga geebnet. Leverkusen sammelte am Samstag hingegen wichtige Punkte im Kampf um die Champions-League-Plätze.

Kampflos wollten sich die Franken aber nicht verabschieden und starteten furios in die Partie. Ein Abpraller von Bayer-Keeper Lukas Hradecky landete bei Fürths Startelf-Debütant Jessic Ngankam, der den freistehenden Willems bediente. Aus kurzer Distanz erzielte der Niederländer im 68. Bundesliga-Spiel sein erstes Tor. Die aufkommende Euphorie im Sportpark Ronhof hielt nicht lange an. Nach einer Ecke traf Schick, der beim 7:1 im Hinspiel schon vier Tore erzielt hatte, mit der Hacke. Da der Ball von Fürths Kapitän Branimir Hrgota kam, stand Schick nicht im Abseits.

In der Folge entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch mit zwei Mannschaften auf Augenhöhe - bis zum dicken Patzer von Kleeblatt-Schlussmann Andreas Linde. Der Schwede spielte den Ball dem anlaufenden Azmoun direkt in den Fuß - der Iraner bedankte sich mit seinem ersten Bundesliga-Treffer. Der Fürther Abstieg schien besiegelt. Trainer Stefan Leitl nahm den Rückstand regungslos hin. Während die Werkself die Partie nun dominierte, offenbarte Fürth mehr und mehr die Schwächen, die sie in der Saison bereits viele Punkte gekostet hatten: Einfache Ballverluste im Spiel nach vorne und eine extrem löchrige Abwehr.

Nach der Pause blieben die Hausherren zunächst weiter harmlos. Leverkusen konnte die Führung nach Belieben verwalten und sorgte gut eine halbe Stunde vor Schluss für die Vorentscheidung. Nach einem feinen Doppelpass mit Azmoun verstolperte Paulinho zuerst. Im zweiten Versuch konnte der Brasilianer den Ball dann aber doch über die Linie drücken. Obwohl in Fürth nun niemand mehr an ein Wunder glaubte, drückte die Spielvereinigung auf den Anschlusstreffer. Doch stattdessen erzielte Leverkusen den vierten Treffer.

Eintracht Frankfurt - TSG Hoffenheim 2:2 (1:1)

Eintracht Frankfurts Europa-League-Helden von Barcelona schwächeln im Alltag weiter. Das Team von Trainer Oliver Glasner kam gegen die TSG 1899 Hoffenheim nur zu einem 2:2 (1:1) und wartet nun seit fünf Spielen auf einen Sieg. Damit gelang den Hessen auch keine überzeugende Generalprobe für das Halbfinal-Hinspiel auf der internationalen Fußball-Bühne am Donnerstag in London bei West Ham United.

Frankfurts Abwehrspieler Evan Ndicka köpfte zuerst ins eigene Tor (12. Minute), dann in das der Gäste (32.). Daichi Kamada sorgte für die zwischenzeitliche Führung (66.), ehe Joker Georginio vor 50.500 Zuschauern für die TSG ausglich (78.). Die Kraichgauer treten im Rennen einen Europacup-Platz weiter auf der Stelle und warten nun schon seit sechs Partien auf einer Dreier. Chefcoach Sebastian Hoeneß hat derzeit aber auch mit zahlreichen Ausfällen zu kämpfen. So erlebten unter anderem Kapitän Benjamin Hübner und Spielmacher Christoph Baumgartner auf der Tribüne den nächsten Rückschlag mit.

Wie schon beim 0:2 zuletzt bei Union Berlin taten sich die Frankfurter zunächst schwer bei ihrem derzeitigen Spagat zwischen Bundesliga und Europa League. So wurde es wieder nichts mit dem zweiten Heimsieg in der Rückrunde nach dem 2:1 gegen den VfL Bochum am 13. März.

Immerhin kehrte Nationalkeeper Kevin Trapp nach seiner Handverletzung wieder zurück. Der 31-Jährige erlebte in seinem 250. Pflichtspiel für Frankfurt gleich einen Fauxpas von Ndicka aus nächster Nähe: Der Abwehrspieler köpfte nach einer Flanke von Andrej Kramaric unter die eigene Latte. Nach 227 torlosen Minuten war dies das Ende der Flaute bei der TSG. Den zuletzt oft frustrierten Hoffenheimern machte die Führung sichtlich Mut: Beim Schuss von Munas Dabbur musste sich Trapp richtig strecken.

Dann aber kam die Eintracht mit Macht - und meist über Filip Kostic auf der linken Seite. Der Serbe und Hoffenheims Nationalspieler David Raum sind die fleißigsten Flankengeber der Liga. Etwas auffälliger, weil auch in einer offensiveren Rolle, agierte Kostic: Erst prüfte der Flügelflitzer mit einem satten Schuss TSG-Schlussmann Oliver Baumann, dann servierte er die anschließende Ecke Ndicka zum Ausgleichstreffer - bereits sein neunter Assist in dieser Saison. Die Frankfurter nahmen in einer nicklig geführten Begegnung immer mehr an Fahrt auf. Das 2:1 durch Jesper Lindström verhinderte Baumann mit den Fingerspitzen.

Nach der Pause fehlte es der Eintracht aber lange an zwingenden Chancen. Hoeneß wollte mit Sebastian Rudy und Rutter gerade zwei frische Kräfte bringen, da jubelte der Gegner: Kamada narrte mit präzisen Ball ins rechte Eck. Hoffenheim rappelte sich trotzdem noch einmal auf, zu mehr als Rutters Kopfballtor reichte es aber nicht. Trapp rettete zum Schluss ganz stark gegen Kramaric.

1. FC Köln - Arminia Bielefeld 3:1 (2:1)

Arminia Bielefeld stürzt auch unter Interimstrainer Marco Kostmann fast ungebremst Richtung 2. Bundesliga - und das trotz eines Eigentor-Geschenks des Gegners. Im ersten Spiel unter dem bisherigen Torwart-Trainer Kostmann kassierte die weitgehend harmlose Arminia eine 1:3 (1:2)-Niederlage beim 1. FC Köln und belegt als Vorletzter weiter einen direkten Abstiegsplatz. Dem Duell mit Hertha BSC am kommenden Wochenende kommt schon vorentscheidende Bedeutung zu. Aus den vergangenen acht Spielen hat Bielefeld einen Punkt geholt.

Dagegen bejubelten die Kölner den dritten Sieg in Serie und träumen mehr denn je vom Europacup. Aktuell belegt der FC Rang sieben, der dürfte für den Sprung nach Europa reichen. Zudem stellten die Rheinländer mit nun 49 Punkten ihre Bestmarke seit Einführung der Drei-Punkte-Regel schon ein. Der vor der Pause überragende Mark Uth (3. Minute) mit dem frühesten Kölner Erstliga-Tor seit 16 Jahren, Anthony Modeste mit seinem 17. Saisontor (43.) und Joker Jan Thielmann (86.) erzielten die Treffer für Köln. Beim Ausgleich war Timo Hübers ein Eigentor unterlaufen (33.).

Zunächst gingen die Kölner bereits nach 123 Sekunden durch Uth auf Vorlage von Jonas Hector in Führung. Und dann wurden im gesamten Arminia-Tross schlimme Erinnerungen geweckt. Nachdem in drei Spielen nacheinander Fabian Klos, Cedric Brunner und Fabian Kunze mit Kopfverletzung ausschieden, knallten Alessandro Schöpf und Hector mit den Köpfen zusammen und mussten minutenlang behandelt werden. Während Hector in die Kabine geführt wurde und offenbar genäht werden musste, spielte Schöpf direkt weiter. Hector lief neun Minuten später mit einem Kopfverband zurück aufs Feld, gab nach einer Viertelstunde aber auf.

Die zwischenzeitliche Unterzahl hatte Köln problemlos überstanden. Wieder zu elft drängte der FC auf das zweite Tor. Und immer, wenn es gefährlich wurde, war Uth beteiligt. In der 32. Minute traf er mit einem Freistoß aus spitzem Winkel die Latte. Dann fiel wie aus dem Nichts der Ausgleich und Patrick Wimmer düpierte dabei beide Kölner Innenverteidiger: Erst nahm er Luca Kilian den Ball vom Fuß, dann schoss er Hübers an, der nicht mehr ausweichen konnte.

Doch das Tor gab Bielefeld keine Sicherheit, und zehn Minuten später ging Köln durch Modeste auf Vorlage von Uth wieder in Führung. Der Franzose lief nach seinem Treffer hinter das Tor, wo er in einer FC-Tüte eine Packung des von ihm produzierten Kaffees deponiert hatte und hielt diesen in die Kamera. Nach der Pause wurde die vorher schon hektische Partie richtig zerfahren. Doch die Arminia hielt nun besser dagegen. Die Riesenchance zum Ausgleich durch den eingewechselten Burak Ince vereitelte FC-Torhüter Marvin Schwäbe mit einer starken Fuß-Abwehr (84.). Kurz darauf entschied Thielmann die Partie.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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