Collinas Erben

"Collinas Erben" zollen Respekt Abstiegskampf liegt den Referees eindeutig

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Schiedsrichter Robert Schröder löste die schwere Aufgabe souverän.

Im Kampf um den Klassenerhalt sind auch die Schiedsrichter gefordert und bei den Spielen in Augsburg und Berlin machen sie ihre Sache sehr gut. In kniffligen Situationen kommen sie im Team zu den richtigen Entscheidungen, es wird auch mal der VAR bemüht. Am Ende mäkelt niemand an den Referees herum.

Dass die Partie zwischen dem Tabellenvierzehnten FC Augsburg und dem einen Rang schlechter platzierten SV Werder Bremen (2:0) keine fußballerische Delikatesse werden würde, war angesichts der Abstiegsnot beider Klubs abzusehen. Es war vielmehr mit Kampf und Krampf zu rechnen, mit Hektik und Emotionalität. Keine leichte Aufgabe auch für Schiedsrichter Robert Schröder, dem die sportliche Leitung der Bundesliga-Referees nach zuletzt vielen starken Leistungen auch die Aufsicht über diese wichtige Begegnung anvertraute. Um es vorwegzunehmen: Der 35-jährige Unparteiische von der SG Blaues Wunder Hannover machte seine Sache in einem tatsächlich schwierigen Spiel gemeinsam mit seinem Team richtig gut.

Bereits nach 13 Minuten war er zu einer massiven Konsequenz gezwungen, als sich die Wege des Augsburgers Ruben Vargas und des Bremers Theodor Gebre Selassie im Mittelfeld weit abseits des Balles kreuzten. Es kam zu einem leichten Check von Gebre Selassie, den Vargas damit quittierte, dass er unversehens mit seinem rechten Bein ausholte und seinen Gegenspieler mit voller Wucht in die Beine zu treten versuchte, jedoch knapp verfehlte. Während Schröder mit kurzer Verspätung pfiff, beschwerten sich die Bremer lautstark, Trainer Florian Kohfeldt deutete immer wieder wild gestikulierend auf Vargas.

Es ist davon auszugehen, dass der Referee dem Lauf des Balls gefolgt war und den Zweikampf deshalb gar nicht wahrgenommen hatte, von einem seiner Assistenten oder dem Vierten Offiziellen jedoch die entscheidende Information bekam. Mit einiger Verzögerung zeigte er dem Augsburger jedenfalls die Rote Karte, und das völlig zu Recht. Denn weil bereits der Versuch einer Tätlichkeit strafbar ist und prinzipiell genauso geahndet wird wie ihre Vollendung - zumal, wenn der Gegner nur durch einen glücklichen Zufall verfehlt wird wie hier -, blieb Schröder keine andere Wahl als der frühe Feldverweis.

Beide Feldverweise in Augsburg sind absolut korrekt

Die Entscheidung sicherte er sogar noch durch einen Gang an den Monitor am Spielfeldrand ab; hier lag gewiss keine Intervention des Video-Assistenten aufgrund einer falschen Entscheidung vor, sondern vielmehr ein taktisches Review, um die vehementen Proteste der Augsburger zum Erliegen zu bringen. Diese Art von Reviews soll es nur in begründeten Ausnahmefällen geben - aber die Dezimierung einer Mannschaft nach nicht einmal einer Viertelstunde in einem Kellerduell am 33. Spieltag gehört fraglos zu diesen Ausnahmen. Die sehr deutliche Körpersprache des Schiedsrichters nach der Rückkehr auf das Spielfeld verlieh der Roten Karte weiteren Nachdruck.

Kurz nach der Pause handelte sich auch Werder eine Hinausstellung ein, als der bereits verwarnte Christian Groß den Augsburger Florian Niederlechner durch einen unsanften Tritt gegen das Knie zu Boden brachte und daraufhin zu Recht mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde. Robert Schröder war auch hier konsequent. Knifflig wurde es für ihn in mehreren Strafraumsituationen, wobei sowohl die Hausherren als auch die Gäste je einmal vergeblich einen Elfmeter forderten.

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Auch der Platzverweis gegen Bremens Groß war absolut korrekt.

(Foto: Peter Fastl/POOL)

Die Szenen ähnelten sich insoweit, als es jeweils einen eher leichten Kontakt am Fuß respektive Schienbein des Gegners gab, verursacht durch einen flüchtigen Tritt mit geringer Intensität. Erst war nach 20 Minuten der Bremer Niclas Füllkrug betroffen, dann in der 65. Minute der Augsburger Marco Richter, dem der Unparteiische sogar die Gelbe Karte zeigte, weil er dessen etwas theatralischen Sturz als Schwalbe bewertete. Das gaben die Bilder zwar nicht her, aber der VAR hätte in beiden Situationen nur eingegriffen, wenn die Entscheidung, jeweils keinen Strafstoß zu geben, aus seiner Sicht eindeutig falsch gewesen wäre. Dass er es nicht tat, war absolut korrekt.

Einen Strafstoß gibt es erst, als der Sachverhalt eindeutig ist

Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit kam es schließlich doch noch zu einem Elfmeterpfiff, als Milot Rashica im eigenen Strafraum den Augsburger André Hahn durch einen deutlichen Tritt gegen das Schienbein zu Fall brachte. Dieser Kontakt war von einer anderen Qualität als in den anderen beiden Szenen und deshalb eindeutig ahndungswürdig. Die Abstufung in der Zweikampfbewertung von Robert Schröder ließ sich insoweit gut nachvollziehen und wurde von den Teams auch akzeptiert. Einen Strafstoß gab es eben erst, als der Sachverhalt wirklich klar war.

Ebenfalls korrekt war es vom Referee, in der 38. Minute nach dem Handspiel von Davie Selke im Bremer Strafraum nicht auf Elfmeter für den FC Augsburg zu entscheiden, sondern ein vorangegangenes Abseitsvergehen der Gastgeber zu ahnden: Jeffrey Gouweleeuw hatte in einer Abseitsposition bei einer Hereingabe mit beiden Händen Theodor Gebre Selassie davon abgehalten, zum herannahenden Ball zu gelangen. Dadurch war André Hahn in Ballbesitz gekommen, dessen Hereingabe schließlich Selke mit Kopf und Hand ins Toraus befördert hatte. Doch weil das strafbare Abseits dem Handspiel vorausgegangen war und der aufmerksame Assistent es angezeigt hatte, musste sich der Schiedsrichter gar nicht erst Gedanken darüber machen, ob ein Strafstoß in Betracht kommt.

Auch in Berlin beweist der Schiedsrichter ein gutes Augenmaß

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Robert Schröder lag damit im Verbund mit seinen Assistenten in allen spielrelevanten Situationen richtig und traf seine Entscheidungen auch mit erkennbarer Überzeugung. Selbst die Bremer als Verlierer hielten sich nach dem Schlusspfiff nicht mit dem Unparteiischen auf. Er hatte erneut eine starke Leistung gezeigt - und das in einer überaus anspruchsvollen Partie.

Auch im anderen direkten Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten war der Referee kein Thema: Deniz Aytekin leitete die Begegnung zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln (0:0) gewohnt souverän. Selbst dem vermeintlichen Kulminationspunkt kurz vor Schluss begegnete er mit Augenmaß und Geschick: Als der Kölner Ellyes Skhiri im Zweikampf mit Jonas Michelbrink im Strafraum der Berliner zu Fall kam, ließ Aytekin weiterlaufen, was angesichts des geringfügigen Kontakts am rechten Bein von Skhiri vollkommen angemessen war. Trotzdem schaute sich der Unparteiische die Szene noch einmal ganz kurz am Monitor an - auch hier handelte es sich erkennbar um ein taktisches Review. Das steigerte die Akzeptanz für diese Entscheidung und beugte Protesten vor. Die Schiedsrichter haben an diesem vorletzten Spieltag der Saison eine Menge richtig gemacht.

Quelle: ntv.de

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