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Der "kölsche Arsène Wenger"? Peter Stöger.
Der "kölsche Arsène Wenger"? Peter Stöger.(Foto: imago/Christoph Reichwein)
Dienstag, 12. Dezember 2017

Redelings über Wechselspielchen: Der frivole Swingerclub Bundesliga

Von Ben Redelings

Alles kann, nix muss: Dirk Schuster ist wieder in Darmstadt, Horst Heldt würde so gerne in seine alte Heimat Köln, und Peter Stöger wechselt die Betten, weil er schon länger mit dem BVB verbandelt ist. Die frivole Fußball-Bundesliga liebt das Vertraute.

"Alles kann, nix muss" - in diesen ansonsten eher besinnlichen Tagen kurz vor Weihnachten scheint die Fußball-Bundesliga genau diese alte Swingerdevise ziemlich frivol auszuleben. Die Bäumchen-Wechsel-dich-Spielchen - ob angedacht wie bei Horst Heldt oder tatsächlich ausgeführt wie bei Peter Stöger - laufen stets nach dem gleichen Muster ab: Man kennt sich, man schätzt sich, man kann sich was zusammen vorstellen. Wäre die Liga ein mit einer Tür verriegelter Club, wäre das keine Geschichte wert: "Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas". Doch das ganze Schauspiel findet öffentlich statt, vor einem Millionenpublikum - und das macht die Selbstentblößung so spektakulär.

Nun steht auch noch in Darmstadt Dirk Schuster wieder an der Seitenlinie. Klar, mit seiner Lilien-Ex verbinden den ehemaligen Nationalspieler der DDR alte Gefühle. Mit ihr hatte all das so wunderbar geklappt, was mit dem FC Augsburg in die Hose ging. Warum also nicht noch einmal eine alte Kiste wieder aufwärmen? Die emotionale Ebene passt, da wird das andere, sprich Sportliche, irgendwie schon passend gemacht. Es muss ja nicht zwangsläufig mit einem blauen Auge enden wie vor einem Jahr in Augsburg.

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Im Fußball regiert nicht umsonst das Schwarz-Weiß-Prinzip: Erst ist da stets die wunderbare, rosarot gefärbte Zukunftshoffnung und dann endet alles immer unausweichlich in der rabenschwarzen Apokalypse. Außer man ist Anhänger des FC Bayern. Dann trüben höchstens einmal ein paar Schleierwölkchen den ansonsten tiefblauen Sommerhimmel.

Als Toni Schumacher im Juni sein Buch "Einwurf. Wahrheiten über den Fußball und mein Leben" veröffentlichte, schwebte der 1. FC Köln nach der Qualifikation für die Europaliga gerade auf Wolke sieben. Partystimmung und ewige Glücksseligkeit waren das Motto der Stunde. Schumacher widmete in seinem Buch deshalb nicht von ungefähr dem damaligen FC-Trainer Peter Stöger sechs (!) Seiten. Lobpreisungen, nein, Liebesbekundungen auf höchstem Niveau. "Selbstbewusster Fußballfachmann", "Respektsperson", "Kumpeltyp", "er verbessert einzelne Spieler", "verantwortungsbewusst", "ein taktisch versierter Fußballlehrer", der am Ende auch noch "herzerfrischend über sich selbst lachen, sich selbst auf den Arm nehmen kann". Was für ein Typ! Wenn man sich einen Trainer backen könnte, er würde so sein wie Stöger - da waren sie sich in Köln einig. Und deshalb zog Schumacher auch ein einfaches wie nachvollziehbares Fazit: "Je länger ein Trainer bei seinem Klub bleibt, desto erfolgreicher wird der sein". Warum also sollte Stöger also nicht der "kölsche Arsène Wenger" werden, überlegte der "Tünn".

Man kennt sich, man schätzt sich

Es kam, wie es im Fußball kommen muss - außer natürlich man heißt Wenger. Die Erfolge blieben aus, die Stimmung sackte unter den Gefrierpunkt und am Ende trennte man sich. Die rosaroten Zeiten sind in der Erinnerung längst verblasst. Geblieben sind die schlimmen Augenblicke der aufziehenden Trennung. Nichts war mehr gut, was bis vor kurzem noch so schön gewesen ist. Die Liebe ist erloschen - und mit ihr all die wundervollen Erinnerungen, die fast schon zärtlichen Gedanken, das Lachen und die Fröhlichkeit, die man teilte.

Aber: Kann man beim Lesen dieser Zeilen nicht Borussia Dortmund verstehen? Kann man nicht sehr gut nachvollziehen, welche Motive die Entscheidungsträger des BVB dazu bewogen haben, ausgerechnet den Drei-Punkte-Trainer Stöger zu verpflichten? Natürlich kann man das. In Dortmund gehen sie selbst gerade durch ein dunkles Tal. Da sehnt man sich nach einem Heilsbringer, einem Partner, der wieder die Sonne scheinen lässt. Und dass Stöger es drauf hat, dass er weiß, wie man die Herzen der Fußballfans verzaubert, das genau hat er, wie er selbst auf der ersten Pressekonferenz in Dortmund anmerkte, in den vier guten Jahren in Köln bewiesen. Und darauf baut und hofft nun der BVB.

Dazu kommt natürlich auch, dass Aki Watzke schon länger mit Peter Stöger verbandelt ist. Wie hieß es weiter oben doch so schön: Man kennt sich, man schätzt sich, man kann sich was zusammen vorstellen. Jetzt ist eben der Moment gekommen, in dem man es einmal miteinander versuchen will. Auf Probe. Zeitlich befristet. Keiner der beiden Partner ist im Augenblick schon wieder bereit für eine längerfristige Beziehung. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Im frivolen Swingerclub Bundesliga mag man schließlich das Vertraute sehr gerne und hält sich doch alle Türen offen. Oder anders gesagt: Alles kann, nix muss!

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Quelle: n-tv.de