Fußball-WM 2018

Gruppe D unter der n-tv.de-Lupe Irritierte Gauchos und "einzigartige" Wikinger

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Wahnsinnige Erleichterung: Argentinien ist bei der WM dabei.

(Foto: imago/Fotoarena)

Nur ein Geheimfavorit ist Argentinien nun wahrlich nicht. Oder doch - nach der grottigen Qualifikation? Meisterlicher absolvierten diese die Hu-Wikinger aus Island und sorgen für eine Niedlichkeits-Premiere. Dagegen sind Kroatien und Nigeria ganz alte Hasen.

Buenos días, Argentina

Puh, Argentinien, das war knapp. Der Vize-Weltmeister, das Land von Fußball-Superstars wie Lionel Messi (FC Barcelona), Gonzalo Higuain (Juventus Turin), Sergio Agüero (Man City) und Angel Di Maria (Paris St.-Germain) konnte sich gerade so nach Russland retten. Erst Messis Hattrick zum 3:1 gegen Ecuador am letzten Spieltag der Südamerika-Qualifikation brachte die Argentinier in die Spur. Unter Trainer Jorge Sampaoli wohlgemerkt, nicht unter Alejandro Sabella, der das Team ins WM-Endspiel 2014 brachte, nicht unter Gerardo Martino, der zu Beginn der Südamerika-Qualifikation Trainer war, nicht unter Edgardo Bauza, der nur acht Spiele coachte, erst unter Sampaoli. Der Trainer, der mit dem FC Sevilla 2016 den Gewinn der Europa League feierte, siegte erneut im rechten Moment. Glück, denn ein WM-Turnier ohne Argentinien, ohne den Ballstreichler Messi ist kein richtiges WM-Turnier.

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Hat die Mannschaft den Schuss gehört? Unsicher. Auf eine totale Blamage gegen Spanien (1:6) folgte nur noch ein Testspiel gegen Haiti - wahrlich kein Gradmesser. 4:0 endete die Partie gegen den 108. der Fifa-Weltrangliste, dreimal traf Messi. Danach folgte ein denkwürdiges Chaos mit einem abgesagten Testspiel gegen Israel. Die unerwartet freie Zeit nutzen einige Spieler offenbar, um vom Trainingslager in Barcelona - so wird es kolportiert -  zu entwischen. Apropos Messi: Ist der Ausnahmekönner dabei, gibt es vorn kaum Probleme - es sei denn, es geht gegen Deutschland. Gegen den aktuellen Titelträger spielte der 30-Jährige bei drei Weltmeisterschaften - und verlor alle Partien.

Doch was macht die Defensive? Trotz Routiniers gegen Spanien komplett überfordert sein. Zu allem Übel müssen etwa Nicolas Otamendi (Man City) und Marcos Rojo (Man United) nun auch noch einen Neuling schützen: den Torhüter, dem Sampaoli am meisten vertraut. Stammkeeper Sergio Romero (Man United) verpasst das Turnier wegen einer Knieverletzung.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Mauro Icardi wird die WM vor dem Fernseher verfolgen. Trotz 100 Toren in 159 Ligapartien, trotz des Titels Torschützenkönig der gerade abgelaufenen Saison der Serie A. Der Kapitän von Inter Mailand wurde von Sampaoli ausgebootet. Durchaus überraschend.

Gódan daginn, Ísland

Hype

Ach was ist das schön ...

(Foto: dpa)

Hu! Hu! Huch! Island ist bei der WM dabei! Es wird die Premiere beim Turnier in Russland. Island ist das bevölkerungsärmste Land, das sich je für eine WM-Endrunde qualifiziert hat. Nur 334.000 Einwohner leben auf der Insel, 66.000 von ihnen haben sich für WM-Tickets beworben. Mit großartigen Individualisten wie Argentinien können sie wahrlich nicht aufwarten. Dafür mit einer "einzigartigen" Gruppe, wie Starspieler Gylfi Sigurdsson betont. Und diese Gruppe besiegelte seine Qualifikation deutlich entspannter als die "Albiceleste". Im Oktober 2017 konnte das Team von Trainer Heimir Hallgrimsson nach dem 2:0-Sieg gegen den Kosovo jubeln.

Die Auslosung der Gruppen rief dann erneut Begeisterung hervor. So sagte Rechtsaußen Johann Berg Gudmundsson (FC Burnley): "Ich hatte vor der Auslosung gesagt, dass ich gerne gegen Brasilien oder Argentinien spielen würde. 2016 trafen wir im ersten EM-Match auf Cristiano Ronaldo, nun auf Lionel Messi." Wie schon bei der EM wollen die Isländer auch diesmal die Gruppenphase überstehen. Vor zwei Jahren wurden sie erst im Viertelfinale von Frankreich gestoppt (2:5), schmissen zuvor im Achtelfinale England raus (2:1). Das Team ist seit zwei Jahren fast unverändert. Weiterhin mit dabei: Sigurdsson, der im Trikot der TSG Hoffenheim bekannt wurde und im vergangenen Sommer für knapp 50 Millionen Euro von Swansea City zum FC Everton wechselte. Und Augsburgs Stürmer Alfred Finnbogason, der in der gerade abgelaufenen Bundesliga-Saison in 22 Spielen 12 Tore erzielte. Zweitberufe sind übrigens nicht selten, so ist Torhüter Thor Halldorsson einer der bekanntesten Filmemacher des Landes. 2012 produzierte er das Video für Islands ESC-Teilnahme. Trainer Hallgrimsson ist Zahnarzt, hat in den vergangenen Monaten aber nicht gebohrt.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Schon in der europäischen Qualifikation traf Island auf Kroatien. Während das Hinspiel in Zagreb noch 0:2 verloren ging, gewann Island vor heimischem Publikum dann das Rückspiel mit 1:0. Insgesamt sicherten sie sich den 1. Platz der Gruppe I und schickten Kroatien in die Play-offs. 2014 war es noch andersrum: Damals spielten beide Nationen in den Play-offs gegeneinander - mit dem besseren Ende für Kroatien.

Dobar dan, Hrvatska

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Da kann Luka Modric sich auf den Kopf stellen. Kroatien wird nichts mit dem Titel zu tun haben.

(Foto: imago/Pixsell)

Kroatien hat schon gewonnen. Schließlich haben sie die erfolgreichsten Individualisten der Gruppe im Aufgebot: Mit Luka Modric und Mateo Kovacic spielen gleich zwei Champions-League-Sieger unter Trainer Zlatko Dalic. Auch ein Verlierer ist im Team: Liverpools Dejan Lovren, der bei der Ankunft im kroatischen Trainingslager ein Bild von sich und Modric bei Instagram postete mit dem Satz: "Ich wollte nicht mit ihm sprechen … immer noch angepisst." Hinzu kommen Juve-Stürmer Mario Mandzukic, der aus seiner Bundesliga-Zeit (VfL Wolfsburg und FC Bayern) in bester Erinnerung geblieben ist, die Ex-Bundesliga-Kicker Ivan Rakitic (früher FC Schalke, heute FC Barcelona) und Ivan Perisic (früher VfL Wolfsburg, heute Inter Mailand) sowie die Noch-immer-Bundesliga-Legionäre um Pokalheld Ante Rebic (Eintracht Frankfurt) Andrej Kramaric (TSG Hoffenheim), Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen) und Marko Pjaca (FC Schalke/ab 1.7. Juventus Turin). Eine ziemlich feine Truppe also.

Doch - siehe Argentinien - Individualisten allein helfen nicht: Erst über den Umweg in die Play-offs konnte Kroatien seine vierte WM-Teilnahme buchen. Gegen Griechenland reichte es im November im Hin- und Rückspiel dann insgesamt zu einem lockeren 4:1. Was bedeutet das für die WM? Die magere Bilanz seit dem sensationellen 3. Rang im Jahr 1998 wird nicht geschönt. Play-offs sind bei der WM-Endrunde einfach nicht vorgesehen.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Gegner im Champions-League-Finale, Kumpels für Kroatien und Verbündete vor Gericht: Modric und Lovren droht nach der WM Ungemach. Grund: Der kroatische Fußball-Pate Zdravko Mamic ist am vergangenen Mittwoch zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Dem Gericht zufolge hat der ehemalige Präsident von Dinamo Zagreb mehr als 15 Millionen Euro bei Spielertransfers veruntreut und 1,7 Million Euro Steuern hinterzogen. Bei den Transfers der beiden Nationalspieler habe Mamic mehrere Millionen Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet. Modric und Lovren waren als Zeugen im Prozess geladen und sollen gelogen haben. Der 32-jährige Kapitän ist bereits angeklagt, ihm drohen bis zu sechs Jahre Haft, gegen Lovren wird noch ermittelt.

Barka da yamma, Nijeriya

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Vertritt die Bundesliga im Team Nigeria: Leon Balogun vom FSV Mainz 05.

(Foto: imago/Uk Sports Pics Ltd)

Der Titel ist ihnen sicher! Okay, der des modischsten WM-Trikots. Misst man es an der Geschwindigkeit, mit der das Leibchen der "Supereagles" über den virtuellen Ladentisch ging. Am 2. Juni um 9 Uhr startete Nike den Verkauf - um 9:02 Uhr war es ausverkauft. Wie gut, dass ein WM-Spiel in jedem Fall mindestens 90 Minuten dauern wird. Drei davon wird das Team von Trainer Gernot Rohr bestreiten - mehr voraussichtlich nicht. Was dem Verbandspräsidenten so gar nicht passen dürfte. Schließlich forderte Amaju Pinnick ganz unbescheiden den WM-Titel. Obwohl seine Mannschaft bei fünf WM-Teilnahmen nie über das Achtelfinale hinauskam (1994, 1998, 2014). Was den Freund klarer Ansagen, Rohr, zu folgender Antwort veranlasste: "Herr Präsident, bleiben wir bescheiden. Als Nummer 47 der Welt davon zu sprechen, die Nummer 1 zu werden, ist ein bisschen protzig", so der Deutsch-Franzose. Die Maßgabe für sein Team, in dem der Mainzer Leon Balogun in der Abwehr gesetzt ist: "Das Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen."

Allein schon, weil Nigeria erneut in einer Gruppe mit Argentinien spielt - wie bereits vier Mal bei fünf WM-Teilnahmen. Und jedes Mal verlor, 2014 trotz eines Doppelpacks von Ahmed Musa, der als Spieler von ZSKA Moskau jetzt quasi eine Heim-WM bestreitet. Zudem ist das Team zwar mit aussichtsreich-talentierten Spielern gespickt, baut aber auf keine Stars. Besonders fatal: Bei Stammtorhüter Carl Ikeme wurde Leukämie diagnostiziert. Auf eine neue Nummer eins hat sich Rohr noch nicht festgelegt. Eins gilt für alle drei Keeper im Aufgebot: Sie sind international unerfahren.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Wie gut, dass es bei der WM keine Altersgrenze gibt. Nachdem Nigeria in den Jahren 2013 und 2015 Weltmeister der U17 wurde, verpasste das Team die Qualifikation zur U17-WM 2017. Unter anderem, weil gleich 26 Spieler aus dem Kader einen Alterstest nicht bestanden. Anhand von Bildern des Handgelenkknochens soll nachgewiesen werden, dass kein Spieler älter ist als erlaubt. Einziger Knackpunkt: Die Verlässlichkeit des Tests ist umstritten.

Auf diesen Spieler müssen Sie achten

Nein, wir kommen jetzt nicht mit Lionel Messi um die Ecke. Schließlich weiß doch nun wirklich jeder Ahnungslose, dass der ein bisschen was am Ball kann. Achten Sie lieber auf dessen Mitspieler Paulo Bruno Exequiel Dybala! Der Stürmer in Diensten von Juventus Turin hatte die Qual der Nationenwahl: Neben der argentinischen besitzt er auch noch die italienische und die polnische Staatsbürgerschaft. Mit gerade einmal 24 Jahren gehört er beim italienischen Meister zu den absoluten Stammspielern. Mehr noch: In 33 Spielen traf er 22 Mal das Tor und bereitete fünf Treffer vor - und ist damit der Toptorschütze seines Klubs. Dybalas Marktwert wird auf 100 Millionen Euro beziffert. Gerüchten zufolge hat unter anderem der FC Bayern Interesse am 24-Jährigen, sollte Robert Lewandowski den deutschen Rekordmeister tatsächlich verlassen. Einziges Problem des Offensivmanns, der in Russland seine erste WM erleben wird: Mit Agüero, Higuain und Messi ist der argentinische Sturm außerordentlich gut besetzt. So kam Dybala in der Nationalelf erst zu zwölf Einsätzen, davon acht in der WM-Qualifikation, von denen er nur einmal volle 90 Minuten auf dem Feld stand.

Wie geht die Gruppe aus?

1. Argentinien
2. Island
3. Kroatien
4. Nigeria

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Quelle: n-tv.de

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