Fußball-WM 2018

Bizarre WM-Show geht weiter Maradona legt sich mit der Fifa an

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Diego Maradona weilt auf Fifa-Einladung in Russland. Und legt sich jetzt mit dem Weltverband an.

(Foto: imago/East News)

Nach Mittelfinger-Posse, skurriler Tanzeinlage und Tribünen-Nickerchen sorgt Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona für den nächsten WM-Skandal. Weil er mit einer Schiedsrichterleistung nicht einverstanden ist, keilt er gegen die Fifa - und rudert zurück.

Die skurrile Show des Diego Maradona geht weiter: Argentiniens Nationalheld kann es einfach nicht lassen, bei der WM in Russland unangenehm aufzufallen. Nun hat er deshalb einen handfesten Zoff mit der Fifa. Denn mit seinen Kommentaren zur Schiedsrichterleistung im Achtelfinale zwischen England und Kolumbien (4:3 i.E.) erboste der Weltmeister von 1986 den Weltverband auf das Heftigste.

Man sei "sehr traurig" über die Aussagen des 57-Jährigen, der als Spieler "die Geschichte unseres Sports mitgeschrieben" habe, teilte die Fifa mit. Maradona hatte die Ansetzung des US-Referees Mark Geiger im venezolanischen Fernsehen harsch kritisiert. "Ich entschuldige mich bei allen Kolumbianern, aber die Spieler haben keine Schuld, denn es gibt einen Mann, der einen Schiedsrichter ausgewählt hat, der bei einem Spiel von solcher Bedeutung nicht eingesetzt werden kann", sagte Maradona. Gemeint war damit Pierluigi Collina, bei der Fifa Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission.

"Monumentaler Betrug"

Hintergrund des Kommentars: Geiger war nach kontroversen Entscheidungen im Gold Cup 2017 für sechs Monate gesperrt worden. "Dieser Schiedsrichter weiß vielleicht viel über Baseball, aber er hat keine Ahnung vom Fußball", so Maradona. Vielmehr witterte er einen "monumentalen Betrug". Und machte die Fifa höchst persönlich dafür verantwortlich. "Die Schiedsrichter werden von Collina ausgewählt, der von Infantino (Fifa-Präsident Gianni Infantino, d. Red.) beauftragt wurde, die neue Fifa von Dieben und Betrügern zu befreien. Heute sahen wir das Gegenteil - die alte und manipulierte Fifa", sagte Maradona.

Vom Weltverband erntete Maradona für seine Einlassungen nur Kopfschütteln. "Die Fifa weist die Kritik an den Offiziellen entschieden zurück. Sie haben ein hartes und hoch emotionales Spiel gut geleitet", hieß es in einer Stellungnahme. Die Ausführungen Maradonas seien "völlig unangemessen" und "komplett haltlos".

Maradona hat sich nicht im Griff

Streitpunkt war die Szene vor dem Führungstreffer für England. "Der Elfmeter war kein Elfmeter - es war ein Foul von Kane", sagte Maradona und fragte: "Warum kam der VAR (Video Assistant Referee, d.Red.) nicht zum Einsatz?" Harry Kane war vom Kolumbianer Carlos Sanchez in Ringkämpfer-Manier zu Fall gebracht worden, der Kapitän der Engländer traf vom Punkt zum 1:0 (57.). Kolumbien glich spät aus (90.+3).

Mittlerweile hat sich Maradona für seine Kritik entschuldigt: "So sehr ich auch manchmal einer anderen Meinung zu Entscheidungen von Schiedsrichtern sein kann, habe ich absoluten Respekt vor deren Arbeit", schrieb der 57-Jährige am Donnerstag bei Instagram und postete dazu ein Foto von sich mit Infantino. Die Arbeit sei nicht leicht, räumte Maradona ein.

Dennoch: Pikant ist der Zwist vor allem, weil Maradona auf Einladung des Weltverbandes als sogenannte Fifa-Legende bei der WM weilt und als Ehrengast beim Spiel in Moskau anwesend war. Schon beim 2:1-Sieg seiner Argentinier in der Vorrunde gegen Nigeria hatte Maradona für Aufsehen gesorgt, als er teils apathisch, teils hyperaktiv auf den Rängen das Spiel verfolgte, beim Siegtreffer durch Marcos Rojo im Jubel Mittelfinger in die Menge zeigte - und danach sichtlich geschwächt abtransportiert werden musste.

Quelle: ntv.de, Florian Krebl und Uli Schember, sid