Fußball-WM 2018

WM-Zeitreise - 7. Juli 2010 Mit Thomas Müller wäre das nicht passiert

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Thomas Müller animiniert seine DFB-Kollegen zu humoristischen Höchstleistungen.

(Foto: imago/HJS)

Deutschland steht im Halbfinale der WM 2010. Und vor allem ein Mann hat bei dieser Weltmeisterschaft überzeugt: Shootingstar Thomas Müller. Doch es gibt ein Problem: Im Spiel gegen die Spanier ist er gesperrt. Und das soll sich rächen.

Nach dem Spiel waren sich alle sicher: Mit Thomas Müller wäre das nicht passiert. An allen Ecken und Kanten hatte der 20-jährige Nationalspieler der Mannschaft am 7. Juli 2010 im WM-Halbfinale gegen Spanien gefehlt. Bei der Galavorstellung im Viertelfinale gegen Argentinien (4:0) hatte sich Thomas Müller nicht nur endgültig ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit gespielt, er hatte sich leider auch die zweite Gelbe Karte eingehandelt. Und damit musste der Shootingstar des deutschen Teams und der Weltmeisterschaften in der Neuauflage des EM-Endspiels von 2008 pausieren. Das deutsche Spiel verkraftete diesen Verlust an diesem Tage nicht. Am Ende unterlag das DFB-Team Spanien mit 0:1.

Erst vier Monate zuvor hatte sich der argentinische Nationaltrainer, die Fußball-Legende Diego Armando Maradona nach einem Länderspiel geweigert, neben eben diesem Thomas Müller auf dem Podium Platz zu neben. Maradona entschuldigte sich später damit, dass er eigentlich den deutschen Trainer erwartet und Müller zudem nicht erkannt habe. Der eloquente Jungstar Müller überspielte die peinliche Situation phänomenal, als er auf die Frage der Journalisten, wie er Diego Maradona als Fußballer erlebt habe, antwortete: "Ich habe Maradona aus zeitlichen Gründen nicht mehr so erlebt." Das war nicht nur eine schlaue und gewitzte Antwort - es war schlicht auch die Wahrheit. Thomas Müller ist Jahrgang 1989.

"Da muss ich halt mit Harald kuscheln"

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Klose und das DFB-Team verlieren das WM-Halbfinale ohne Müller knapp.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Die Reporter und die Zuschauer daheim liebten diesen kecken, jungen Mann von Anfang an. Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika war er der beliebteste Interviewgast. Auf die Frage, wie er sich die Stimmung in Deutschland während der grandiosen WM vorstelle, sagte Müller mit einem breiten Grinsen: "Traurige Gesichter bei schlechtem Wetter - und kein Grillfleisch." Seine lockere Art - spontan grüßte er live via TV seine Oma zu Hause in Deutschland - kam nicht nur an, sondern löste auch bei seinen Teamkameraden die angezogene Stimmungs-Handbremse. Als Miroslav Klose bei der Pressekonferenz gefragt wurde, wie er seinen freien Tag gestalten würde, antwortete er mit einem Blick auf DFB-Pressechef Harald Stenger: "Da meine Frau nicht da ist, muss ich mit Harald kuscheln. Da kann ich mir allerdings Schöneres vorstellen." Und auch Bastian Schweinsteiger parierte die Nachricht, dass das deutsche WM-Quartier in einem Hochwassergebiet liege, entspannt-humorvoll: "Dann bauen wir erst einmal einen Damm."

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Die gute Stimmung setzte ungeahnte Kräfte und ganz viel Euphorie frei. Der ansonsten eher schüchterne und zurückhaltende Marko Marin zeigte sich vollkommen unbeeindruckt, als ein Reporter ein mögliches Spiel gegen England in Aussicht stellte: "Ist doch egal, ob wir die früher oder später raushauen." Und tatsächlich gewann Deutschland dieses legendäre Spiel im Achtelfinale der WM mit 4:1. Hinterher meinte Miroslav Klose in Erinnerung an Wembley angesichts des klaren Treffers der Engländer zum 2:2, der aber nicht gegeben worden war: "1966 ist es anders ausgegangen. Jetzt steht es 1:1."

Und dann kam das Halbfinale. Deutschland gegen Spanien. Bundestrainer Jogi Löw musste umstellen. Für den gesperrten Thomas Müller kam Piotr Trochowski ins Spiel. Und schon nach wenigen Minuten war klar: Hier und heute steht eine andere deutsche Mannschaft auf dem Platz. Von der lockeren, selbstbewussten Spielweise war nur noch wenig zu sehen. Deutschland verkrampfte. Fast zwangsläufig musste es irgendwann geschehen - und es geschah. In der 73. Minute erzielte Puyol nach einer Xavi-Ecke mit dem Kopf das entscheidende 1:0 für Spanien. Deutschland war raus. Die Hoffnung auf den vierten Stern vorbei. Und hinterher waren sich alle einig: Mit Thomas Müller wäre uns das nicht passiert.

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Quelle: ntv.de

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