Fußball-WM 2018

Gruppe E unter der n-tv.de-Lupe Neymar, der "Sergeant" und Putin-Schelte

3d0fa5b1f948e30e51709ce357f945ca.jpg

Haben wieder Spaß am Fußball - und Hunger auf WM-Titel Nummer sechs: Brasiliens Neymar und Roberto Firmino.

(Foto: imago/Action Plus)

Es ist angerichtet für Brasiliens Reha: Die Seleção ist auf direktem Wege zum sechsten WM-Titel. Oder doch nicht? Serbien, die Schweiz und Costa Rica wollen den Favoriten mächtig ärgern. Ein Team reist mit kritischem Ohrwurm gen Russland.

Bom dia, Brasil

Rekord-Weltmeister, teuerster Kader aller WM-Teilnehmer, Mitfavorit auf den Titel - bedarf es weiterer Beschreibungen der Seleção? Angeführt vom wiedergenesenen Megastar Neymar hat die brasilianische Nationalmannschaft in Russland nur ein Ziel vor Augen: den sechsten WM-Titel. Okay, vielleicht lässt sich nebenbei noch ein weiteres Anliegen regeln. Die Erben von Pélé, Zico und Co. brennen auf Revanche. Die desaströse 1:7-Klatsche gegen die DFB-Elf bei der Heim-WM schmerzt immer noch sehr. In der Tat könnte es schon im Achtelfinale zu einer Neuauflage der Partie Deutschland gegen Brasilien kommen - oder dann im Finale.

*Datenschutz

Dass die brasilianische Star-Truppe überhaupt wieder den Blick nach vorn richtet und vom Titel träumt, liegt nicht zuletzt an Adenor Leonardo Bacchi. Der Trainer, besser bekannt als Tite, impfte dem Weltranglisten-Zweiten neues Selbstbewusstsein ein. Aus mehreren Weltklasse-Individualisten formte der 57-Jährige ein schlagkräftiges Kollektiv, das sich als weltweit erstes Team das WM-Ticket nach Russland sicherte. Der 57-Jährige schwört auf ein flexibles 4-1-4-1-System: hinten eine zweikampfstarke Abwehrreihe um Marcelo und vorn hinter der Einzelspitze Gabriel Jesus das wohl bestbesetzte offensive Mittelfeld der Welt mit Philippe Coutinho, Paulinho, Renato Augusto und eben Neymar. Es ist also angerichtet für ein fulminantes Turnier der "Kanarienvögel". Nur eines schmeckt Tite bislang gar nicht: Weil das Team sein Quartier in Sotschi aufschlägt, muss es allein in der Vorrunde für die Partien in Rostow am Don, Sankt Petersburg und Moskau etwa 7000 Kilometer zurücklegen.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Als einzige Nationalmannschaft hat die Seleção an jeder Weltmeisterschaft teilgenommen. Bei den bisherigen 20 Turnieren hat sie fünf Mal den Titel gewonnen - mehr als jedes andere Team. Turniersieg Nummer sechs soll nun eine Truppe mit einem Gesamtmarktwert von etwa 950 Millionen Euro nach Hause schaukeln. Zum Vergleich: Gruppengegner Costa Rica kommt nur auf 42 Millionen.

Grüezi, Schwiiz

89195599.jpg

Trainer Vladimir Petković und Mittelfeldstar Granit Xhaka haben sich mit der Schweizer "Nati" das Viertelfinale zum Ziel gesetzt.

(Foto: picture alliance / Laurent Gilli)

Nicht ganz so oft wie Brasilien, aber immerhin zum elften Mal ist die Schweiz bei einer WM dabei. Darüber hinaus hat sich die "Nati" bereits zum vierten Mal in Folge ein Endrunden-Ticket gesichert. Allmählich entwickelt sich das Fifa-Gründungsmitglied also zum WM-Dauerteilnehmer. Für die aktuelle Erfolgsgeschichte wird in dem kleinen Land Vladimir Petković verantwortlich gemacht. "Der Fußball unter Petković ist attraktiv", attestiert ihm Trainer-Legende und sein großer Vorgänger Ottmar Hitzfeld.

Erfolgreich bleibt der Schweizer Fußball seit dem Trainerwechsel 2016 allemal. Mittlerweile belegt die "Nati" Platz sechs der Fifa-Weltrangliste. Ein Erfolgsrezept könnte Petkovićs linguistisches Multitalent sein: Der Schweizer Bürger mit bosnischem sowie kroatischem Pass spricht sieben Sprachen - keine schlechten Voraussetzungen für einen Übungsleiter von Spielern, die auf Nachnamen wie Moubandje, Džemaili oder Seferović hören. Petković ist überzeugt, dass er mit seinem multiethnischen Team einiges reißen kann: "Wir streben das Viertelfinale an. Ich weiß, dass diese Erwartungshaltung und Hoffnung bei den Fans besteht." Damit es nicht zu einem enttäuschenden Vorrunden-Aus kommt, wird Petković auf sein bewährtes 4-2-3-1-System vertrauen. Dessen Dreh- und Angelpunkt ist Granit Xhaka. Der Malocher vom FC Arsenal geht im Mittelfeld nicht nur beinhart zu Werke, sondern glänzt zuweilen mit genialen Ideen - und im Nu sind die gegnerischen Reihen ausgehebelt.

*Datenschutz

Apropos Aushebeln: Kommen wir zum inoffiziellen WM-Song der Eidgenossenschaft. Nachdem das offizielle Lied mit dem Titel "Ole Ole" von DJ Antoine wegen heftiger Kritik (es gehe nur um Alkohol, Sex und Partys) wohl nur noch in der Partyarena Basel gedudelt und geduldet wird, schwören Tausende Schweizer und Schweizerinnen nun auf "Und jetzt rollt dr Ball" von "Les Wheels". In dem Lied bekommt Wladimir Putin volle Breitseite auf Baseldytsch ab, untermalt mit peppigen Polka-Beats. Hier geht's zum Ohrwurm.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Mit insgesamt zehn Profis, die in Deutschland ihr Geld verdienen, fährt die Schweiz nach Russland. Damit stellt sie bei der WM das größte Kontingent an Bundesliga-Legionären. Mit Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria und Josip Drmić kicken vier Spieler bei Borussia Mönchengladbach. Außerdem im Schweizer WM-Kader: die Dortmunder Roman Bürki und Manuel Akanji, Yvon Mvogo aus Leipzig, der Frankfurter Gelson Fernandes, Hoffenheims Steven Zuber und Schalkes Breel Embolo.

Buenos dias, Costa Rica

Costa Rica … da war doch was! Genau, bei der vergangenen WM schrammte die Mannschaft aus Mittelamerika knapp am Halbfinale vorbei - und das nur, weil Kapitän Bryan Ruiz und Michael Umaña im Elfmeterschießen gegen Louis van Gaals Niederländer die Nerven versagten. Eine Sensation war die Turnierleistung in Brasilien allemal. Die Gruppe entschieden sie damals für sich - ohne Niederlage gegen Uruguay, Italien und England wohlbemerkt. Warum nun also nicht auch Brasilien, Serbien und die Schweiz schlagen?

*Datenschutz

Bei ihrer fünften WM-Teilnahme stellen "Los Ticos" mit durchschnittlich 29 Jahren und 199 Tagen (Stand 10. Juni) allerdings das älteste Team des Turniers. Doch was kümmert das die Costa Ricaner, wenn sie sich auf eine stabile Defensive verlassen können und einen zweifachen Champions-League-Sieger im Tor haben? Keylor Navas von Real Madrid ist zweifellos der Star des Teams und genießt das uneingeschränkte Vertrauen seines Trainers Óscar Ramírez. Der hat sich im Januar eine Diät auferlegt: Bis zum WM-Start sollen 14 Kilogramm purzeln. Wir sind gespannt, ob das zu einer abermaligen Sensation beiträgt.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Passend zur Gruppe wird Costa Rica mitunter "Schweiz Zentralamerikas" genannt. Als 1954 die Weltmeisterschaft in der Schweiz ausgetragen wurde (Stichwort "Wunder von Bern"), war Costa Rica nicht dabei, weil dessen Fußballverband die Anmeldefrist für die Qualifikation verbaselte.

Dobar dan, Srbija

"Na sile rabota ne stava" lautet ein serbisches Sprichwort. Zu Deutsch: Mit Gewalt bringt man nichts zuwege. Darüber sollten Slavoljub Muslin und die Herren des Serbischen Fußball-Bundes (FSS) mal nachdenken. Nach der erfolgreichen Qualifikation Serbiens wollten wohl einige Funktionäre den Erfolgstrainer dazu zwingen, künftig Jungstar Sergej Milinković-Savić aufzustellen - woraufhin Muslin hinschmiss.

05182e942a84606b62bed5a89d3a3d50.jpg

Irrer Fußballer: Serbiens Jungstar und Fast-100-Millionen-Mann Sergej Milinković-Savić.

(Foto: imago/Aleksandar Djorovic)

Dieser beidseitigen Sturheit folgten durchwachsene Leistungen bei WM-Testkicks: zwei Siege, ein Remis und zwei Niederlagen bei 6:4 Toren stehen für die Mannschaft zu Buche, die nun von Mladen Krstajić trainiert wird. Der ehemalige Bremer und Schalker Innenverteidiger ist in dem Balkanstaat umstritten. Zwar spielt Milinković-Savić endlich unter seiner Leitung, allerdings setzte er Publikumsliebling und Rekordnationalspieler Branislav Ivanović nach sechs Jahren als Kapitän ab. Der aktuelle Spieler von Zenit Sankt Petersburg gewann unter anderem mit dem FC Chelsea 2012 die Champions League und ein Jahr später die Europaliga. Die Kapitänsbinde trägt nun Aleksandar Kolarov, in dieser Saison mit dem AS Rom Champions-League-Halbfinalist. Trotz solch hochkarätiger Spieler gehören "Die Adler" zu den klaren WM-Außenseitern. Ihr Talent und vor allem ihr Kampfeswille können der serbischen Nationalelf allerdings zu einem überraschenden Höhenflug verhelfen.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Da Serbien die WM-Bilanz von Jugoslawien (bis 1992) sowie Serbien und Montenegro (bis 2006) weiterträgt, ist es offiziell die zwölfte WM-Teilnahme, aber erst die zweite als unabhängige Nation nach 2010 in Südafrika. Dort bezwang die FSS-Elf das DFB-Team mit 1:0 in der Vorrunde. Für Deutschland ist es neben der damaligen Halbfinalpleite gegen Spanien die einzige Niederlage in den vergangenen 14 WM-Partien.

Auf diese Spieler müssen Sie achten

Neymar da Silva Santos Júnior, kurz: Neymar. Lange zitterte Brasilien um seinen Superstar, der sich Ende Februar einen Haarriss im rechten Fuß zuzog. Auch Brasilien hat also einen Neuer-esken "Mittelfuß der Nation". Das Aufatmen in dem südamerikanischen Land war bis nach Russland zu hören, als sich Neymar zehn Tage vor WM-Beginn fit meldete. Eine Halbzeit reichte dem 26-Jährigen, um die Seleção mit einem Traumtor im Testspiel gegen Kroatien zum Sieg zu führen. "Mich kann nichts aufhalten", warnte der Ausnahmespieler die Konkurrenz. Besonders spannend wird es, wenn der 222-Millionen-Mann von Paris Saint-Germain im Spartak-Stadion und finalen Gruppenspiel auf Serbiens Sergej Milinković-Savić trifft. Der 23-jährige Hüne kickt noch bei Lazio Rom, steht aber längst bei anderen Topklubs auf der Einkaufsliste. Mit seiner überragenden Übersicht, grandiosen Pässen und einer enormen Zweikampfstärke könnte der "Sergeant" seine Serben zu der einen oder anderen Überraschung führen - und Neymar alt aussehen lassen.

Wie geht's aus?

1. Brasilien
2. Schweiz
3. Serbien
4. Costa Rica

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema