Fußball-WM 2018

Der WM-Routenplaner bei n-tv.de Neymar rollt, Suarez stänkert

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Achtelfinale: Brasilien - Mexiko: Neymar liegt nach einem Foulspiel von Layun verletzt am Boden. Drei Tage lang hat sich Neymar weder fallenlassen noch am Boden gewälzt. Aber es wird auch vor dem WM-Viertelfinale gegen Belgien nicht still um Brasiliens streitbaren Stürmerstar.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ah, die Todesgruppe unter den Viertelfinal-Spieltagen: Vier legitime Titelkandidaten streiten ums Halbfinale. Bei Brasilien kommt ein gewisser Neymar in Form, Belgien muckt auf und Uruguay hofft gegen Frankreich auf Wunderheilung.

Was liegt heute an?

Ziehen Sie sich was Schickes an, auch der Turnierbaum zeigt sich schließlich heute von seiner Schokoladenseite: Vier Gruppensieger, vier Teams, denen das Finale ohne Weiteres zuzutrauen wäre. Um 16 Uhr (ZDF/n-tv.de Liveticker) wollen die Gesinnungs-Hausmeister aus Uruguay in Nischni Nowgorod der Rasselbande aus Frankreich um Teenie Kylian Mbappé ein für alle Mal das Herumrennen austreiben. In Kasan entscheidet sich um 20 Uhr im Duell gegen Neymars Brasilien das Schicksal der Goldenen Generation der Belgier: Ewige Geheimfavoriten oder echte Champions?

Wenn Sie nur Zeit für ein Spiel haben, dann …

… kaufen Sie sich im Elektronikfachhandel Ihres Vertrauens einen Festplattenrekorder, zeichnen das andere Match auf, vermeiden Nachrichten, umgehen Spoiler, halten sich am Besten generell von Menschen fern - und schauen es sich dann in Ruhe morgen an. So ein Samstag ist lang genug für drei Spiele.

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Funktioniert natürlich nur, wenn sie das Abendspiel auslassen, sonst verdirbt Ihnen Béla Réthy die ganze Spannung - greifen Sie also ruhigen Gewissens zu Frankreich gegen Uruguay und lassen Sie sich bitte nicht von der jüngeren Länderspielbilanz abschrecken. Okay, nur ein einziger Treffer in den letzten fünf Begegnungen, das klingt verdächtig nach Langeweile bis zum Elfmeterschießen - aber bei der letzten Begegnung war ein gewisser Kylian Mbappé noch 14 Jahre alt und schlief unter Postern von CR7. Heutzutage zerfetzt die fresheste Sensation seit dem Prinzen von Bel-Air im Alleingang WM-Hoffnungen, wobei die "Albiceleste" ihm auch mehr Räume öffnete als ein Immobilienmakler auf Speed. Die stocknüchternen Haudegen um Diego Godin werden Mbappé das Leben sicher etwas schwerer machen. "Die kriegen ihn unter Kontrolle", tönte Stürmerkollege Luis Suarez, der wahrscheinlich auf seinen Nebenmann Edinson Cavani verzichten muss, wenn nicht noch Rasputin aufersteht und sich als Wunderheiler verdingt. Anders als der Kolumbianer James Rodríguez soll Cavani aber trotz seiner Verletzung auf der Bank sitzen. Woran genau der Starstürmer laboriert, daraus wollte Uruguay gern ein Staatsgeheimnis machen, rechnete aber wohl nicht mit dem Flurfunk im Krankenhaus Nischni Nowgorod. Dankenswerterweise wissen wir nun: Es handelt sich um ein "kleinflächiges Ödem am inneren Teil des Zwillingsmuskels", einen 48 mal 29 mal 17 Millimeter großen Bluterguss auf der Wade. Aua!

Was verursacht noch WM-Herzrasen?

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Ehrlich gesagt haben wir keine Ahnung, wie sich der ganze Zirkus um Neymar da Silva Santo Júnior noch weiter aufschaukeln sollte. Immerhin hat der Mann gegen Mexiko ein Attentat auf sich vorgetäuscht, obwohl er wissen musste, dass Dutzende Kameras sein Schauspiel entlarven würden, mal wieder. Der brasilianische Sportjournalist Juca Kfouri unterstellte ihm ein "Peter-Pan-Syndrom" und bei aller Vorsicht gegenüber psychologischen Ferndiagnosen - in Sachen Narzissmus gehört er jetzt schon zu den ganz Großen des Weltfußballs, auf einer Stufe mit Joseph "Ich habe gelitten - die Passion Christi war auch Leid" Blatter. Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio nannte Neymar eine "Schande" für den Fußball und ein schlechtes Vorbild für Kinder. Keine Steigerung mehr möglich. Eigentlich.

Andererseits haben wir so ein Gefühl, dass die große Neymar-Story gegen Belgien noch ein paar, Hüstel, Umdrehungen zulegen kann. Nicht nur, weil sich Neymar schwer an Marouane Fellainis Haarspitzen verletzten könnte. Nein, vor allem, weil Brasiliens Nummer zehn gar nicht so schlecht kicken kann. Und das auch tun sollte, gegen ein belgisches Team, das "so gut vorbereitet ist, wie wir sein können" - was eine absolute Nullaussage von Trainer Roberto Martínez ist, wenn da nicht dieses Achtelfinale gegen Japan gewesen wäre, in dem sie ein 0:2 noch in ein 3:2 verwandelten. Nun bersten sie plötzlich vor Selbstbewusstsein, stellvertretend zeichnete Stürmer Romelu Lukaku schon mal den weiteren Weg durchs Turnier vor: "Mein Plan ist: Freitag gewinnen, dann für St. Petersburg vorbereiten, dann für Moskau vorbereiten." Tites Brasilien sah gegen Mexiko allerdings erstmals so souverän aus, wie es die Testspiele angedeutet hatten. Und pünktlich zur bisher schwersten Aufgabe kommt Neymar, Fallsucht hin, Goldene Himbeere her, in Form. "Das macht mich glücklich", sagt sein Coach Tite, "auch wie er defensiv arbeitet, den Ball erobert, die Räume eng macht. Und sein Teamgeist - Teamgeist ist die beste Tugend." Bleibt nur eine Frage offen: Ist es eigentlich zu früh, vom vorgezogenen Finale zu sprechen?

Ras, dwa, tri – die Zahl des Tages: 70.000

70.000 Schweizer Franken, also umgerechnet rund 60.500 Euro, muss der kroatische Verband an die Fifa berappen - für ein abscheuliches Vergehen seiner Spieler: Rebic und Co. erfrischten sich vor der Verlängerung gegen die Schweiz mit Getränken, die nicht von einem offiziellen Sponsor des Turniers hergestellt werden. Erschütternde Szenen, die wir auf einem Fußballfeld nie wieder sehen wollen.

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Hier noch eine unvollständige Liste weiterer Strafen der Fifa bei dieser WM:

  • 65.000 Franken -  Ein ganzes Portfolio an Vergehen kostet Marokko einen ordentlichen Batzen Geld, einen (sehr sehr kleinen) Teil davon würden wir sogar übernehmen, schließlich entfallen 50.000 Franken allein auf den sehr schönen Wutausbruch von Nordin Amrabat, der vom VAR nicht so viel hält.
  • 20.000 Franken - Ein Transparent, das die faschistischen Tschetnik-Freischärler des 2. Weltkriegs feiert, brockt Serbiens Verband eine Geldstrafe ein.
  • 10.000 Franken - Russlands Verband zahlt wegen eines rechtsradikalen Fan-Banners mit der Zahl 88, einem Code für "Heil Hitler".
  • 5000 Franken - Serbiens Trainer Mladen Krstajic will Schiedsrichter Felix Brych vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag stellen.
  • 0 Franken – Kroatiens Spieler singen nach dem 3:0 gegen Argentinien ein Lied des Ustascha-Sympathisanten Thompson, das mit dem Faschistengruß "Za Dom Spremni" beginnt. Im Video recht deutlich zu erkennen: Dejan Lovren trinkt dabei eine Coca-Cola. Alles in Ordnung also.

Angeberwissen fürs Public Viewing

Zwei Herzen schlagen, ach, in seiner Brust: Wenn Frankreichs Antoine Griezmann heute gegen Uruguay aufläuft, spielt er gegen seine zweite große Liebe – und gegen den Patenonkel seiner Tochter Mia, gegen seinen Teamkollegen Diego Godin von Atlético Madrid. Der Abwehrrecke ist einer von vielen Weggefährten Griezmanns aus dem kleinen südamerikanischen Land. "Ich fühle mich fast wie ein Uruguayer, ich himmle die Nationalität an, ich himmle die Leute an", sagt Griezmann, dem es auch der notorische Mate-Tee angetan hat. Die Feel-Good-Stories über den Uruguay-Aficionado gehen Luis Suarez übrigens richtig auf den Senkel: "Er weiß nicht wirklich, was es bedeutet, Uruguayer zu sein", sagte der Barcelona-Stürmer. An der Stelle klinken wir uns lieber aus, bevor der Streit in eine akademische Diskussion über "Cultural Appropriation" ausartet - die kann fieser werden als eine Stunde im Strafraum mit Diego Godin.

Redelings WM-Zeitreise

Das Rennen um den Goldenen Schuh führt derzeit Englands Harry Kane mit sechs Treffern an - kein gutes Omen für die "Three Lions": Wie Ben Redelings heute in seiner WM-Zeitreise erzählt, stellte in den seltensten Fällen der Weltmeister den besten Torschützen. Platz 3 dürfte aber vielleicht drin sein - so wie für einen Urahnen von Robert Lewandowski. Lassen Sie sich die Geschichte zu den erfolgreichsten Torjägern der WM-Historie nicht entgehen - vor allem die zum Besten von allen, der auch ein begnadeter Sprücheklopfer war. Ab heute Vormittag auf n-tv.de.

Der Spruch zum Spieltag

"Ein Freund sagt mir immer: Wenn du gewinnt, siehst du aus wie Paul Newman. Wenn du verlierst, wie Quasimodo."

Tja, Erfolg macht sexy, Roberto Martínez.

Quelle: n-tv.de