Olympia

IOC-Sponsoren ignorieren Kritik Auch der deutsche Olympia-Geldgeber schweigt

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Optisch ansprechend, aber zu einem hohen Preis.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Wer viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, muss auch Verantwortung übernehmen. Die Top-Sponsoren der Olympischen Spiele drücken sich jedoch kollektiv davor. Auch die Allianz, die zwar viel Geld für Sichtbarkeit zahlt, Menschenrechtsverletzungen aber offenbar nicht für erwähnenswert hält.

Sie zahlen enorm viel Geld, sie finanzieren damit die Olympischen Spiele zum Großteil mit, und sie würden gerne etwas zurückbekommen für ihr Investment. Derzeit müssen die 13 Top-Sponsoren aus dem "Olympic Partner Programme" allerdings vor allem Kritik einstecken: In erster Linie, weil sie zu den gravierenden Menschenrechtsverletzungen von Gastgeber China schweigen. Sie ducken sich weg - als hätten sie sich abgesprochen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Die Top-Sponsoren tragen zum Umsatz des IOC von rund 5,5 Milliarden US-Dollar im laufenden Vier-Jahres-Zyklus dem Vernehmen nach mehr als eine Milliarde US-Dollar bei. Sie könnten also Einfluss nehmen. Tun sie aber nicht. Vor den Spielen hatte etwa die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die Sponsoren aufgefordert, sich von Olympia in Peking zu distanzieren. Keiner reagierte. Auch nicht der deutsche Allianz-Konzern - trotz Demonstrationen, Protesten und Petitionen.

"Sponsoren können derartige Diskussionen überhaupt nicht gefallen. Sie wollen sich mit derlei im Grunde genommen nicht beschäftigen", erklärte Dennis Trautwein, Managing Director der weltweit operierenden Agentur Octagon. Er betonte jedoch: Ein Sponsor müsse sich angesichts eines Themas wie Menschenrechtsverletzungen "frühzeitig Gedanken machen, welche Position man beziehen will". Und diese dann "klar von Anfang bis Ende kommunizieren".

Die Hoffnung heißt: Vergessen

Dass sich die Sponsoren wegducken, hält Trautwein für ziemlich ungeschickt. "Keiner sollte den Fehler machen, diese Diskussionen einfach zu ignorieren. Aber das werden einige Sponsoren machen, sie werden sagen: Ich bin nur ein Partner, das ist nicht meine Verantwortung." So hat sich etwa die Allianz, ein "Worldwide Olympic Partner" seit 2020, nie öffentlich zu Forderungen von Aktivisten der "Tibet Initiative Deutschland" geäußert, sie solle sich als Sponsor der Spiele in Peking zurückziehen.

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Der Konzern aus München zahlte geschätzte 400 Millionen Euro an das IOC, um sich bei den Spielen bis 2028 in Los Angeles präsentieren zu dürfen. Und darauf setzen wohl alle Sponsoren: Dass Olympia in Peking möglichst schnell in Vergessenheit gerät und Paris 2024 in den Vordergrund rückt. "Die positiven Aspekte, die eine Marke mit der Partnerschaft erzielt, werden wohl länger nachwirken als die punktuelle Aufregung, die um die kritischen Themen entsteht", glaubt Experte Trautwein.

Das Wegducken im Fall Peking hält Trautwein aber dennoch für einen Fehler. Mit der Aufmerksamkeit, die Sponsoren mit einer Partnerschaft mit dem IOC anstrebten, entstehe schließlich auch eine Verantwortung: "Und dieser Verantwortung sollte man sich auch stellen als Sponsor, und klar Position beziehen." Dass das IOC in diesem Fall kein Vorbild ist, sei zu erwarten, ergänzt er: "Es wird immer wachsweiche Äußerungen geben, weil China ein Markt ist, der für das IOC auch kommerziell wichtig ist."

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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