Technik

Jugendschutz im Web Aktenzeichen XXX unerwünscht

Die Debatte um Internet-Filter ist so alt wie das Internet selbst. Während die einen den uneingeschränkten Zugang ins Netz als Garant für ihre individuelle Freiheit sehen, warnen die anderen vor den Gefahren, die diese unüberschaubare Informationsflut mit sich bringt.

Pornografie, Gewalt oder Rechtsextremismus sind jene Reizwörter, die zahlreiche Politiker, Kirchenvertreter und Elternverbände in regelmäßigen Abständen auf die medialen Barrikaden steigen lassen. Vor allem Kinder, so der Grundtenor, sollten vor ungeeigneten Inhalten geschützt werden. Doch am "Wie" schieden und scheiden sich die Geister.

Hier versprachen Filtersysteme rasche Abhilfe. Bereits seit Jahren sind verschiedene Produkte am Markt, die Schutz vor unerwünschten „XXX“-Inhalten versprechen. Mit mehr oder weniger großem Erfolg. Zu kompliziert im Handling, zu leicht zu knacken – der Erfolg war bescheiden. Nun tritt die Internet Content Rating Association (ICRA) mit einem Filter-System an.

Der Anbieter, eine von mehreren internationalen Unternehmen getragene Stiftung, zeigte sich im Rahmen der Deutschland-Präsentation euphorisch: Zum ersten Mal könnten die Nutzer selbst entscheiden, nach welchen Kriterien Web-Inhalte auf dem PC blockiert werden. Darüber hinaus beruhe das System auf einer freiwilligen Klassifizierung von Webseiten durch die Anbieter: Anhand von Kategorien wie Gewalt oder Sex würden Inhalte zertifizierter Seiten vom ICRAfilter identifiziert und - je nach Einstellung – entweder blockiert oder aufgerufen.

Mit diesem System - der individuellen Einstellung auf User-Seite, und der freiweilligen ICRA-Etikettierung auf Anbieter-Seite - würde eine effektive Kontrolle von WWW-Inhalten ermöglicht werden. Die unabhängige Non-Profit-Organisation will in den kommenden Monaten die 1.000 wichtigsten Content-Provider für ihr Projekt gewinnen.

"Dieses System ist neutral und objektiv. Es ermöglicht die wertfreie Kennzeichnung aller Internet-Inhalte durch die Anbieter. Gleichzeitig können die Nutzer diesen Filter individuell einstellen", zeigte sich ICRA-Vorstand Marcel Machill von dem virtuellen Wächter überzeugt.

Das ehrgeizige Projekt wird auch von Seiten der Politik unterstützt. So sprach etwa Innenminister Otto Schily im Vorfeld der Präsentation "von einer sinnvollen Ergänzung staatlicher Maßnahmen". Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats der Juden, zeigte sich ebenfalls überzeugt: "Kinder und Jugendliche müssen vor rassistischem Gedankengut geschützt werden. Mit dem ICRAfilter können Eltern jetzt selbst aktiv werden."

Darüber hinaus könnte dem ICRAfilter vor allem ein Argument zum Erfolg verhelfen: Das Programm ist kostenlos.

Quelle: n-tv.de