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Amazons Tablet hat das bessere Display Kindle Fire HDX 8.9 besser als iPad Air?

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Das Amazon Kindle Fire HDX 8.9 kann sich durchaus mit dem Apple iPad Air messen.

(Foto: kwe)

Das Kindle Fire HDX 8.9 hat einen fantastischen Bildschirm, ist sehr leicht und leistungsstark. Vielleicht ist es sogar besser als Apples iPad Air, aber Hardware ist schließlich nicht alles, oder?

In den USA sind Amazons Tablets ein Verkaufsschlager und waren dort zeitweise die härtesten Konkurrenten von Apples iPads. In Deutschland dagegen gibt es immer noch relativ wenige Haushalte, in denen ein Kindle Fire vorhanden ist. Das könnte sich jetzt vielleicht ändern, denn die neuen HDX-Tablets sind wirklich scharfe Geräte. n-tv.de hat das größere Modell, den Kindle Fire HDX 8.9, getestet.

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Schalter und Lautsprecher sitzen auf der Rückseite.

(Foto: kwe)

Zunächst fällt auf, dass Amazon dem Fire HDX ein ganz eigenes, größtenteils sehr gelungenes Design gegeben hat. Die schwarze, samtig mattierte Polycarbonat-Rückseite ist nicht rund, sondern kantig abgeflacht, was dem Gerät einen sehr schicken Stealth-Look verleiht. Mit entsprechendem Emblem auf der Rückseite könnte es auch als "Bat-T ablet" durchgehen.

Von vorne ist bei deaktiviertem Display nur die Frontkamera zu sehen und man ahnt an den Seiten links den Mikro-USB-Anschluss und rechts die Kopfhörerbuchse. Der runde An-/Ausschalter und die breite Lautstärke-Wippe sitzen nicht an den Seiten, sondern auf der Rückseite seitlich auf den abgeschrägten Flächen. Damit sind sie sehr einfach und bequem mit den Zeigefingern zu bedienen, wobei das Tablet fast perfekt in den Händen liegt. Das liegt auch daran, dass das Kindle Fire HDX 8.9  nur 374 oder 384 Gramm (LTE-Modell) wiegt und schlanke 231 x 158 x 7,8 Millimeter misst.

Rückseite staubanfällig

Ganz geschlossen ist das Kunststoffgehäuse nicht, oben hat Amazon die beiden Stereolautsprecher und die Kamera hinter einer glänzenden Plastikleiste untergebracht. Das sieht trotz eines viel zu breiten Spalts zwischen Leiste und Gehäuse nach dem Auspacken noch recht ansprechend aus. Doch in den Lautsprecher-Ritzen und dem Spalt sammelt sich sehr schnell Staub an und die Leiste ist etwas schmierig. Außerdem sind die Lautsprecher dort etwas ungeschickt untergebracht, da sie nach hinten abstrahlen, wenig Dampf haben und der Ton so vorne oft zu leise ist.

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Die glänzende Leiste schließt nicht ganz bündig mit dem Rahmen ab.

(Foto: kwe)

Die kleine Design-Schwäche ist jedoch schnell vergeben, wenn man den Bildschirm des Kindle Fire HDX einschaltet. Das für die Bedienung im Querformat ausgelegte 8,9 Zoll große Display hat 2560 x 1600 Pixel, was beeindruckenden 339 ppi entspricht. Die Kontraste sind stark, mit einem schönen Schwarz und die Farben sind sehr natürlich. Außerdem kann der Bildschirm sehr hell leuchten. Im direkten Vergleich mit dem iPad Air sieht man zwar so gut wie keinen Unterschied. In Labortests von "Anandtech", "DisplayMate" und anderen Webseiten haben die Kindle-Fire-HDX-Geräte aber durchweg den ersten Platz belegt.

Alles läuft rund

Der Touchscreen ist angenehm glatt, fettabweisend beschichtet und reagiert äußerst exakt auf Berührungen. Die Bedienung fühlt sich sehr flüssig und natürlich an. Ein ähnliches Gefühl bieten sonst nur die iPads. Zum einen hat Amazon sein auf Android 4.2.2 basierendes Betriebssystem Fire OS 3.0 offenbar perfekt mit der Hardware abgestimmt. Zum anderen arbeitet im HDX ein Vierkern-Prozessor Snapdragon 800 mit bis zu 2,2 Gigahertz, der auf zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen kann. Die integrierte Grafikeinheit Adreno 330 beweist auch schon in anderen Spitzengeräten, wie leistungsfähig sie ist.

Im Benchmark 3DMark schnitt das Gerät mit 12.775 Punkten fast so gut ab wie das Samsung Galaxy Note 10.1. Der Silk Browser, der Berechnungen auf Amazon-Server auslagert, baut Webseiten zwar flott auf, bleibt aber doch deutlich hinter dem durch MIMO-Technik rasend schnellen Safari des iPad Air zurück. Amazon gibt die Kapazität des Akkus nicht an, verspricht aber eine Laufzeit von bis zu 18 Stunden. Realistisch sind rund 10 Stunden, womit sich das Tablet auch hier in iPad-Regionen bewegt.

Kamera okay, umfangreiche Bildbearbeitung

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Bei guten Bedingungen kann man mit der 8-Megapixel-Kamera vernünftige Fotos machen.

(Foto: kwe)

Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist durchaus in der Lage, bei idealen Bedingungen hübsche Schnappschüsse zu machen. Allerdings geraten Bilder oft recht flau und sind in den Details sehr verpixelt. Videos sollte man sich am besten ganz sparen. Bei größeren Tablets ist aber wichtiger, dass die Frontkamera bei Videochats mit gemütlicher Wohnzimmerbeleuchtung klarkommt – und das bekommt die Linse des Fire HDX hin. Außerdem bietet die Galerie-App sehr umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten mit vielen Filtern und Werkzeugen, weshalb es sich durchaus lohnt, Fotos vom Smartphone zum Verbessern zu importieren. Das kann man sehr bequem über den Amazon Cloud Drive und eine App machen, die man sich vom Tablet per SMS direkt auf Smartphone schicken lassen kann.

Insgesamt ist die Benutzeroberfläche sehr gelungen, der man eigentlich nur noch in den Einstellungen die Android-Abstammung ansieht. Statt durch verschiedene Homescreens zu blättern, spielt sich unter Fire OS alles auf dem Startbildschirm ab. Unten ist eine Leiste mit Apps, die eigentlich die oberste Reihe der App-Sammlung zeigt. Schiebt man sie nach oben, sieht man alle installierten Anwendungen und kann die erste Reihe nach Belieben füllen.

Shopping leicht gemacht

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Die Benutzeroberfläche ist einfach und schick.

(Foto: n-tv.de)

In der Mitte befindet sich ein "Karussell" mit gekauften Büchern und den zuletzt verwendeten Apps. Oben gibt es eine Menüleiste, die direkt zu den gekauften oder installierten Inhalten führt. Außerdem kann man dort eine universelle Suche oder eine Websuche starten und wie an jeder Stelle der Oberfläche kann man sofort bei Amazon einkaufen. Streicht man von oben über den Bildschirmrand nach unten, kommt man zu den Schnelleinstellungen und Benachrichtigungen, von rechts zieht man das Multitasking-Menü mit den zuletzt verwendeten Anwendungen ins Display.

Wie nach einem Update auf den E-Book-Readern Kindle Paperwhite, gibt es auf dem HDX die Möglichkeit, über "Kindle Free Time" einen beschränktes Benutzerkonto für Kinder mit ausgesuchten Büchern und Apps anzulegen. Außerdem können Eltern ein Zeitlimit festlegen. "Mayday!", bei dem ein Support-Mitarbeiter im Videochat und per Fernzugriff auf dem Gerät Probleme löst, steht vorerst nur US-Kunden zur Verfügung.

Tolle iPad-Alternative, aber alles andere als offen

Unterm Strich ist das Kindle Fire HDX ein sehr gutes Tablet, das derzeit den besten Bildschirm, eine einfache und runde Bedienung und jede Menge Einkaufsmöglichkeiten in Amazons Shop bietet. Das ist durchaus mit Apples geschlossenem System zu vergleichen, das vor allem auf Konsum des eigenen Angebots ausgelegt ist. Aber was Einkäufe betrifft, ist Amazons System noch konsequenter abschirmt. Auch Apps bekommt man nur im hauseigenen Store, obwohl auf dem Android-System ganz normale Android-Anwendungen laufen. So ist das Kindle Fire HDX 8.9 vor allem interessant für Leute, die sowieso gerne bei Amazon einkaufen und vielleicht auch schon ein Film- und Serien-Abo bei Amazons Lovefilm haben. Sie zahlen für das günstigste Gerät mit 16 Gigabyte internem Speicher 379 Euro. Das 64-Gigabyte-Modell kostet 479 Euro. Erweitern kann man den Speicher nicht, ein Einschub für microSD-Karten fehlt. LTE-Varianten verkauft Amazon ab dem 13. Dezember für Preise zwischen 479 und 579 Euro. Möchte man einen Lockscreen ohne Werbung, muss man noch 20 Euro drauflegen.

Quelle: n-tv.de

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