Technik
Freitag, 16. April 2010

Pulitzer-Preisträger ausgesperrt: Apple pfeift auf Pressefreiheit

Klaus Wedekind

Mark Fiore hat als erster reiner Online-Karikaturist mit bissigen, intelligenten und witzigen Animationen den Pulitzer-Preis für Karikaturisten gewonnen. Für Apple sind die Cartoons offenbar zu scharf, denn es verweigert Fiores App die Aufnahme in den App Store.

Vermutlich findet Apple auch Fiores Clip über Amerikas fragwürdige Unterstützung des afghanischen Präsidenten Karsai anstößig.
Vermutlich findet Apple auch Fiores Clip über Amerikas fragwürdige Unterstützung des afghanischen Präsidenten Karsai anstößig.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Fiore hat den Preis für Flash-Animationen gewonnen, die er für die Webseite des "San Francisco Cronicle" macht. Er ist aber nicht fest angestellt und macht auch Auftragsarbeiten für TV-Sender, Zeitungen und Magazine. Laut Nieman Journalism Lab setzt Fiore große Hoffnung ins mobile Internet. Smartphones oder Tablet-Rechner seien ideal, um seine Inhalte zu transportieren, sagt er.

Selbstverständlich hat er deswegen auch eine iPhone-App namens "NewsToons" bei Apple eingereicht. Zu seiner Überraschung erhielt er aber im vergangenen Dezember eine Absage. Seine satirischen Animationen verletzten die Lizenzvereinbarung für Programmentwickler, hieß es.

Unerlaubter Spott

In Apples E-Mail an Fiore steht, dass seine App gegen Punkt 3.3.14 der Lizenzvereinbarung verstoße, weil die Cartoons öffentliche Personen verspotteten. Apple setzt also Fiores politische, preisgekrönte Animationen mit "obszönen, pornographischen oder diffamierenden Inhalten" gleich. Als Beispiel nennt Apple einen Cartoon über das Pärchen, dass sich auf eine Party des Weißen Hauses eingeschmuggelt hatte und eine Obama-Rede störte. Obszön, diffamierend oder gar pornographisch ist in dem Cartoon nichts.

Bloß nicht anecken

Die einzige Erklärung für die Ablehnung ist Apples devote Haltung gegenüber den Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Religion. Man könnte es auch Zensur nennen. Und Fiore ist nicht der erste Karikaturist, der von Apple abgelehnt wird. Nieman Journalism Lab nennt noch mehrere weitere Beispiele.

Im Internet, aber auch in den "alten Medien" werden die Rufe immer lauter, etwas gegen Apples Zensur zu unternehmen. Fiore selbst will den Kampf nicht aufnehmen. Er hofft immer noch, dass Apple seine Meinung ändert. "Sie müssten doch eigentlich viel innovativer und smarter sein", sagt er.

Quelle: n-tv.de