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14 Jahre für nackte Haut und dicke Waffen Duke Nukem, Retter der Menschheit

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14 Jahre gereift? Duke Nukem ist zurück.

Zigarren. Sprüche. Waffen. Nackte Haut. Aliens. Wenn jemand "Duke Nukem" beschreibt, kommt er ohne diese Worte nicht aus. Für viele ist der Computerspiel-Protagonist ein Held. Nun ist er zurück. Ein Spiel abseits von Rücksicht, politischer Korrektheit und Selbstreflektion. Auf den ersten Blick.

Gängige Thesen über den Computerspiel-Protagonisten "Duke Nukem"? Zunächst, selbstverständlich: Wenn es nach einer Ankündigung 14 Jahre dauert, bis ein Computerspiel fertig wird, muss etwas schief gelaufen sein. Ist es auch, eine Menge sogar. Zweitens: Der blonde Hüne ist deshalb Kult, weil er sich erst in Los Angeles und nun in Las Vegas einen Dreck um andere schert und einfach alles niederballert – außer die Frauen, wahlweise "Babes" genannt, oder "Chicks". Die dritte These wäre, dass (männliche) Spieler die Alien-Jagd in Ego-Perspektive so mögen, weil der Duke ein Prolet ist, ein Chauvinist und ein selbstgerechter Sexist.

Wenn das alles stimmt, müssten die Absatzzahlen des nun veröffentlichten Shooters "Duke Nukem Forever" desaströs sein. Sind sie aber nicht. Stattdessen schoss der Duke fast überall an die Spitze der Verkaufscharts, ob in den Läden oder digital via Download-Plattform Steam. Publisher Take Two erwartet etwa zwei Millionen verkaufte Spiele. Das ist keine großartige Zahl, aber auch keine schlechte. Was zunächst verwundert, denn mittelmäßige Wertungen in den Spiele-Fachmagazinen bedeuten meist: Flop an der Ladentheke.

Keine Schönheit, aber besonders

Nicht aber Duke Nukem, trotz seines Alters. Zumindest daran gemessen, wann der Kult-Charakter das erste Mal über die Bildschirme flimmerte. Und nun ist er wieder da, gibt sich großkotzig den Zusatz "Forever" und ist kein bisschen erwachsen geworden. Der Mann grüßt mit goldener Pistole, blondem Armee-Haarschnitt und markigen Worten von Werbeplakaten an Bahnhöfen, an Hauptverkehrsstraßen und auch per Werbebanner bei n-tv.de und fordert wieder: "Come get some".

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Ein bisschen Arnie steckt in der Karikatur des Superhelden.

Dabei hüpfte der US-Amerikaner aus dem konservativen Bilderbuch zunächst in Spielautomat-Manier von links nach rechts, in zwei Ausgaben, 1991 und 1993. Den Rummel, den verdiente sich der "King" drei Jahre später in "Duke Nukem 3D".

Der Titel war keine grafische Schönheit, aber er bot im Vergleich zu anderen Ego-Shootern der ersten Generation einige Besonderheiten. "Billard spielen, Wasser aus zerschossenen Toiletten trinken, allgemein die Interaktion mit anderen Objekten in der Umwelt – das war ein Durchbruch. Das hatten andere Shooter zu dieser Zeit nicht", sagt Robert Rafii, Gründer und Bertreiber der US-amerikanischen Fan-Website "duke4.net". Während sich die Konkurrenz auf das Wesentliche konzentrierte, also aus Ich-Perspektive durch Gänge laufen und Gegner töten, erweiterte 3D Realms den Aktionsradius auf Gegenstände abseits des eigentlichen Spielziels, unbeschadet durch die Schauplätze im virtuellen Los Angeles zu kommen. Auch die düstere Grimmigkeit des im gleichen Jahr veröffentlichten Meilensteins "Quake" von id Software waren dem Duke fern.

"No one steals our chicks and lives"

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Die "Babes": Ein chauvinistischer Held für die Frauen.

Doch im Gegensatz zu den anderen Kassenschlagern funktionierten bei ihm Lichtschalter. Die Toilette war benutzbar. Von eben dieser schoss der Duke zu Beginn ein Frosch-Alien herunter, das er dort überraschte. Er feuerte mit Raketen auf außerirdische Wildschweine in Polizei-Uniformen. Und das alles kommentierte er niveauvoll und deutlich hörbar, von "Come get some" über "Hail to the King, Baby" bis zu "No one steals our chicks and lives". Denn der Duke brauchte für die Rettung der Menschheit vor der Invasion der Außerirdischen keine moralische, humanistische Legitimation. Die Aliens hatten die "Stadt der Engel" an der Westküste der USA ihrer Frauen beraubt – und die wollte er zurück. So einfach ist die Welt. Wirklich?

Nein. "Der Duke ist eine Karikatur", sagt Robert auf die Frage, warum der Duke ein Phänomen wurde. Eine Karikatur des Klischees vom US-Amerikaner im Ausland, könnte man sagen. Und: "Auf alle Filme mit Arnold Schwarzenegger", meint Robert. Auf der einen Seite die Waffenverliebtheit, der Lösung von Problemen mit Gewalt statt verbalem Geschick. Konservative Werte im Land der "Frontier", an der Grenze zum Unbekannten. Auf der anderen die Degradierung der Frauen zu Instrumenten, um das eigene Ego aufzuladen. "Er braucht die Frauen, weil sie ihm zu einem Mann machen, zu dem, was er ist", ist Robert überzeugt.

Rebell gegen die Doppelmoral

Der Duke verkörpert zwei Welten, und ist deshalb nicht nur, aber besonders in den Vereinigten Staaten zur Kultfigur geworden. "Hier in den USA ist es kein Problem, wenn jemand im Computerspiel erstochen wird und das Blut herumspritzt. Aber wenn etwa der Nippel einer Brust gezeigt wird, ist die Hölle los. Das ist verrückt, aber so ist hier die Kultur", sagt der Fanseiten-Betreiber. Der Duke mag also ein Sexist sein, ein Chauvinist – aber er ist auch ein Rebell gegen die – aus europäischer Sicht - Doppelmoral seiner Erschaffer. "Das Spiel und auch der Duke selbst nimmt sich selbst nicht ernst. Er ist eine Satire-Figur. Der Humor ist der springende Punkt, alles ist übertrieben", meint Robert.

Zudem ist er erneut Retter der Menschheit, die wieder von Aliens heimgesucht wird. Während der US-Präsident mit dem Imperator der Außerirdischen verhandelt, soll der Duke die Füße still halten. Eine vergebliche Anweisung. Statt dessen: Erst schießen, dann fragen. Dieses Prinzip gilt das gesamte Spiel hindurch. Auch, als der Anführer der Invasion aus dem All in persona aus dem Wasser steigt und zum Kampf antritt. Kurz zuvor wird klar, dass der Staatschef dem Duke offenbar nur deshalb befohlen hatte, nichts zu unternehmen, weil er für die Zeit nach der Eroberung der Erde den größten Vorteil für sich herausschlagen wollte. Es ist die Bestätigung einer weit verbreiteten Ansicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Den Mächtigen ist nicht zu trauen. Und: Nimm es selbst in die Hand. Auch, wenn Du dafür "Duke Nukem Forever" spielen musst.

Quelle: n-tv.de

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