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Ärger um teure Zusatzgarantien EU schwärzt Apple an

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Neuer Ärger für Apple: Die EU kritisiert die Garantien des Konzerns

(Foto: dapd)

Der Apple-Konzern bekommt Ärger mit Viviane Reding. Die EU-Justizkommissarin nimmt kostenpflichtige Garantieerweiterungen unter die Lupe, die Apple für seine Produkte wie iPhone, iPad und iPod anbietet. Der Vorwurf der EU: Irreführende Information der Verbraucher. Auch Nutzer sind verärgert, obwohl der Konzern bereits besser informiert.

Nachdem sich Apple-Chef Tim Cook für die vielen schweren Fehler in der Konzern-eigenen Karten-App bei iPhone5-Kunden entschuldigen musste, droht nun neuer Ärger mit der EU: Justizkommissarin Viviane Reding hat die Verbraucherschutzminister aller 27 EU-Staaten schriftlich über Versäumnisse des Unternehmens informiert. In dem Brief schreibt Reding: "Es scheint, dass Apple-Verkäufer es versäumten, Verbrauchern klare, wahrhaftige und komplette Informationen zu geben über die Gewährleistung, die ihnen nach EU-Recht zusteht." Ähnlich irreführende Informationen hätten sie auf Internetseiten gestellt.

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Musste sich für Kartenfehler entschuldigen: Apple-Chef Tim Cook.

(Foto: AP)

Das Schreiben stammt vom 21. September - und ging unter anderem an Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Die Mitgliedsstaaten müssten nun aktiv werden und gegen Apple vorgehen, fordert Reding.

Und darum geht es: Bei Apple gibt es eine einjährige Garantie, die mit "Apple Care" je nach Gerät auf zwei oder drei Jahre verlängert werden kann. Eine zweijährige Garantieerweiterung kostet für einen Apple iPod 39 Euro, für ein Macbook Pro werden knapp 350 Euro fällig. Laut Redings verpflichtet das EU-Recht Hersteller zu einem zweijährigen, kostenlosen Gewährleistungsanspruch. Er gilt für alle Mängel, die schon zum Zeitpunkt des Verkaufs bestanden haben - auch wenn sie erst später bemerkt werden. Bei der freiwilligen Garantie geht es hingegen um Mängel, die nach der Übergabe an den Kunden auftreten.

Apples Garantie ärgert Verbraucherschützer

"Apple wirbt prominent dafür, dass seine Produkte eine einjährige Herstellergarantie haben, versäumt es aber, klar darüber zu informieren, dass Verbraucher laut EU-Recht ein automatisches und kostenloses Anrecht auf einen gesetzlichen zweijährigen Gewährleistungsanspruch haben", so die EU-Kommissarin.

Apples Garantiepolitik ist Verbraucherschützern schon länger ein Dorn im Auge. Europäische Verbraucherschutzorganisationen aus elf Ländern haben sich laut Reding bei der EU-Kommission beschwert. Sie warfen dem iPhone-Konzern zuletzt im März vor, prominent für die kostenpflichtige Garantieverlängerung "Apple Care" zu werben, aber ungenügend über den gesetzlichen zweijährigen Gewährleistungsanspruch zu informieren. Im vergangenen Dezember musste Apple deswegen bereits eine Strafe von 900.000 Euro in Italien an den Marktregulierer AGCM zahlen.

Apple klärt über die Regelungen zu Garantie und Gewährleistung inzwischen in einer Tabelle auf seiner Website auf. Dort werden die Unterschiede zwischen EU-Verbraucherrecht, der begrenzten, einjährigen Apple-Garantie und dem kostenpflichtigen "Apple Care Protection Plan" deutlicher als bisher erklärt.

Apple-Nutzer beschweren sich

Im Forum von "Apfel-Talk" beschwert sich auch Nutzer "DaMikstar" über Apples Garantie: "In Deutschland muss der Kunde dem Händler schon ab dem siebten Monat beweisen, dass der Mangel bereits bei Auslieferung vorlag (Paragraph 476 Bundesgesetzbuch). Die Garantie ist in diesem Fall gegenüber Apple geltend zu machen."

Andere Nutzer erklärten, sie seien mit Apples Garantieangebot zufrieden. Jack Beam schriebt: "Apples einjährige Garantie ist absolut top. Da können sich alle anderen Hersteller eine Scheibe von abschneiden. Allerdings finde ich, dass der Apple Care Protection Plan ab 1000 Euro Einkaufswert für ein Jahr extra inklusive sein sollte."

Quelle: n-tv.de, dpa

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