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Trend zum Smartphone, Trend zum Virus Gefahr geht von Apps aus

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Smartphones: Hochleistungs-Computer, mit denen man auch telefonieren kann.

picture alliance / dpa

Unterwegs Mails lesen, schnell etwas googeln und Facebook checken: Smartphones machen das digitale Leben leichter. Die Nutzer vertrauen ihrem Handy fast alles an. Anders als beim Rechner zu Hause vergessen aber viele, es vor Viren, Würmern und Trojanern zu schützen. Ein Fünftel nutzt nicht mal Passwörter, PINs oder Sperren.

Bereits ein Drittel der 14- bis 64-Jährigen besitzt ein Smartphone. Das sind gut doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Besonders die Jüngeren surfen gern unterwegs: Von der Gruppe der unter 30-Jährigen gaben 60 Prozent an, ab und zu ein internetfähiges Mobiltelefon zu nutzen, so die jüngste TNS-Infratest-Studie. Eine Studie des Vereins Initiative D21 belegt: Allein im letzten Jahr wurden rund 12 Millionen Smartphones in Deutschland verkauft.

Die Geräte sind so attraktiv, weil sie vieles einfacher machen: Sie sind Handy, Kamera, Navi, Gameboy, Zeitung und Laptop in einem. Anders als bei einem herkömmlichen Handy sind auf dem Smartphone nicht mehr nur SMS, Fotos und Videos gespeichert. Wer in den Besitz eines fremden Smartphones gelangt, hält oft auch den Schlüssel zu Mails, Profilen von sozialen Netzwerken oder sogar zum Online-Banking in der Hand.

Denn: Ein Fünftel der deutschen Smartphone-Besitzer nutzt nicht einmal Passwörter, PIN-Nummern oder automatische Sperren, ergab eine Verbraucherumfrage für den Branchenverband Bitkom. Nur knapp die Hälfte der Nutzer hat einen Virenschutz installiert. "Deutschland hängt im internationalen Vergleich ein bisschen hinterher", sagt eine Sprecherin von McAffee, einem US-Hersteller von Antivirus-Software, im Gespräch mit n-tv.de. Zum Vergleich: 72 Prozent der Deutschen schützen laut Bitkom ihren Privatrechner vor Viren, 70 Prozent nutzen eine Firewall.

Erster Virus: Rick Astley auf dem iPhone

Dabei mangelt es nicht an Bedrohungen für das Smartphone. Und zwar für alle Betriebssysteme: Android, Windows, Symbian, Blackberry, Linux und iOS. Schon vor drei Jahren trat mit "iKee" der allererste Handy-Wurm auf. Das Hintergrundbild verschwand, stattdessen erschien ein Foto von Sänger Rick Astley - mit einer Drohung, die auf seinen Song von 1987 anspielte: "iKee is never gonna give you up". Der Wurm zeigte, dass auch Smartphones gehackt werden können, selbst das iPhone.

Den ersten Angriff auf Android-Handys meldete der russische Software-Hersteller Kaspersky Lab vor zwei Jahren. Ein Trojaner tarnte sich als Mediaplayer und verlangte schon bei der Installation Geld. Der "DroidDream" Anfang letzten Jahres zielte ebenfalls auf die Android-Geräte ab, über 50 beliebte Apps waren gefälscht und dann fleißig heruntergeladen worden. Google griff kurzerhand auf 260.000 Smartphones zu und entfernte die Apps. Wurm "Mitmo" ("man in the mobile") und der Trojaner "Spy-Eye" hatten es vor allem auf Bankdaten abgesehen.

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Von den 14- bis 29-Jährigen nutzen bereits 60 Prozent ab und zu ein internetfähiges Handy.

(Foto: picture alliance / dpa)

Doch obwohl es bereits Beispiele für Viren gibt, spricht etwa die Stiftung Warentest noch von einer "teils großgeredeten Gefahr". "Wir sehen da eine potenzielle Gefährdung", sagt Marcus Pritsch von der Stiftung Warentest n-tv.de, "allerdings stehen wir zurzeit noch ganz am Anfang." Die Zahl der Angriffe weltweit sei bisher noch überschaubar, "bei Computerviren sind die Zahlen mehr als tausendfach so hoch."

"Smartphones sind Hochleistungs-Computer"

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät trotzdem heute schon dringend dazu, auch auf dem Handy einen Virenscanner zu installieren. Der Schutz des Gerätes und der gespeicherten Daten sei bei Smartphones genauso wichtig wie bei jedem PC, sagt auch Bitkom-Präsident Dieter Kempf. "Smartphones sind keine Handys, sondern Hochleistungs-Computer, mit denen man auch telefonieren kann", so der Experte. Daher seien sie genauso gut zu schützen.

Mit dem Trend zum Smartphone entwickle sich auch der Trend zum Smartphone-Virus, warnt das BSI. Weil die Geräte immer mehr Funktionen haben, steige zudem die Zahl ihrer Schwachstellen. Eine große Gefahr ist laut dem Bundesamt, dass es einige wenige, sehr beliebte Geräte gibt. Diese "Monokulturen" verschärfen das Problem, weil sie das Hacken attraktiv machen: Mit geringem Aufwand kann so eine große Anzahl an Geräten geknackt werden - etwa bei einem Virus, der auf iPhone-Nutzer abzielt.

Auch die Stiftung Warentest erwartet eine Zunahme der Hacker-Angriffe. "Es wird sicher in Zukunft eine Welle geben, wir können nur nicht sagen, wann das sein wird oder wie groß sie wird", sagt Pritsch. Für mehr Sicherheit rät er den Verbrauchern vor allem zum vorsichtigen Umgang mit ihrem Smartphone. "Wer wichtige Dinge wie Online-Banking mit seinem Handy erledigt, sollte sich genau überlegen, welche Anwendungen er installiert und welche Anhänge er öffnet."

Akute Gefahr geht von Apps aus

Laut Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest geht die größte akute Gefahr aber vom unvorsichtigen Umgang mit Apps aus. "Apps greifen auf Daten zu, die sie eigentlich gar nicht brauchen", sagt der Jurist Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale NRW n-tv.de. Bevor der Nutzer eine neue App herunterlädt, sollte er sich gut überlegen, ob er sie wirklich braucht und prüfen, auf welche Daten er sie zugreifen lässt. Mit dem Thema Virenschutz beschäftigen sich die Verbraucherzentralen aber aktuell nicht.

Immerhin gibt es auch einige wenige Nutzer, die ihr Handy besonders gut schützen: Jeder Sechste kann laut Bitkom sein Handy orten lassen, wenn er es verliert oder es gestohlen wird. Apple und Windows haben beispielsweise eigene Ortungsdienste, die ihre Handys mittels GPS-Daten und umliegenden WLan-Netzwerken ausfindig machen können. Jeder neunte Nutzer kann zudem per Fernzugriff alle Daten löschen lassen.

Quelle: n-tv.de

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